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Urintest erkennt Nierenkrebs

Sonntag, 22. März 2015

St. Louis – Zwei Proteine, deren Konzentration im Urin mit der Größe eines Nieren­karzinoms korreliert, haben in einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Oncology (2015; doi: 10.1001/jamaoncol.2015.0213) zuverlässig jene Patienten identifiziert, bei denen in einer geplanten Computertomographie ein Nierentumor entdeckt wurde. Ob sich der Test für ein Bevölkerungsscreening eignet, konnte die Studie nicht abschließend klären.

Aquaporin-1 (AQP1) ist ein Transportprotein für Wasser in den proximalen Nierentubuli. Bei einer gesunden Niere ist es im Urin nur in Spuren vorhanden. Perlipin-2 (PLIN2) ist ein Protein, das in Nierenkrebszellen bei Sauerstoffmangel gebildet wird. Beim Zerfall der Zellen kann es ebenfalls in den Urin gelangen. Jeremiah Morrissey von der Washington University in St. Louis untersucht seit einigen Jahren den möglichen Wert der beiden Proteine als Biomarker für Nierenkrebs.

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In der aktuellen Studie wurden drei Gruppen untersucht. Die erste Gruppe bestand aus 19 Personen mit bekanntem Nierenzellkarzinom. Bei allen Patienten konnte Morrissey die beiden Proteine nachweisen und ihre Konzentration korrelierte mit der Größe der Tumoren. Die zweite Gruppe umfasste 80 gesunde Kontrollen. Bei keinem konnte Morrissey eine erhöhte Konzentration der beiden Biomarker nachweisen. Zwischen den Gesunden und den Patienten mit bekanntem Nierenzellkarzinom gab es keine Über­schneidungen in den Urinkonzentrationen.

Die dritte Gruppe bestand aus 720 Patienten, bei denen aus anderen Gründen eine abdominale Computertomographie geplant war. Darunter waren 334 mit Krebser­krankungen anderer Organe in der Vorgeschichte. Bei drei Patienten wurde eine erhöhte Konzentration beider Proteine gefunden: Bei zwei dieser Patienten wurde anschließend ein Nierenkrebs diagnostiziert, der dritte Patient starb aus anderen Ursachen, bevor eine Diagnose gestellt werden konnte.

Die meisten anderen Teilnehmer der dritten Kohorte hatten unauffällige Konzentrationen der beiden Biomarker. Bei den Patienten mit Krebserkrankungen in der Vorgeschichte gab es aber Überlappungen mit den Werten der 19 Patienten mit Nierenzellkarzinom. Morrissey gibt die Sensitivität mit 95 Prozent und die Spezifität mit 91 Prozent an.

Damit ist für den Editorialisten Brian Rini von der Cleveland Clinic fraglich, ob der Test sich für ein allgemeines Bevölkerungsscreening eignen würde. Mit einer standardisierten Erkrankungsrate von 15,9 pro 100.000 Männer und 8,2 pro 100.000 Frauen ist Nierenkrebs relativ selten. In Deutschland erkranken jedes Jahr knapp 15.000 Men­schen.

Vor diesem Hintergrund müsste ein Screening eine Spezifität von nahe 100 Prozent haben, da sonst die Zahl der falsch-positiven Testergebnisse die Zahl der entdeckten Tumore weit übertreffen würde. Geklärt werden müsste zudem, ob die frühzeitige Entdeckung die Therapiechancen verbessern würden. Ein anderes Einsatzgebiet wäre die Verlaufsbeobachtung bei bekannten Krebserkrankungen. Auch hier ist nach Ansicht von Rini derzeit keine abschließende Bewertung möglich.

© rme/aerzteblatt.de

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