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Salzhaltige Kost könnte vor Infektionen schützen

Donnerstag, 5. März 2015

Regensburg – Der Körper lagert im Alter vermehrt Salz im Körper ein. Für Herz und Kreislauf hat dies aufgrund eines Anstiegs des Blutdrucks negative Auswirkungen. Für die Infektabwehr könnte ein hoher Salzgehalt im Gewebe jedoch vorteilhaft sein, wie Untersuchungen in Cell Metabolism (2015; 21: 493–501) zeigen.

Dass der Körper im Fall einer Infektion vermehrt Salz einlagert, haben der Mikrobiologe Jonathan Jantsch und der Nephrologe Jens Titze per Zufall entdeckt, als sie sich ein Büro im Universitätsklinikum Erlangen teilten. Bei der Untersuchung von Labor­mäusen, die eine Niedrigsalzdiät durchliefen, fiel auf, dass Mäuse mit wunden Stellen in den betroffenen Hautstellen vermehrt Salz speicherten.

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Ähnliche Veränderungen wurden auch beim Menschen beobachtet. Mit der 24Na-Spek­troskopie, einer Variante der Kernspintomographie, können die Forscher zeigen, dass eine schwere Hautinfektion zu einer vermehrten Einlagerung von Salz in der Haut führt. Nach einer erfolgreichen Antibiotikabehandlung sinkt der Salzgehalt der Haut wieder.

Dies veranlasste die Forscher zu der Hypothese, dass die Anreicherung von Salz in infektiösem Gewebe in Zusammenhang mit der Infektionsabwehr stehen könnte. Im weiteren Verlauf der Untersuchungen konnten sie zeigen, dass Salz tatsächlich die Abwehrleistung von Makrophagen steigert. In Zellkulturen setzten die Immunzellen deutlich mehr Abwehrstoffe frei, wenn die Nährstofflösung einen hohen Salzgehalt hatte. E. coli Bakterien wurden doppelt so schnell eliminiert.

Ähnliche Effekte wurden auch im Tierversuch beobachtet: Die Forscher fütterten eine Gruppe von Mäusen über zwei Wochen mit einer Hochsalzdiät. Eine andere Gruppe wurde auf eine salzarme Diät gesetzt. Danach wurden die Pfoten der Tiere mit Leishmania major infiziert. In beiden Gruppen kam es zu einer Schwellung der Pfoten. In den ersten 20 Tagen gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Danach klang die Entzündung bei den Mäusen mit Hochsalzdiät schneller ab und in den Wunden wurden weniger Keime gefunden als in der Kontrollgruppe.

Ob eine Hochsalzdiät auch beim Menschen die Abheilung von bakteriellen Infektionen fördert, wurde bisher nicht untersucht. Vorstellbar wäre dies nach Ansicht der beiden Forscher. Ohne einen klinischen Beleg durch kontrollierte Studien gibt es allerdings keinen Anlass für einen Therapieversuch. Abgeraten wird auch von der Idee, durch eine salzreiche Kost bakteriellen Infektionen vorzubeugen, wofür es ebenfalls keinerlei Evidenz gibt. Wenig umstritten ist dagegen, dass ein hoher Salzgehalt in der Nahrung auf Dauer den Blutdruck erhöht und damit das Risiko auf Herzkreislauferkrankungen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass die Salzeinlagerung des Körpers im Alter zunimmt. Ein möglicher Grund könnten laut Jantsch und Titze chronische Entzündungsvorgänge im Körper sein. Die hohe Salzeinlagerung im Körper könnte dann wiederum den Blutdruck steigern. Auch dies ist derzeit allerdings eine unbewiesene Hypothese.

© rme/aerzteblatt.de

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