Medizin

BRCA1 und BRCA2: Lage der Mutation bestimmt Krebsrisiko

Mittwoch, 8. April 2015

Philadelphia – Nicht alle Frauen mit Mutationen in den Genen BRCA1 und BRCA2 haben das gleiche Lebenszeitrisiko auf ein Mamma- und/oder Ovarialkarzinom. Entscheidend ist laut einer Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; 313: 1347-1361), wo sich die Mutationen auf den Genen befinden.

Anders als die Bezeichnung „Brustkrebs-Gen“ vermuten lässt, sind BRCA1 und BRCA2 keine Onkogene. Sie sind im Gegenteil Bestandteile eines Reparatursystems für DNA-Doppel­strangbrüche, deren Aufgabe darin besteht, Krebserkrankungen zu verhin­dern. Erst wenn die BRCA1- oder BRCA2-Proteine infolge von Mutationen in ihrer Funktion gestört sind, kommt es zu einem statistisch erhöhten Krebsrisiko. Dies ist nicht bei jeder Änderung der 84.988 Basenpaare von BRCA1 (mit Informationen für 3.418 Aminosäuren) oder der 84.193 Basenpaare von BRCA2 (mit Informationen für 1.863 Aminosäuren) der Fall. Für BRCA1 wurden etwa tausend verschiedene Mutationen beschrieben, bei BRCA2 sind es etwa 800.

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Mit zunehmender Zahl von Gentests ergibt sich ein immer differenzierteres Bild, das in Zukunft die Beratung der betroffenen Frauen verbessern könnte. Timothy Rebbeck vom Abramson Cancer Center in Philadelphia hat zusammen mit Forschern aus Frankreich und Großbritannien die Testergebnisse von 19.581 Trägerinnen von BRCA1-Mutationen und 11.900 Trägerinnen der BRCA2-Mutationen ausgewertet, für die Daten zu Krebserkrankungen im Zeitraum von 1937 bis 2011 vorliegen.

Auf dem BRCA1 identifizierten die Forscher drei Abschnitte (breast cancer cluster regions, BCCR) die das Mammakarzinomrisiko beeinflussen, und einen Abschnitt mit Auswirkung auf das Ovarialkarzinomrisiko (ovarian cancer cluster region, OCCR). Auf dem BRCA2-Gen gibt es mindestens drei BCCR und drei OCCR. Die Variabilität des Krebsrisikos ist hier größer als bei Mutationen auf dem BRCA1-Gen.

Der Einfluss auf die Beratung der Frauen ist derzeit noch gering. So wurde das Lebens­zeitrisiko (bis 70 Jahre) von Frauen mit BRCA1-Mutationen derzeit auf 59 Prozent für das Mammakarzinom und auf 34 Prozent für ein Ovarialkarzinom geschätzt. Für eine unter  aschkenasischen Juden verbreitete Mutation ergibt sich jetzt ein Lebenszeitrisiko auf Brustkrebs von 69 Prozent und auf Eierstockkrebs von 26 Prozent.

Mit zunehmender Zahl von Untersuchungsergebnissen (und der Kenntnis der tatsächlich aufgetretenen Krebserkrankungen), könnte sich das Bild in Zukunft weiter präzisieren. Die Kalkulation wird dann aber auch die Entscheidungen der Frauen zu einer prophylak­tischen Mast- und/oder Ovarektomie einbeziehen müssen. © rme/aerzteblatt.de

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