Medizin

Depressionen: Achtsamkeits­meditation kann Rückfälle verhindern

Dienstag, 21. April 2015

Oxford - Eine achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (MBCT), die speziell für die Rückfallprävention der Depression entwickelt wurde, hat in einer Vergleichsstudie im Lancet (2015; doi: 10.1016/S0140-6736(14)62222-4) vielen Patienten den Verzicht auf die ungeliebten Medikamente ermöglicht.

Die MBCT (für Mindfulness-Based Cognitive Therapy) geht auf eine Idee des Oxford-Forschers John Teasdale zurück. Sie kombiniert Elemente der buddhistischen Meditation mit Erkenntnissen der kognitiven Verhaltenstherapie. Die Patienten erlernen in acht Gruppensitzungen Meditationstechniken. Sie sollen ihnen helfen, ein erneutes Versinken in ein grübelndes, negatives Denken zu verhindern, das ein Kennzeichen schwerer Depressionen ist. Gleichzeitig werden sie zu den Mechanismen der Depression geschult, damit sie einen drohenden Rückfall frühzeitig genug erkennen, um durch ihre Achtsam­keitsübungen gegenzusteuern.

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Ein Team um Willem Kuyken von der Universität Oxford hat die MBCT in einer größeren klinischen Studie mit einer medikamentösen Prophylaxe verglichen. 424 Erwachsene mit rezidivierender Major-Depression wurden auf zwei Arme randomisiert. Die erste Gruppe führte die medikamentöse Rückfallprophylaxe wie gewohnt weiter. In der anderen Gruppe wurden die Medikamente ausschleichend abgesetzt.

Gleichzeitig wurden die Teilnehmer an 95 Arztpraxen von angelernten Therapeuten an acht Terminen in die MBCT eingewiesen. Später hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, an vier Follow-up-Sitzungen im Abstand von jeweils drei Monaten, ihre Kenntnisse aufzufrischen. Zuhause sollten sich die Patienten täglich etwa eine Stunde Zeit für die Übungen nehmen.

Primärer Endpunkt der Studie war die Häufigkeit von Rückfällen der Major-Depression. Sie traten im MBCT-Arm der Studie bei 44 Prozent der Patienten und im medikamentösen Arm bei 47 Prozent der Patienten auf. Die MBCT war damit nur leicht besser. Kuyken gibt die Hazard Ratio mit 0,89 an. Mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,67 bis 1,18 war der Unterschied statistisch nicht signifikant. Kuyken hatte sich sicherlich mehr versprochen, denn in zwei früheren Studien waren die Ergebnisse etwas günstiger. Die gepolte Analyse der drei Studien ergab dann auch eine signifikante Risikoreduktion um 24 Prozent (relatives Risiko 0,76; 0,59-0,98).

Damit dürfte die MBCT der konventionellen medikamentösen Prophylaxe zumindest gleichwertig sein. Für Patienten, die keine Medikamente einnehmen wollen, könnte sie eine Alternative sein, die allerdings für die meisten am fehlenden Angebot der Therapie scheitern dürfte. Für die Kostenträger würden laut Kuyken keine Mehrkosten entstehen, was der Experte durch eine Kosten-Nutzen-Rechnung zu belegen versucht. Die Kosten der Schulung bezifferte er dabei mit 112 britischen Pfund. Sie hatten nur einen geringen Anteil an den Gesamtbehandlungskosten von etwa 2.500 Pfund. © rme/aerzteblatt.de

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