Politik

Laumann: Pflege soll auf Augenhöhe mit Ärzteschaft agieren

Donnerstag, 12. März 2015

Berlin – Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, hat gefordert, dass die Pflege künftig auf gleicher Augenhöhe mit den anderen Professionen im Gesund­heitswesen agieren müsse. „Die Pflege ist kein Anhängsel im Gesundheitswesen, sondern eine eigenständige Profession, die eine für sich selbstständig definierte Position im Gesundheitswesen bekommt“, sagte Laumann vor der Eröffnung des 2. Deutschen Pflegetages heute in Berlin.

Die Pflege komme in Deutschland eher aus einer dienenden Tradition. „Ich finde, es ist an der Zeit, dass sie sich emanzipiert“, meinte Laumann. „In dem Zusammenhang müssen wir auch mit den Ärzten sprechen, was stärker in den Pflegebereich integriert werden soll. Ich kann mir viele Bereiche vorstellen, wo die Pflege genauso gut eine qualitative Arbeit erbringen kann.“

Anzeige

AOK: Wir brauchen Neuausrichtung des Verhältnisses von Ärzten und Pflegekräften
„Wir brauchen eine Neuausrichtung des Verhältnisses zwischen Ärzten und Pflege­kräften“, meinte auch der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann. „Heute sagen wir: Wenn es auf dem Land keine Alternative gibt, können auch Medizinische Fachangestellte bestimmte Aufgaben übernehmen. Da muss man insgesamt bei der Stärkung der Pflegekräfte darüber nachdenken, in welchem Verhältnis Ärzte und Pflegekräfte stehen. Diese Diskussion müssen wir noch offener führen.“

„Wir brauchen für die Pflege einen gesamtgesellschaftlichen Stellenwert, der dem der Bildungsoffensive gleichkommt“, forderte Graalmann. In der letzten Legislaturperiode habe es eine politische Offensive für mehr Landärzte gegeben. In der Pflege gebe es allerdings eine viel größere Dramatik als im Bereich der Landärzte.

Pflegeausbildung: Laumann will im Sommer Referentenentwurf vorlegen
„Die größte Herausforderung ist: Wo finden wir die Menschen, die sich um immer mehr Pflegebedürftige kümmern? Und was können wir tun, um die Pflege attraktiver zu machen?“, betonte Laumann. Wichtig sei dafür, in dieser Wahlperiode vom Kästchen­denken wegzukommen und eine generalistische Ausbildung in der Pflege einzuführen. „Ich denke, dass wir im Sommer einen Referentenentwurf vorlegen werden, müssen dafür aber noch Gespräche mit den Bundesländern führen“, erklärte der Pflege­beauftragte.

„Wir müssen die Pflege auch mit einer fairen Bezahlung wertschätzen“, so Laumann weiter. „Wer die Bekämpfung des Pflegemangels ernst nimmt, muss sich auch für eine faire Bezahlung einsetzen. Man muss Tarifverträge abschließen und sie auch einhalten.“

„Pflegepolitik muss denselben Stellenwert wie Energiepolitik bekommen“
„Ich glaube, es ist wichtig, der Pflegepolitik denselben Stellenwert zu geben wie der Energie- und Umweltpolitik“, meinte der Präsident des Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus. Da sei jedoch noch viel Luft nach oben. „Ich höre immer: Deutschland hat das beste Gesundheitssystem der Welt“, so Westerfellhaus weiter. Wenn aber Abteilungen während der Grippewelle geschlossen werden müssten, weil die Pflegekräfte fehlen, dann müsse man doch etwas ändern. Denn immerhin seien seit 2007 etwa 50.000 Pflegekräfte verlorengegangen.

Bund und Länder haben sich in ihren Eckpunkten zur Krankenhausreform darauf verständigt, ein Pflegeförderprogramm in Höhe von 660 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren einzurichten. „Das sind 1,4 Stellen mehr pro Krankenhaus“, kritisierte Westerfellhaus. „Das merken die Kollegen vor Ort überhaupt nicht.“ 

Pflegerat: Pflegende wollen eigene Kammern
Wichtig sei, dass die Vertreter der Pflegekräfte strukturiert an den Reformprozessen beteiligt würden. Dafür „fordern wir, dass die Selbstverwaltung der Pflege in allen Bundesländern eingeführt wird, damit die Profession die Gestaltung eigenverantwortlich mit übernehmen kann. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil die Pflegekräfte es einfordern“, sagte Westerfellhaus.

Ein Pro und Contra zu Pflegekammern

Berlin – Schon seit Jahren überlegen Gesundheitspolitiker in den Bundesländern, ob sie in ihrem Land eine Pflegekammer einrichten sollen oder nicht. Als erstes Bundesland hat sich nun Rheinland-Pfalz dafür entschieden; Schleswig-Holstein und Niedersachsen werden folgen.

Rheinland-Pfalz hat vor kurzem als erstes Bundesland die Einrichtung einer Pflege­kammer beschlossen; Schleswig-Holstein und Niedersachsen werden folgen. Hamburg hingegen hat sich nach einer Befragung der Pflegekräfte der Hansestadt gegen die Einrichtung einer Pflegekammer ausgesprochen.  

Zweites Pflegestärkungsgesetz: Referentenentwurf soll in wenigen Wochen kommen
„Die Einrichtung einer Pflegekammer ist eine ausschließlich landespolitische Ent­scheidung“, betonte Laumann. „Meine Meinung als Politiker ist aber: Man muss die Pflegekräfte an der Entscheidung beteiligen. Und wenn sich eine Mehrheit der Pflegekräfte für eine Pflegekammer ausspricht, muss man sie auch einführen.“ Man müsse den Leuten dann aber auch ehrlich sagen, was die Aufgaben einer Pflegekammer sein werden. Und es gehöre nicht zu deren Aufgaben, Tarifverträge zu verhandeln.

Laumann kündigte an, dass das Bundesgesundheitsministerium „in wenigen Wochen“ den Referentenentwurf zum zweiten Pflegestärkungsgesetz vorlegen wolle, mit dem der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt werden soll. „Dieses Jahr wollen wir mit der Gesetzgebung fertig werden, damit wir uns im Jahr 2016 auf die Veränderungen einstellen können, bevor sie ab 2017 gelten werden“, sagte Laumann.

Die Frage sei dabei, was sich durch den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff praktisch für die Pflegenden und die Pflegebedürftigen verändern werde. „Nach der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs muss der Personalschlüssel im Grunde in jeder Einrichtung neu verhandelt werden, denn jede Einrichtung ist ja unterschiedlich“, sagte Laumann. © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

23.09.16
Mehr Beratung für Pflegebedürftige vor Ort
Berlin – Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen künftig intensiver beraten und besser vor Pflegebetrug geschützt werden. Das sieht das dritte Pflegestärkungsgesetz vor, das am Freitag in erster......
20.09.16
Sozialhilfeträger: Behinderte werden in Pflege ungleich behandelt
Berlin – Sozialhilfeträger haben eine bessere Versorgung von pflegebedürftigen Menschen mit Behinderung angemahnt. Die derzeit geltende Gesetzgebung diskriminiere Menschen mit Behinderung, die in......
15.09.16
Ärzte und Pflegedienste sollen über neuen Pflegebedürftigkeits­begriff informieren
Berlin – In rund 100 Tagen – am 1. Januar 2017 – sollen die Regelungen des zweiten Pflegestärkungsgesetzes in Kraft treten. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) appellierte heute in Berlin an......
14.09.16
GKV-Spitzenverband: 2017 wird neue Ära in der Pflegeversicherung beginnen
Berlin – Der GKV-Spitzenverband geht davon aus, dass die Umstellung auf den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff zum Beginn des kommenden Jahres gelingen wird. „Ich glaube, dieses Mammutprojekt ist sehr......
09.09.16
Wiesbaden – Die Zahl der Abrechnungsbetrugsfälle im Gesundheitswesen ist im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf 4.457 registrierte Fälle in der polizeilichen Kriminalstatistik angestiegen. Darauf wies......
07.09.16
Pflegereform: Streit um Regelungslücke
Berlin – Bis zu zehn Prozent der Bewohner von Pflegeheimen erhalten keine Leistungen der Pflegeversicherung. Meist werden in diesem Fall die Heimkosten vom Sozialhilfeträger übernommen. Dies könnte......
25.08.16
Dresden – Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden hat eine Plakatkampagne gestartet, die die Aufmerksamkeit aller Besucher und Mitarbeiter des Klinikums auf die Arbeit seiner 1.870......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige