Medizin

Lungenkrebs: Gentest verbessert diagnostische Genauigkeit der Bronchiallavage

Dienstag, 19. Mai 2015

Boston – Die genetische Untersuchung der Zellen, die bei einer Bronchiallavage aus den Atemwegen gewonnen werden, kann die diagnostische Genauigkeit der Bronchoskopie verbessern und damit Patienten vor den Risiken invasiver diagnostischer Tests bei der Abklärung verdächtiger Läsionen in der Lunge schützen. Dies zeigen die Ergebnisse einer Studie, die auf der Jahrestagung der American Thoracic Society in Denver vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1504601) publiziert wurde.

Die US-Krankenversorgung für Senioren, Medicare, bietet seit Anfang des Jahres starken Rauchern ein jährliches Screening mit der Niedrigdosis-CT an. Die Unter­suchung kann Lungenkrebs im Frühstadium entdecken, noch häufiger kommt es allerdings zu falschpositiven Befunden. Ein Karzinom kann häufig erst durch eine Feinnadelbiopsie oder eine offene Lungenbiopsie ausgeschlossen werden.

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Nach einer offenen Lungenbiopsie kommt es bei 5 Prozent der Patienten zu Komplika­tionen und bei einem Prozent sogar zum Tod des Patienten. Die Feinnadelbiopsie hat in etwa 6 Prozent der Fälle einen Pneumothorax zur Folge. Das Risiko einer Bronchoskopie ist wesentlich geringer, doch die Chancen, den Tumor zu entdecken, sind begrenzt. Die Sensitivität liegt mit modernen Bronchoskopen bei 70 Prozent, an vielen Kliniken dürfte sie deutlich geringer sein.

Forscher vom Boston University Medical Center schlagen vor, die Bronchoskopie um eine genetische Untersuchung der mit der Lavage nach außen gespülten Zellen zu ergänzen. Das Team um Avrum Spira hat hierzu einen „Genomic Classifier“ entwickelt, der die Expression von 23 Genen berücksichtigt, die von Krebszellen vermehrt gebildet werden. Die diagnostische Genauigkeit wurde in zwei Studien an 639 Patienten (298 in AEGIS I und 341 in AEGIS II) an 28 Standorten in den Vereinigten Staaten, Kanada und Irland untersucht. Es handelte sich ausnahmslos um starke Raucher, bei denen ein verdächtiger Knoten in der Lunge abgeklärt werden sollte.

Wie erwartet, wurden durch die Bronchoskopie allein viele Tumore nicht erkannt. Die Sensitivität betrug insgesamt 75 Prozent, bei kleinen Knoten (unter 2 cm) lag sie bei 55 Prozent. Wurden die Befunde der „Genomic Classifier“ hinzugezogen, steig die Sensitivität auf 97 Prozent beziehungsweise 96 Prozent. Auch die Spezifität konnte durch die genetische Untersuchung verbessert werden.

Bei Patienten mit einer niedrigen Prätestwahrscheinlichkeit lag der negative Vorher­sagewert bei 100 Prozent. Bei Patienten mit einer intermediären Prätestwahr­scheinlichkeit betrug er noch 91 Prozent. In beiden Fällen kann nach Ansicht der Autoren auf weitere diagnostische Eingriffe guten Gewissens verzichtet werden. © rme/aerzteblatt.de

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