Medizin

HIV: Gentherapie soll Impfstoff im Körper bereitstellen

Montag, 23. Februar 2015

Jupiter – Auf der Suche nach einem langfristigen Schutz vor einer HIV-Infektion gehen US-Forscher neue Wege. In Nature (2015; doi: 10.1038/nature14264) stellen sie ein Verfahren vor, bei dem der Körper mittels Gentherapie veranlasst würde, einen „synthetischen“ Antikörper zu produzieren. Bei Affen war die Prävention erfolgreich.

Alle Versuche, einen zuverlässigen Impfstoff gegen HIV herzustellen, sind bislang gescheitert. Die beste Wirkung wurde 2009 mit dem Impfstoff RV144 erzielt. In der sogenannten Thai-Studie senkte er die Infektionsrate von Prostituierten um etwa 31 Prozent. Das war zu wenig, um ihn für eine breite Anwendung zu qualifizieren, zumal die Schutzwirkung nicht von Dauer war. Michael Farzan vom Scripps Research Institute in Jupiter im US-Staat Florida führt das Versagen auf die Komplexität des Hüllproteins zurück, mit dem das HI-Virus an der Oberfläche der menschlichen T-Zelle andockt.

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Dabei gibt es zwei Ankerpunkte auf der T-Zelle: Die Rezeptoren CD4 und CCR5. Die bisherigen Antikörper binden nur an CD4. Besser wäre es laut Farzan, wenn gleichzeitig auch CCR5 belegt würde. Dies sei mit natürlichen Antikörpern, die durch eine Impfung erzeugt werden, nicht zu bewerkstelligen. Farzan hat deshalb ein Molekül konstruiert, das aus zwei Bestandteilen besteht: einem CD4-Immunglobulin und einem Kurzpeptid, das an CCR5 bindet.

Zellversuche zeigen, dass das „eCD4-Ig“ genannte Protein in der Lage ist, T-Zellen vor einer Infektion mit HIV zu schützen. Die Wirkung war dabei sehr breit gefächert. Das gleiche Molekül war gegen eine Vielzahl von „resistenten“ HIV-1 und HIV-2-Isolaten aktiv, die von natürlichen Antikörpern nicht mehr erkannt wurden. Dasselbe eCD4-Ig schützte die Zellen auch vor dem SI-Virus, dem Verwandten des HI-Virus bei Menschenaffen.

Damit das Protein eCD4-Ig Menschen vor einer Ansteckung schützt, müsste es dauerhaft im Körper vorhanden sein. Regelmäßige Injektionen oder gar Infusionen scheiden aus. Als vorbeugende Maßnahme würden sie kaum akzeptiert werden. Farzan schlug deshalb den Weg einer Gentherapie ein. Er stattete adenoassoziierte Viren (AAV) mit einem Gen zur Synthese von eCD4-Ig aus.

AAV werden in der Gentherapie als Vektoren verwendet. Sie infizierten nach einer intramuskulären Injektion Muskelzellen, die dann die übertragenen Gene in Proteine umsetzen. Die US-Forscher haben den Ansatz bereits bei vier Rhesusaffen erprobt. Alle Tieren waren nach der Gentherapie vor einer Infektion mit dem SI-Virus geschützt. Die Wirkung der Gentherapie hielt 34 Wochen an. Danach müsste die Therapie wohl wiederholt werden.

Farzan ist zuversichtlich, dass die Therapie auch beim Menschen wirken könnte. Von klinischen Studien ist allerdings derzeit noch nicht die Rede. Zunächst dürften weitere tierexperimentelle Studien notwendig werden. Dabei wird es um die Frage gehen, ob das eCD4-Ig-Protein, das ja körperfremd ist, nicht zum Ausgangspunkt von Immunreaktionen wird. Eine Antikörperantwort gegen das eCD4-Ig-Protein könnte die Schutzwirkung schnell beenden und im schlimmsten Fall sogar eine Entzündungsreaktion auslösen.

Bei gesunden Probanden, für die die Prophylaxe gedacht ist, wäre dies nicht akzeptabel. Auch die Induktion von Tumoren, zu denen es gelegentlich nach Gentherapien gekommen ist, würde den Einsatz infrage stellen.

© rme/aerzteblatt.de

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