Politik

Präventionsgesetz stößt in der betrieblichen Praxis auf Vorbehalte

Freitag, 27. März 2015

Köln – Die von der Bundesregierung propagierte Verstärkung der betrieblichen Gesundheitsförderung stößt in den Unternehmen teilweise auf große Vorbehalte. Die Skepsis wurde beim Gesundheitskongress des Westens in Köln deutlich. Die Kranken­kassen sollen mit dem geplanten Präventionsgesetz verpflichtet werden, den Betrieben in gemeinsamen regionalen Koordinierungsstellen Beratung und Unterstützung anzu­bieten. Außerdem sollen sie künftig pro Versichertem zwei Euro jährlich für die betriebliche Gesundheitsförderung ausgeben.

Jürgen Graf, früher Leitender Arzt des Medizinischen Dienstes der Lufthansa und seit 2014 Klinischer Direktor des Klinikums Stuttgart, äußerte gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt die Befürchtung, dass Beitragsmittel für Maßnahmen umgewidmet würden, deren Nutzen nicht erwiesen sei. „Für ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement braucht es kein Gesetz“, hob Graf hervor.

Anzeige

Erforderlich seien ein Arbeitgeber und ein Betriebsrat, die etwas bewegen wollten. Neue Gesetze verursachten nur neue Administration. Graf erwartet, dass Betriebsräte als Folge des Präventionsgesetzes unbezahlbare Änderungen an Betriebsvereinbarungen zur Gesundheitsförderung verlangen werden und dass es darüber zu unnötigen Ausein­andersetzungen in den Unternehmen kommen wird. Das könne durchaus auch in Krankenhäusern der Fall sein.

Diskussionsteilnehmer auf dem Kongress verwiesen darauf, dass einige Krankenkassen bereits heute betriebliche Initiativen zur Gesundheitsförderung und Suchtprävention als Konkurrenz zu den eigenen Kursen ansähen. Andere Unternehmen haben gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Krankenkassen gesammelt.

Zur Kritik am Präventionsgesetz sagte Simone Stamme, zuständige Referentin im Bundes­gesundheitsministerium, es werde keine Regulierung geben, die Arbeitgeber zu betrieblicher Gesundheitsförderung verpflichte. Das Ministerium habe in den Gesetz­entwurf insbesondere auch Anregungen von Betriebsärzten aufgenommen. © Stü/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

25.05.16
Studie benennt elf krankmachende psychische Belastungen in der Arbeitswelt
Berlin – Elf Arbeitsbedingungen, die mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden sind, haben Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg identifiziert. „Unser Ziel war,......
20.05.16
Boston – Eine effektive Krebsvorsorge setzt sich aus vier dominierenden Lifestyle-Komponenten zusammen: Nichtrauchen, wenig Alkohol, kein Übergewicht und viel Bewegung. Die richtige Dosis dieser......
18.05.16
AOK-Gesundheitskurse erreichen vor allem Frauen
München – Die AOK Bayern erreicht mit ihren Gesundheitskursen und -seminaren bislang offenbar vor allem Frauen. Darauf lässt eine Auswertung der Kasse schließen: Danach sind mehr als drei Viertel der......
13.05.16
Neue Gesundheitskampagne unterstützt Aktivität im Alter
Berlin – Eine neue Gesundheitskampagne „Trittsicher durchs Leben“ soll ältere Menschen insbesondere in ländlichen Regionen dabei unterstützen, auf sichere Weise möglichst lange mobil zu bleiben. Dafür......
13.05.16
Brüssel – Mit neuen Belastungsgrenzen für 13 krebserregende Stoffe will die Kommission der Europäischen Union (EU) die Belastung am Arbeitsplatz mit Kanzerogenen senken. „Mit diesem Vorschlag werden......
04.05.16
Prävention-Diäten bei jungen Erwachsenen zeitweise erfolgreich
Providence/Rhode Island – Das US-National Heart, Lung, and Blood Institute hat zwei Diäten für junge Erwachsene entwickelt, die einer Adipositas vorbeugen sollen. Die Ergebnisse einer randomisierten......
29.04.16
KBV stellt Wartezimmer­informationen zum Hautkrebs bereit
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) stellt Ärzten einen kostenlosen Flyer zum Thema Hautkrebs zur Verfügung, den sie im Rahmen der europaweiten Aufklärungsaktion „Euromelanoma“ vom 9.......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige