Medizin

WHO fordert schnellere Publikation klinischer Studien

Dienstag, 14. April 2015

Genf – Die Ergebnisse klinischer Studien sollten nach Ansicht der Weltgesundheits­organisation (WHO) innerhalb von einem Jahr nach ihrem Abschluss der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Neben einer Publikation in einer Fachzeitschrift mit einem Peer-Review-Verfahren, die spätestens nach 24 Monaten offen zugänglich sein sollte, müssten die wichtigsten Ergebnisse auch auf den Studienregistern mitgeteilt werden.

Vor zehn Jahren hatte die WHO gefordert, dass alle klinischen Studien vor ihrem Beginn in Registern angekündigt werden. Dies soll verhindern, dass Studien mit einem negativen Ausgang unter den Tisch fallen, was bei einer späteren Meta-Analyse die Einschätzung zur Wirksamkeit von Impfstoffen, Medikamenten oder anderen Therapien verzerren kann.

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Inzwischen gibt es neben dem US-Register ClinicalTrials.gov das bereits Ende der 80er-Jahre von den damaligen Aids-Aktivisten angestoßen wurde, eine Vielzahl von Studienregistern in aller Welt, die das WHO in einem eigenen Meta-Register (International Clinical Trials Registry Platform) zu überblicken versucht.

Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Registrierung der Studien auch eine Publikation der Ergebnisse nach sich zieht. Die WHO verweist hier auf eine vor zwei Jahren im Britischen Ärzteblatt veröffentlichte Analyse der Datenbank clinicaltrials.gov. Damals lagen zu 23 Prozent aller Studien, die bis 2009 abgeschlossen waren, noch keine veröffentlichten Ergebnisse vor. Es handelt sich dabei um größere Trials mit insgesamt fast 300.000 Teilnehmern. Von den klinischen Studien mit Impfstoffen gegen fünf Krankheiten, die zwischen 2006 und 2012 registriert wurden, wurden nur für 29 Prozent innerhalb der jetzt von der WHO geforderten Frist Ergebnisse publiziert.

Die Zurückhaltung von Ergebnissen klinischer Studien führt nach Ansicht von Marie-Paule Kieny, einer stellvertretenden Generaldirektorin der WHO, schnell zu Fehlinformationen und zu Fehlentscheidungen bei der Förderung der wissenschaftlichen Forschung und öffentlicher Gesundheitsleistungen. Die Folge seien steigende Kosten für öffentliche und private Einrichtungen, einschließlich von Patienten, die Geld für suboptimale oder sogar gefährliche Behandlungen ausgeben würden. © rme/aerzteblatt.de

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