Politik

Behandlungsfehler: Minimaler Anstieg – Kassen sehen trotzdem keinen Grund zur Entwarnung

Mittwoch, 20. Mai 2015

Berlin - „Die Zahl der begutachteten Behandlungsfehlervorwürfe ist anhaltend hoch – insoweit können wir als Medizinischer Dienst keine Entwarnung geben.“ Mit diesen Worten hat heute Stefan Gronemeyer, Leitender Arzt und stellvertretender Geschäfts­führer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS), in Berlin die aktuellen Statistiken der Krankenkassen kommentiert. 2014 gingen die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) in 14.663 Fällen einem Behandlungsfehlervorwurf nach. Das sind kaum mehr Verfahren als im Jahr zuvor (14.585). Nur sehr gering stieg auch die Zahl der bestätigten Fehler an, nämlich von 3.687 auf 3.796 Fälle.

„Auch bei größter Sorgfalt passieren Fehler im Krankenhaus, in der Arztpraxis und in der Pflege. Uns geht es um einen offenen Umgang mit Fehlern, damit die Patienten entschä­digt werden. Zudem müssen die Fehler systematisch analysiert werden, damit sie in Zukunft vermieden werden können. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Um­stände zum Fehler geführt haben“, sagte Gronemeyer.

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Höchste Fehlerquote bei der Pflege
Knapp zwei Drittel der Behandlungsfehlervorwürfe betrafen Behandlungen in Kranken­häusern, ein Drittel Vorwürfe gegen niedergelassene Ärzte. Die meisten davon bezogen sich auf chirurgische Eingriffe. 7.845 Fälle stehen in direktem Zusammenhang mit Operationen. „Dies hat nach unserer Erfahrung damit zu tun, dass bei einem post­operativen Behandlungsverlauf, der nicht den Erwartungen entspricht, der Verdacht auf einen Behandlungsfehler nahe liegt, während Fehler bei der Medikation von Patienten oft nicht wahrgenommen werden“, erläutert Astrid Zobel, Leitende Ärztin des MDK Bayern.

Die höchste Quote an bestätigten Behandlungsfehlern findet sich jedoch nicht in der Chirurgie, sondern in der Pflege (58 Prozent von 590 begutachteten Fällen). Es folgen die Zahnmedizin ( 39 Prozent von 1.419 Verdachtsfällen, die Allgemeinchirurgie ( 27 Prozent von 1.642 Verdachtsfällen) sowie Frauenheilkunde und Geburtshilfe (27 Prozent von 1.144 Verdachtsfällen).

Crusius: Fehlerhäufigkeit im Promillebereich
Andreas Crusius, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer und Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen, ordnete die festgestellten Behandlungsfehler in das Gesamtgeschehen ein. „Bedingt durch die demografische Entwicklung, stieg die Zahl der ambulanten Behandlungsfälle in Deutschland  zwischen 2004 und 2012 um 136 Millionen auf fast 700 Millionen an. Die Zahl der stationären Fälle erhöhte sich um 1,8 Millionen auf 18,6 Millionen. Überlange Arbeitszeiten und ständiger Leistungsdruck erhöhen die Fehlerwahrscheinlichkeit. Umso bemerkenswerter ist es, dass trotz des Anstiegs der Behandlungsfälle die Zahl der festgestellten Fehler in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben ist.“

Crusius betonte aber, es sei gleichwohl wichtig, Fehler nicht unter den Tisch zu kehren, sondern aus ihnen zu lernen und betroffenen Patienten schnellstmöglich zu helfen. „Gemessen an der Gesamtzahl der Behandlungsfälle liegt die Fehlerhäufigkeit  im Promillebereich“, sagte er. „Gleichwohl bleibt es dabei: Jeder Fehler ist einer zu viel.“

MDK Berlin-Brandenburg: Interesse der Ärzte am Dialog steigt
Der MDK Berlin-Brandenburg, der seine regionale Behandlungsfehler-Statistik ebenfalls heute in Berlin präsentierte, begrüßte den Austausch über mögliche Fehlerquellen. „Ich freue mich, dass die Ärzteschaft in unserer Region offen für einen Dialog zur Qualität mit dem MDK ist“, sagte Axel Meeßen, Geschäftsführer des MDK Berlin-Brandenburg. „Damit nutzen wir die Chance, menschliches Leid und finanziellen Schaden zu verhindern."

Meeßen erläuterte, dass man seit 2014 alle bestätigten Behandlungsfehler ergänzend systematisch auswerte: „Die Analyse zeigt, dass es besonders in den Prozessabläufen und in der Kommunikation zwischen den jeweils beteiligten Ärzten Möglichkeiten gibt, relativ schnell Verbesserungen in der medizinischen Versorgung zu erzielen." Das Interesse der Ärzteschaft an den Analysen des MDK nehme zu. So habe man in mehreren Kliniken in den vergangenen Monaten Fallkonferenzen mit dem MDK durchgeführt.

Für das Unfallkrankenhaus Berlin bestätigte dessen Ärztlicher Leiter, Walter Schaffartzik, das Potenzial eines Austauschs: „Die Einbeziehung der MDK-Perspektive erweitert unseren Blickwinkel. Die systematischen Auswertungen sowie die Diskussionen an Fallbeispielen fließen direkt in das Qualitätsmanagement ein. Gleichzeitig ist der Dialog mit dem MDK auch ein Beitrag zur Förderung der Fehler-und Qualitätskultur in unserem Haus.“

Spezielle Gutachterteams prüfen beim MDK Vorwürfe von Behandlungsfehlern. Auf der Basis des MDK-Gutachtens kann ein Patient dann entscheiden, welche weiteren Schritte er unternimmt. Die MDK-Begutachtung umfasst neben der Beurteilung von Fehlern in der Medizin auch Fehler in der Zahnmedizin und in der Pflege.

Gesetzlich Krankenversicherten entstehen durch die Begutachtung keine zusätzlichen Kosten. Beauftragt wird der MDK durch die Krankenkassen. Der MDS berät den GKV-Spitzenverband in medizinischen und pflegerischen Fragen. Er koordiniert und fördert die Durchführung der Aufgaben und die Zusammenarbeit der einzelnen Medizinischen Dienste der Krankenversicherung.

© Rie/aerzteblatt.de

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Riane
am Sonntag, 24. Mai 2015, 20:25

ffuchser6

ffuchser6, hier stimme ich dir zu 100% zu
BlimDlam
am Samstag, 23. Mai 2015, 18:47

Gute Frage

Hmm...diese Sichtweise stellt sich als interessant dar. Nur ob die Frage berechtigt ist?
ffuchser6
am Mittwoch, 20. Mai 2015, 22:01

Wundert mich aber

Bei der üppigen Bezahlung als Arzt in Deutschland sind Fehler doch nicht zu erwarten. 100% schafft die Industie mit Links und die Banken gar 120%. Warum nur schaffen Ärzte mit 15€ im monat je Patient denn keine 250%?
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