Ärzteschaft

KBV-Honorarbericht: Umsatz der Niedergelassenen steigt 2013 um 66 Cent je Behandlungsfall

Donnerstag, 30. April 2015

Berlin – Der durchschnittliche Honorarumsatz der niedergelassenen Ärzte ist 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent gestiegen – das bedeutet für das gesamte Jahr ein Plus von 4.269 Euro auf 205.357 Euro. Allerdings ist die Zahl der Behand­lungsfälle überproportional gestiegen: bei den Hausärzten um durchschnittlich 2,4 und bei den Fachärzten um 2,3 Prozent. Im Jahresmittel ist daher der Honorarumsatz je Behand­lungsfall nur um 1,1 Prozent gestiegen – um 66 Cent auf durchschnittlich 60,56 Euro im Quartal. Das zeigt der soeben erschienene neue Honorarbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Der Bericht dokumentiert auch die Quartalsumsätze. Betrachtet man statt des gesamten Jahres 2013 im Vergleich zu 2012 nur die vierten Quartale der beiden Jahre, sieht die Bilanz etwas besser aus: Danach hat sich der Quartalsumsatz je Arzt um 4,0 Prozent erhöht. Dies entspricht einem Plus von 1.980 Euro bei einem Quartalsumsatz von 51.886 Euro. Auch der Honorarumsatz je Behandlungsfall ist gestiegen. Er legte um 3,2 Prozent zu, was einen Zuwachs von 1,93 Euro und einen Quartalswert von 61,91 Euro bedeutet.

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„Aber jede zehnte Leistung erbringen Ärzte und Psychotherapeuten weiterhin ohne Vergütung“, kommentierte der KBV-Vorstandsvorsitzender Andreas Gassen die Honorar­entwicklung. Zudem müssten die Niedergelassenen auch ihre steigenden Praxiskosten decken. „Unser wichtigstes Ziel bleiben feste Preise“, betonte der KBV-Chef daher.

Die KBV betonte, dass die Honorarumsätze keinesfalls mit dem Einkommen der nieder­gelassenen Ärzte und Psychotherapeuten verwechselt werden dürften. Das Nettoein­kommen betrage durchschnittlich nur 23,5 Prozent des Honorarumsatzes. Den übrigen Anteil müssten Ärzte beziehungsweise Psychotherapeuten für Praxisunkosten sowie Steuern und Sozialversicherungen aufwenden.

Der neue Bericht zeigt auch, dass die Zunahme der Behandlungsfälle ein Plus bei der Arztzahl übersteigt: So haben 2013 0,4 Prozent mehr Hausärzte 2,4 Prozent mehr Behandlungsfälle betreut und 1,8 Prozent mehr Fachärzte 2,3 Prozent mehr Behand­lungsfälle. Die Zahl der ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten erhöhte sich um 4,1 Prozent, die Behandlungsfallzahl um 4,6 Prozent. „Diese Entwicklung spiegelt den fortschreitenden Ärztemangel wider, gegen den wir dringend Maßnahmen ergreifen müssen“, sagte KBV-Vorstand Regina Feldmann. © hil/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 30. April 2015, 21:53

Bitte eine Briefmarke mitbringen?

Na großartig! Es fängt schon damit an, dass "die Zahl der Behandlungsfälle überproportional gestiegen" sein soll: Bei den Hausärzten um 2,4 Prozent, bei den Fachärzten um 2,3 Prozent. Dies trägt doch nur der demografischen Entwicklung mit Überalterung, zunehmender Multimorbidität, bzw. erhöhter Anspruchshaltung in der medizinischen Versorgungsrealität mit "all-you-can-eat"-, "flatrate"- und kostenloser Zweitmeinungs-Mentalität Rechnung.

Deshalb ist die r e l a t i v e Erhöhung des durchschnittlichen Honorarumsatzes pro niedergelassenem Vertragsarzt/-ärztin vom Jahr 2012 auf 2013 um 2,1 Prozent nur eine Pseudoziffer. In a b s o l u t e n Zahlen ausgedrückt, ist im Jahresmittel dagegen der Honorarumsatz je Behandlungsfall nur um 1,1 Prozent gestiegen – um 66 Cent auf durchschnittlich 60,56 Euro im Quartal - da hätte jeder Patient auch einfach eine Standard-Briefmarke zu 62 Cent mitbringen können.

Ein weiteres Detail: Wenn der Quartalsumsatz im 4. Quartal 2013 durchschnittlich bei 51.886 Euro gelegen hat, und der Fallwert in diesem Quartal 61,91 Euro betrug, sind durchschnittlich pro einzelnem Haus- oder Facharzt 838 Patienten behandelt worden. Dies wird der Versorgungsrealität in vielen Haus-, Fach- und Spezialarztpraxen nicht gerecht.

Bei diesen Umsatzzahlen überproportional steigende Kosten, Abgaben und Preise sind nicht mehr aufzufangen, insbesondere, wenn das geschätzte Netto-Einkommen durchschnittlich nur 23,5 Prozent des Honorarumsatzes beträgt. Das erklärt die schwindende Bereitschaft zu Praxisübernahmen und Neugründungen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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