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Ebola-Impfstoff made in China

Mittwoch, 25. März 2015

Peking – Chinesischen Forschern ist es innerhalb kurzer Zeit gelungen, einen weiteren Impfstoff gegen das Ebola-Virus zu entwickeln. Es ist die erste Vakzine, die ein Glyko­protein der derzeit in Westafrika verbreiteten Guinea-Variante des Ebola-Virus benutzt. Der Vektor ist allerdings ein Adenovirus, gegen das viele Menschen immun sind, weshalb die im Lancet (2015; doi:10.1016/ S0140-6736(15)60553-0) vorgestellten Ergebnisse auf Skepsis stoßen.

Die Ebola-Epidemie hat sich zwar in den letzten Wochen in Liberia und Sierra Leone abgeschwächt. In Guinea sind die Erkrankungszahlen jedoch zuletzt wieder angestiegen, so dass ein von der UNO für August erhofftes Ende der Epidemie nicht als sicher gelten kann. Ein Impfstoff erscheint weiterhin sinnvoll. Die beiden Impfstoffe cAd3-ZEBOV von GlaxoSmithKline und VSV-EBOV von NewLink Genetics, der jetzt von Merck lizensiert wurde, könnten demnächst Konkurrenz aus China bekommen. In relativ kurzer Zeit haben Forscher der Technischen Universität Peking einen eigenen Impfstoff entwickelt, den die Firma Tianjin CanSino aus dem benachbarten Tianjin auf den Markt bringen will.

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Während die beiden „westlichen" Impfstoffe mit Glykoproteinen aus früheren Epidemien versehen sind – die Stämme Zaire (in VSV-EBOV und cAd3-ZEBOV) und Sudan (in V-EBOV) wurden zuerst 1976 isoliert – greift der neue chinesische Impfstoff das Glyko­protein aus der aktuellen Epidemie auf. Dies verspricht eine hohe Immunogenität des Virus, die allerdings durch die Verwendung eines „veralteten“ Trägervirus infrage gestellt wird.

In cAd3-ZEBOV ist das Glykoprotein an Adenoviren von Schimpansen gebunden, die Menschen nicht infizieren, VSV-EBOV verwendet das „Vesicular stomatitis virus“, das Huftiere und manchmal auch Schweine infiziert. Die chinesische Vakzine verwendet das Adenovirus Typ5, das Menschen infiziert und gegen das 60 Prozent der Impflinge in der jetzt vorgestellten Studie Antikörper besaßen.

Dies kann dazu führen, dass das Immunsystem die Impfviren beseitigt, bevor es zur Bildung von Antikörpern gegen das Ebola-Virus kommt. Das Team um Wei Chen, das in China in einer Phase I-Studie 40 Freiwillige mit einer niedrigen und 40 Freiwillige mit einer hohen Dosierung impfte, konnte dennoch bei 93 Prozent (niedrige Dosis) und 100 Prozent (hohe Dosis) eine Serokonversion erzielen.

Ob die erreichten Titer aber ausreichen, um Menschen sicher vor einer Infektion zu schützen, ist nach Ansicht von Andrea Marzi vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Hamilton offen. Marzi vermisst Ergebnisse aus tierexperimentellen Studien, in denen die beiden anderen Impfstoffe Affen vor einer Ebolaerkrankung geschützt hatten. Die chinesischen Forscher haben diese Entwicklungsstufe offenbar übersprungen. Erste Hinweise über die Wirksamkeit des chinesischen Impfstoffs wird es frühestens in einer Phase II-Studie geben.

In Guinea hat derweil die erste große Feldstudie mit dem Impfstoff VSV-EBOV begonnen. In den kommenden sechs bis acht Wochen sollen insgesamt rund 10.000 Menschen geimpft werden. Die Freiwilligen werden dann über drei Monate beobachtet. Erste Ergebnisse könnten bereits im Juli 2015 vorliegen, heißt es in der Pressemitteilung der Weltgesundheitsorganisation. © rme/aerzteblatt.de

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