Politik

Down Syndrom-Bluttest: Abgeordnete kritisieren ungenügende Vergleichsdaten

Dienstag, 14. April 2015

Berlin – Bundesweite Daten zu vorgeburtlichen Tests auf Trisomie 21 sowie fundierte Auswertungen zu Schwangerschaftsabbrüchen bei und Geburten von Kindern mit Down-Syndrom liegen in Deutschland bislang nicht vor. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die interfraktionelle Kleine Anfrage „Vorgeburtliche Blutunter­suchung zur Feststellung des Down-Syndroms“ hervor. Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen hatten darin im Vorfeld einer möglichen Massenanwendung der umstrittenen Bluttests ihre Sorge vor erhöhten Abtreibungsraten geäußert.

Angesichts derart elementarer Erkenntnisdefizite und mangelnder Beobachtungs­mög­lichkeiten „lassen sich weder Trends ablesen noch Vergleiche mit Entwicklungen im Ausland anstellen“, warnten die Bundestagsabgeordneten Corinna Rüffer (B90/Grüne), Hubert Hüppe (CDU), Dagmar Schmidt (SPD) und Kathrin Vogler (Die Linke). Dies erschwere die Erkenntnis und Korrektur möglicher Fehlentwicklungen. „Wenn wir schon heute nicht wissen, wie sich die Zahlen - sowohl der Geburten und Abbrüche, als auch der durchgeführten und abgelehnten Beratungen - entwickeln, können wir mit Blick auf die neuen Tests nicht beruhigt sein“, betonten die Paralamentarier.

Anzeige

Deren Sorge, der Test widerspreche der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, teilt die Bundesregierung allerdings nicht. „Das Angebot beinhaltet für sich genommen keine negative Wertung, Stigmatisierung oder Stereotypisierung“, erklärte Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CDU) in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage. Vielmehr gelte es durch Beratungsangebote werdende Eltern in ihrer Entscheidung für ein behindertes Kind zu stärken.  „Daten über die Zahl der durchgeführten genetischen Beratungen, die Häufigkeit des Verzichts auf Beratung und die Dauer der Bedenkzeit bis zur genetischen Untersuchung liegen jedoch nicht vor“, monierten die Fragesteller.

Sie warnten zudem davor, der Bluttest könne zur frühen Geschlechtsbestimmung unge­borener Kinder missbraucht werden könnte. „Wer das so ermittelte Geschlecht vor Ablauf der zwölften Schwangerschaftswoche mitteilt, handelt laut Antwort der Bundesre­gierung nach Gen-Diagnostikgesetz zwar rechtswidrig, bleibe aber straffrei. „Es muss diskutiert werden, ob die rechtswidrige Mitteilung des Geschlechts auch zu Konse­quenzen für Test-Anbieter und Ärzte führen muss“, forderten die Abgeordneten. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

01.09.15
Bern - Ein überparteiliches Komitee in der Schweiz strebt ein Referendum gegen das neue Fortpflanzungsmedizingesetz an. Ziel sei es, eine „flächendeckende willkürliche“ Anwendung der sogenannten......
02.04.15
Down Syndrom: cfDNA-Test ist Standard-Screening in nicht-selektierter Kohorte überlegen
San Francisco – Ein Nachweistest auf zellfreie fetale DNA im mütterlichen Blut hat in einer internationalen Studie an fast 16.000 Frauen lückenlos alle Fälle einer Trisomie 21 erkannt. Es kam jedoch......
20.03.15
Berlin – Erstmals nach 25 Jahren wenden sich mit einer gemeinsamen, interfraktionellen „Kleinen Anfrage“ Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen an die Bundesregierung. Dabei richten sie das Augenmerk......
07.07.14
Down-Syndrom mindestens 1.500 Jahren alt
Bordeaux – Die Trisomie 21 ist keine Chromosomen-Anomalie der Neuzeit. Dies belegt der Fund eines Skeletts in einem Grab aus dem 5. bis 6. Jahrhundert, dessen Knochen einem Bericht im International......
22.04.14
Gen treibt Leukämie bei Down-Syndrom voran
Boston – US-Forscher haben herausgefunden, warum Menschen mit Down-Syndrom häufig an einer B-Zell-Leukämie erkranken. Im Zentrum stehen mehrere Gene, die dem Bericht in Nature Genetics (2014; doi:......
26.03.14
Frankfurt – Klare Richtlinien für den Umgang mit nicht-invasiven Pränataltests hat die Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen gefordert. Sie seien notwendig, um einen Missbrauch der Tests......
02.03.14
Berlin – Angesichts der zunehmenden Möglichkeiten der Pränataldiagnostik hat die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Christiane Woopen, ein Recht auf Nichtwissen der genetischen Abstammung auch für......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige