Ärzteschaft

Hämatologen und Onkologen für routinemäßiges Screening auf psychosoziale Belastungen

Montag, 23. Februar 2015

Berlin – Die niedergelassenen Hämatologen und Onkologen wollen ein routinemäßiges Screening auf psychosoziale Belastungen in all ihren Praxen einführen. Das geht aus einem 5-Punkte-Plan hervor, den der Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland (BNHO) und das Wissenschaftliche Institut der Nieder­gelassenen Hämatologen und Onkologen (WINHO) am Freitag vorgestellt haben. „Wir müssen als Berufsgruppe lernen, die Patienten zu identifizieren, die mehr brauchen als die Grundversorgung“, erklärte der Vorsitzende des BNHO, Stephan Schmitz, auf einem Symposium anlässlich des zehnjährigen Bestehens des WINHO.

Im Rahmen ihres 5-Punkte-Plans wollen BNHO und WINHO zudem die Langzeit­belastungen von Krebspatienten untersuchen und Anforderungen an eine strukturierte Nachsorge nach abgeschlossener Therapie erarbeiten. „Das Thema ‚Survivor Care‘ ist extrem wichtig, und es wird in den nächsten Jahren noch wichtiger werden“, betonte Schmitz.

Anzeige

Auch wollen die niedergelassenen Hämatologen und Onkologen den Zugang ihrer Patienten zu innovativen Therapieoptionen erleichtern. Dafür wollen sie die Patienten­rekrutierung in klinische Studien verstärken und die patientenorientierte onkologische Versorgungsforschung unterstützen.

Hecken: Pharmafirmen werden künftig Lebensqualität stärker im Blick haben
In diesem Zusammenhang wies der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), Josef Hecken, darauf hin, dass nur bei einer von 30 Nutzenbewertungen neuer Onkologika der Hersteller belastbare Daten zur Lebensqualität der Patienten vorgelegt hat, die ausreichten, um dem Wirkstoff aus diesem Grund einen Zusatznutzen zu geben. Alle anderen hätten nur die Parameter eines medianen oder progressionsfreien Überlebens berücksichtigt.

Hecken, der auch die Schirmherrschaft des Symposiums übernommen hat, äußerste seine „feste Überzeugung, dass sich in diesem Bereich etwas ändern wird, und die Hersteller die Lebensqualität der Patienten bei ihren Studien mehr in den Blick nehmen werden“. Denn darauf weise sie der G-BA bereits bei Gesprächen hin, die noch vor Durchführung der Zulassungsstudien mit den Herstellern geführt würden.

Die weiteren Pläne von BNHO und WINHO sind, den gut informierten Patienten zu fördern und an der Behandlung zu beteiligen sowie die Rolle des behandlungsführenden Arztes zu stärken. „Onkologische Versorgung ist kooperativ. Multidisziplinarität gehört zum Alltag“, heißt es dazu in dem 5-Punkte-Plan. Persönliche ärztliche Verantwortung dürfe dabei aber nicht hinter Teams und Institutionen zurücktreten.

WINHO vor zehn Jahren gegründet
Der BNHO hat das WINHO im November 2004 gegründet, um zu überprüfen, ob und wie die ambulanten Angebote zur Behandlung von Krebserkrankungen bei den Betroffenen ankommen. „Wir bauen ein eigenes Institut, um die Versorgungslandschaft besser zu verstehen“, umschrieb der Geschäftsführer des WINHO, Walter Baumann, dessen Aufgaben auf dem Symposium.

Auch werde der Frage nachgegangen, wie sich die Versorgungssituation durch den Wandel der modernen Onkologie verändere. Denn die Erfolge erzeugten auch neue Bedürfnisse der Patienten, die nach einer Beendigung der Therapie weiter versorgt werden müssten. Baumann wies darauf hin, dass das WINHO durch über 200 onkologische Praxen finanziert werde und pharmaunabhängig sei © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Ärzteschaft

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige