Politik

Gröhe kritisiert Impfgegner als verantwortungslos

Sonntag, 22. Februar 2015

Berlin – Als Reaktion auf den Masernausbruch in Berlin erwägt die Regierungskoalition eine gesetzliche Impfpflicht. „Wenn wir es nicht schaffen, mit verstärkter Aufklärung und Beratung die Impfraten bald zu steigern, sollten wir über eine Impfpflicht in Kindergärten und Schulen nachdenken“, sagte der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn der Welt am Sonntag. Die Forderung wird auch vom Koalitionspartner SPD erhoben.

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Es ist unverantwortlich, seine Kinder nicht zu impfen, weil...

„Wir brauchen jetzt eine konzertierte Aktion von Gesundheitspolitikern aller Parteien und von den Ärzteverbänden, um eine große Impfwelle in Gang zu setzen“, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach der Zeitung. Wenn es nicht gelinge, die Impfbereitschaft zu steigern, „muss eine Impfpflicht für Kleinkinder der nächste Schritt sein“.

In Berlin wurden dem Bericht zufolge in diesem Jahr bereits 447 Masernfälle gemeldet und damit mehr als bundesweit im gesamten vergangenen Jahr.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) kritisierte Impfgegner scharf. „Die irrationale Angstmacherei mancher Impfgegner ist verantwortungslos“, sagte Gröhe dem Blatt. „Wer seinem Kind den Impfschutz verweigert, gefährdet nicht nur das eigene Kind, sondern auch andere - das kann zu schweren Gesundheitsschäden führen.“ Die Impflücke müsse durch eine gemeinsame Kraftanstrengung von Ärzten, Kitas, Schulen und aller anderen Verantwortlichen geschlossen werden. „Wenn das nicht gelingt, ist eine Impfpflicht kein Tabu, aber sie steht jetzt nicht an”, sagte Gröhe am Montag bei einem Besuch des des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg

Auch der Präsident der Ärztekammer Hamburg und Bundesärztekammer-Chef, Frank Ulrich Montgomery, hält eine Impfpflicht aus medizinischen Gründen für sinnvoll. „Ich habe kein Verständnis für Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen und sie damit einem völlig unnötigen Risiko aussetzen.“ Eine Impfpflicht zu überprüfen sei schwierig, man könne aber zum Beispiel die Aufnahme in einen Kindergarten an den Impfstatus knüpfen, sagte MOntgomery.

Die Überlegungen für eine Impfpflicht lehnt die Opposition ab. „Impfzwang kann nicht die richtige Antwort sein", sagte die Sprecherin der Grünen für Prävention und Gesundheits­wirtschaft, Kordula Schulz-Asche, der Saarbrücker Zeitung vom Montag. Stattdessen führten Transparenz und Aufklärung zu guten Impfraten. Wenn „offen und ehrlich” über Vorteile und Risiken von Schutzimpfungen informiert werde, sei auch mit einer größeren Bereitschaft dazu in der Bevölkerung zu rechnen, sagte die Grünen-Politikerin.

Auch der Gesundheitsexperte der Linksfraktion, Harald Weinberg, lehnte einen gesetzlichen Impfzwang ab. Das Selbstbestimmungsrecht der Eltern müsse weiter gelten, sagte Weinberg der Zeitung. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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