Medizin

Geburtshilfe: Große Unterschiede beim Kaiserschnitt in Europa

Montag, 9. März 2015

London. In Island wird jedes siebte Kind per Kaiserschnitt geboren, auf Zypern ist es mehr als jedes zweite. Eine Studie in BJOG (2015; doi: 10.1111/1471-0528.13284) zeigt, dass es in Europa sehr große regionale Unterschiede in der Geburtshilfe gibt – auch zwischen Nachbarländern wie Deutschland und den Niederlanden.

Im Jahr 1985 vertraten Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ansicht, dass der Anteil der Kaiserschnittentbindungen in Ländern mit einer niedrigen perinatalen Mortalität nicht über 10 Prozent liegen sollte. Nirgendwo auf der Erde sollte die Rate über 15 Prozent liegen. Diese Ansicht ist längst Geschichte, denn nach den jetzt von Alison Macfarlane von der City University London vorgestellten Daten gibt es in Europa nur ein einziges Land, das die „Minimalforderung“ der WHO erfüllt: In Island liegt die Rate bei 14,7 Prozent, in allen anderen Ländern ist sie höher. Das andere Extrem bildet Zypern, wo 52,2 Prozent aller Kinder per Sectio geholt werden. In Deutschland sind es 31,1 Prozent, in den benachbarten Niederlanden dagegen nur 17 Prozent.

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Der Entschluss zur Sectio caesaria fällt häufig bereits vor der Geburt. In Zypern beträgt der Anteil der elektiven Sectiones 38,8 Prozent, in Finnland sind es nur 6,6 Prozent. Auch hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen Deutschland (15,4 Prozent) und den Niederlanden (7,7 Prozent). Die Gründe kann Macfarlane in der rein deskriptiven Studie nicht klären, sie müssen allerdings kultureller Natur sein, medizinische Gründe sind für die Expertin kaum vorstellbar.

In allen Ländern werden Schnittentbindungen häufiger bei Zwillingen, bei Erstgeborenen, nach früherem Kaiserschnitt und bei einer Beckenendlage durchgeführt. Die Becken­endlage gilt in vielen Ländern als klare Indikation für eine Sectio, außer vielleicht in Norwegen, wo „nur“ 69 Prozent aller Kinder in Beckenendlage per Kaiserschnitt geholt werden: in Deutschland sind es 91 Prozent, in den Niederlanden 76,1 Prozent. © rme/aerzteblatt.de

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