Politik

Ebola-Sonder­beauftragter mahnt zur Vorsicht

Donnerstag, 19. Februar 2015

Berlin – Angesichts von schwankenden Zahlen bei den Ebola-Neuinfektionen in Westafrika kann nach Ansicht des Ebola-Sonderbeauftragten der Bundesregierung, Walter Lindner, von einer Entwarnung noch keine Rede sein. „Die aktuell wieder etwas steigenden Fallzahlen zeigen, dass Ebola noch nicht im Griff ist“, er heute bei einer Informationstagung in Berlin. Die drei „Herausforderungen des Moments“ seien zum einen, die Zahl der Neuinfektionen auf Null zu bringen, zweitens von der Nothilfe zur Entwicklungshilfe zu wechseln und schließlich Lehren aus der Ebola-Krise zu ziehen.

Zahl der Neuinfektionen steigen wieder
Insgesamt registrierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei der  Epidemie fast 23.000 Ebolafälle, mehr als 9.000 Menschen starben an der Infektion. Sie geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Nachdem die Ausbreitung der Krankheit zum Jahreswechsel gebremst schien, zeichnete sich in den vergangenen Wochen wieder ein Anstieg der Neuinfektionen ab. Seit Anfang des Jahres wurden in Westafrika fast 2.500 weitere Infizierte registriert.

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Lindner, der in der nächsten Woche zum wiederholten Mal nach Westafrika reisen wird, betonte, dass man mit den  Anstrengungen jetzt nicht nachlassen dürfe. „Wir wissen nicht, wie sich der Verlauf der Epidemie entwickelt“, sagte er in Berlin. Allerdings sehe er Licht am Ende des Tunnels, räumte er ein. „Es gibt realistische Chancen und die Hoffnung, die Zahl der Neuinfektionen an Ebola noch in der ersten Jahreshälfte nahe Null zu bekommen.

Die Regierungschefs der drei am stärksten von Ebola betroffenen Länder Sierra Leone, Guinea und Liberia hatten jüngst bei einem Sondergipfel in Guineas Hauptstadt Conakry erklärt, Ebola bis Mitte April besiegen zu wollen. Sie forderten gleichzeitig die internationale Gemeinschaft auf, ihnen die notwendige Hilfe zukommen zu lassen.

„Die letzte Meile ist die schwierigste“, sagte Lindner. Bundeswehr und Deutsches Rotes Kreuz würden jetzt weniger benötigt. Dringend notwendig seien jetzt vielmehr die Einbeziehung der Dorfgemeinschaften sowie interkulturelle Anstrengungen. Die Länder  müssten auch in entlegenen Gebieten die Fähigkeit haben, Kranke frühzeitig zu erkennen, zu isolieren und Desinfektionen korrekt durchzuführen.  

Bezüglich der Lehren aus der Epidemie räumte Lindner ein, dass Deutschland und die Staatengemeinschaft nicht angemessen vorbereitet waren. „Die internationale Hilfe ist sehr spät angelaufen“, erklärte er. „Wir hatten keine Erfahrungen mit dem Virus. Frühe Warnungen wurden überhört.“ Dann aber sei die Hilfe konkret geleistet worden. „Sie hat auch tatsächlich den Unterschied bei der Bekämpfung der Seuche gemacht.“

Beispielsweise habe in Monrovia, Liberia, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit Unterstützung der Bundeswehr ein Behandlungszentrum eröffnet, das von der Weltgesundheits­organisation zuvor baulich errichtet worden war, berichtete DRK-Präsident Rudolf Seiters. Seit Ende Januar würden die bestehenden Strukturen vor Ort das liberianische Gesundheitssystem bei der Behandlung von schweren Nicht-Ebola-Infektions­krankheiten, wie Malaria, Meningitis et cetera, unterstützen.

Infektionsklinik mit Modellcharakter
Das Konzept der Infektionsklinik, welches auf Initiative des Liberianischen Gesundheits­ministeriums erprobt wird, besitze Modellcharakter. Dort würden etwa 200 einheimische Ärzte, Techniker, Pflegepersonal und Hygieniker von DRK-Mitarbeitern und Bundes­wehrangehörigen für die Behandlung von Ebola trainiert.

„Bisher wurden in der Einrichtung in Monrovia über 170 Patienten betreut, 42 davon wurden stationär aufgenommen“, sagte Seiters. Das DRK hat seit Anfang Oktober insgesamt 71 Helfer nach Liberia und  Sierra Leone entsendet. Die Bundesregierung unterstützte das DRK in diesem Bereich mit 18 Millionen Euro. © ER/aerzteblatt.de

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