Ärzteschaft

Internisten wollen gegen unnötige medizinische Leistungen vorgehen

Dienstag, 24. Februar 2015

Wiesbaden – Eine neue Task Force „Unnötige Leistungen“ der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) soll mehr Bewusstsein für ärztliche Leistungen schaffen, die sich als wirkungslos oder sogar schädlich erwiesen haben.

„Viele medizinische Eingriffe bedeuten auch eine Belastung für den Patienten“, erläuterte der DGIM-Vorsitzende Michael Hallek aus Köln. Ärzte hätten die Pflicht, nicht nur zu behandeln, sondern die Patienten auch vor Therapien zu bewahren, die nichts nützten oder sogar schadeten, so Hallek. „Verschreiben Sie keine Antibiotika gegen Atemwegs­infekte. Wiederholen Sie eine Darmspiegelung nur alle zehn Jahre, sofern die Resultate unauffällig sind. Machen Sie kein Osteoporose-Screening bei Frauen unter 65 Jahren, wenn kein erhöhtes Risiko vorliegt“, nannte er drei Beispiele.

Anzeige

Die DGIM-Aktion geht zurück auf die US-amerikanische Ärzte-Initiative „Choosing wisely“. Seit 2012 gibt sie Listen mit unnötigen medizinischen Leistungen heraus. Eine ähnliche Liste veröffentlichten Schweizer Internisten im Mai 2014. Bei vielen Leistungen auf diesen Listen handelt es sich um lang etablierte Methoden, die aber nicht mehr dem heutigen Kenntnisstand entsprechen.

„Wenn nicht regelmäßig ein Abgleich mit der medizinischen Entwicklung stattfindet, hängt veraltetes Wissen als Ballast an uns und den Patienten und bindet auch Mittel, die an anderer Stelle fehlen“, so der DGIM-Präsident. Problematisch sei zudem, dass das Gesundheitssystem zuweilen falsche ökonomische Anreize setze.

Das Gespräch mit dem Patienten oder das bewusste Unterlassen von Behandlungen sei zum Beispiel unterbewertet, so der Direktor der Klinik für Innere Medizin I der Universität zu Köln. „Das Gespräch mit dem Patienten ist eine wichtige ärztliche Tätigkeit, die künftig besser honoriert werden muss, auch wenn der Arzt anschließend keine weitere Untersuchung anordnet oder kein Medikament verschreibt“, fordert er.

Die neue Task Force „Unnötige Leistungen“ soll für diese Problematik sensibilisieren.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

EEBO
am Mittwoch, 25. Februar 2015, 21:20

Ach ja, der nun mal wi(e)der

habe diese unnötigen Kommentare wirklich vermißt - Äpfel und Birnen, und dann natürlich noch die Strophantinverschwörung (gähn!)...
Widerstand
am Mittwoch, 25. Februar 2015, 12:35

Patient geschützt - Patient leider tot.

So könnte man dieses Geschwätz zusammenfassen. Es wird sowieso nur verordnet, was dem "Arzt" nützt und den Patienten teilweise unerträglich belastet.
Beispiel: In Jahrzehnten Hundertausende Leben gerettet durch Strophantin, es folgte Geldgier mit Verweigerung des Medikamentes, es folgte als Weiterentwicklung für Herzpatienten Xarellto und den durch Xarellto geschützten 244 Toten.
Hurra, wir brauchen eine weitere bigotte Task Force zum Schutz der tödlichen Medikamente... äh
5.000 News Ärzteschaft

Nachrichten zum Thema

28.06.16
München – Vor überzogenen Erwartungen an die Telemedizin hat der Vorsitzende des bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV), Dieter Geis, gewarnt. „Die moderne Kommunikationstechnologie eröffnet......
12.01.16
Berlin – Mehr Selbstbewusstsein und Mut bei der ärztlichen Indikationsstellung – das wünschten sich die Teilnehmer der Veranstaltung „Akademien der Bundesärztekammer im Dialog“, die am vergangenen......
30.10.15
Köln – Wer sich eine klare Ansage vom ehemaligen Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio zum Thema „Rationierung oder Priorisierung in sozialen Sicherungssystemen – verfassungsrechtliche Grenzen“......
14.10.15
„Gemeinsam klug entscheiden“ –  Fachgesellschaften stellen neue Initiative vor
Berlin – Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) startet unter dem Leitsatz "Gemeinsam Klug Entscheiden" eine Qualitätsoffensive. Mit ihr möchte sie......
09.07.15
Berlin – Keine bildgebenden Untersuchungen bei Rückenschmerzen und keine Antibiotika bei Atemwegsinfekten: Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) will mit der Initiative „Klug......
16.06.15
Bayreuth – Eigennutz ist offenbar für die Einstellung zur Priorisierung medizinischer Leistungen von zentraler Bedeutung. Das zeigt eine neue Studie der Universitäten Bayreuth und Halle-Wittenberg im......
19.04.15
Mannheim – Die Initiative „Klug entscheiden“ der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hat eine „enorme Resonanz mit konstruktiven Diskussionen in der Ärzteschaft“ ausgelöst. Das sagte der......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige