Medizin

Mammakarzinom: Goserelin vermeidet vorzeitige Menopause und Tod

Freitag, 6. März 2015

Cleveland – Eine Begleitbehandlung mit Goserelin, einem Analogon des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH), hat in einer randomisierten Studie bei Frauen mit östrogenrezeptor-negativem Mammakarzinom nicht nur häufig eine vorzeitige Menopause verhindert und die Fertilität erhalten. Es kam laut der Publikation im New England Journal of Medicine (2015; 372: 923-932) auch zu einer signifikanten Verbesserung der Überlebensrate.

An der Prevention of Early Menopause Study (POEMS) hatten an 34 Zentren in Aus­tralien und Europa (keine deutsche Beteiligung) insgesamt 218 prämenopausale Frauen (Durchschnittsalter 37 Jahre) teilgenommen, bei denen ein Brustkrebs in einem resezier­baren Stadium (bis IIIa) diagnostiziert worden war und bei denen eine adjuvante oder neoadjuvante Chemotherapie vorgesehen war. Zum Einsatz kommen in der Regel anthrazyklin-haltige Kombinationen, die in einem gewissen Prozentsatz eine Ovarialinsuffizienz auslösen.

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Die vorzeitige Menopause ist dann nicht nur mit quälenden klimakterischen Beschwerden verbunden. Langfristig steigt das Risiko von Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und die Frauen sind in der Regel unfruchtbar. Die Studie sollte untersuchen, ob eine Begleitbehandlung mit einem GnRH-Analogon eine vorzeitige Menopause abwenden kann.

Zum Einsatz kam der Wirkstoff Goserelin, der auch in der Reproduktionsmedizin zur Stimulierung der Ovarialfunktion eingesetzt wird. Da zu den Wirkungen von Goserelin die vermehrte Bildung von Östrogenen im Ovar gehört, durften an der Studie nur Frauen mit rezeptor-negativen Tumoren teilnehmen. Da sich die Ovarialfunktion häufig erst langsam erholt, wurden die Frauen über zwei Jahre nachbeobachtet. Sponsor der Studie war das US-National Cancer Institute.

Wie das Team um Halle Moore von der Cleveland Clinic berichtet, senkte die Begleit­therapie mit Goserelin den Anteil der Frauen, bei denen es nach der Chemotherapie zu einer dauerhaften Menopause kam von 22 auf 8 Prozent. Die Odds Ratio von 0,30 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,09 bis 0,97 signifikant. Auch die Schwan­ger­schaftsrate war in der Goserelin-Gruppe mit 21 Prozent deutlich höher als in der Vergleichsgruppe, in der 11 Prozent der Frauen schwanger wurden.

Die eigentliche Überraschung der Studie war jedoch, dass Goserelin nicht nur eine vorzeitige Menopause verhinderte und vielen Frauen den Kinderwunsch erfüllen half. Auch die Überlebenschancen verbesserten sich: Das krankheitsfreie 4-Jahresüberleben stieg von 78 auf 89 Prozent (adjustierte Hazard Ratio 0,49; 0,24-0,97). Die 4-Jahres-Gesamtüberlebensrate verbesserte sich von 82 auf 92 Prozent (adjustierte Hazard Ratio 0,43; 0,18-1,00).

Moore vermutet, dass dieser Begleiteffekt über GnRH-Rezeptoren vermittelt wird, die auf einigen Tumorzellen vorhanden sind. Sie warnt jedoch davor, die Ergebnisse auf Patientinnen mit östrogenrezeptor-positiven Tumoren zu übertragen. Bei diesen Frauen wird häufig eine Suppression der Ovarien angestrebt, um die Produktion von Östrogenen als Wachstumsfaktor auszuschalten. © rme/aerzteblatt.de

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