Ärzteschaft

Breiter Protest gegen GKV-Versorgungs­stärkungsgesetz

Mittwoch, 4. März 2015

Berlin/Hannover – Gegen den Regierungsentwurf für das GKV-Versorgungs­stärkungs­gesetz haben verschiedene Ärzteorganisationen protestiert. Das Gesetz wird am Donnerstag im Bundestag diskutiert. „Aus Sicht der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten trägt der Gesetzentwurf den falschen Namen: In Wahrheit schwächt er die ambulante Versorgung“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Niedersachsen, Mark Barjenbruch.

Besonders problematisch sei die Termingarantie für Facharztbesuche. „Zur Abwicklung sollen die KVen eine neue Terminvergabestelle schaffen, die Anrufern den nächsten freien Termin in einer Praxis zuweist – und damit einen Arzt, der im Zweifel für die Patienten schwer erreichbar ist und sie gar nicht dauerhaft betreuen kann. Das kann nicht im Interesse der Versicherten sein“, so Barjenbruch.

Anzeige

Eine „erhebliche Ausdünnung der ambulanten Versorgung von Patienten in den Berliner Stadtbezirken“ fürchtet die KV Berlin. Grund dafür sei die im Gesetz vorgesehene Verschärfung der Aufkaufpflicht frei werdender Arztsitze. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass ein Arztsitz nicht mehr nachbesetzt werden darf, wenn eine Region statistisch gesehen einen Versorgungsgrad von mehr 110 Prozent aufweist.

Dann gilt sie als überversorgt, und der Arztsitz soll von den KVen aus der Versorgung herausgenommen werden. Nach derzeit geltendem Recht ist dies noch eine Kann-Regelung. „Wenn aus einem ‚kann‘ ein ‚soll‘ wird, hat das in Zukunft spürbare Folgen für die ambulante ärztliche Versorgung der Berliner“, warnte die KV.

Laut dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) müssten in Berlin die Sitze von mehr als 200 Hausärzten, mehr als 75 Kinderärzten, mehr als 56 Orthopäden und mehr als 940 Psychotherapeuten wegfallen – insgesamt 2.180. „Bereits heute zeichnet sich ab, dass in den kommenden Jahren insbesondere in den östlichen Stadtbezirken Berlins zahlreiche Arztpraxen aus Altersgründen aufgegeben werden. Auch hier hat die KV Berlin kaum eine Möglichkeit, die Praxen an junge nieder­lassungswillige Ärzte neu zu vergeben“, sagte der stellvertretende KV-Vorstands­vorsitzende Uwe Kraffel.  

Eine sinnvolle Patientensteuerung statt „reiner Symbolpolitik“ fordert der NAV-Virchow­bund. Statt über geeignete Wege zur Steuerung der Patientenströme nachzudenken, würden der ambulanten Versorgung mit dem Gesetz Kapazitäten entzogen, sagte der Verbandsvorsitzende Dirk Heinrich.

Er verwies auf die Praxisnetze als Modelle dafür, wie die Versorgung in Zukunft aussehen könnte. Dank eines engen interkollegialen Austauschs und dem Einsatz elektronischer Kommunikationswege seien die Wartezeiten in den Netzen bereits heute deutlich kürzer als in der ungesteuerten Regelversorgung. „Mehrfachuntersuchungen werden vermieden. Medikamente kommen nur in dem Maß zum Einsatz, wie sie tatsächlich gebraucht werden“, zählte Heinrich Vorteile der Netze auf.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Ärzteschaft

Nachrichten zum Thema

30.08.16
KBV-Versicherten­befragung: Patienten schätzen ihre Ärzte
Berlin – Ein „gutes“ oder „sehr gutes“ Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt haben 91 Prozent der Bürger in Deutschland. 93 Prozent schätzen dessen fachliche Kompetenz als „gut“ oder „sehr gut“ ein.......
15.08.16
Termin­servicestellen: Interesse bislang gering
Berlin – Die neuen Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen stoßen bislang offenbar auf wenig Resonanz. In den ersten sechs Monaten seien bundesweit hochgerechnet rund 61.000 Termine......
05.08.16
Hamburg – Rund ein Viertel aller niedergelassenen Ärzte in Deutschland bietet Patienten Abendsprechstunden an. Das hat eine aktuelle Auswertung der Stiftung Gesundheit ergeben. Basis ist die......
04.08.16
Verlegung des Praxissitzes in einen besser versorgten Stadtteil problematisch
Berlin – Ein regionaler Zulassungsausschuss darf der Verlegung einer Arzt- oder Psychotherapeutenpraxis von einem weniger gut versorgten Stadtteil in einen besser versorgten nur zustimmen, „wenn......
04.08.16
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) tritt Vorwürfen entgegen, Ärzte seien in Deutschland regional schlecht verteilt. „Zunächst einmal ist die Sicherstellung in allen Regionen......
25.07.16
Magdeburg – Sechs Monate nach dem Start des Facharzt-Services stößt das Angebot bei den Patienten im Land auf sinkendes Interesse. Zwar haben seit dem Start am 25. Januar rund 3.300 Patienten die......
19.07.16
AOK-Institut kritisiert Ärzteverteilung in Deutschland
Berlin – Die Verteilung der Ärzte in Deutschland kritisiert hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO). Dem sogenannten Ärzteatlas 2016 zufolge steht Deutschland bei der Arztdichte mit 4,1......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige