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Ovarialkarzinom: Neoadjuvante Chemotherapie mit weniger Komplikationen

Mittwoch, 20. Mai 2015

Birmingham – Ein vorgezogener Beginn der Chemotherapie kann bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom die Komplikationen der Operation senken, ohne dass dies in einer Phase 3-Studie im Lancet (2015; doi: 10.1016/S0140-6736(14)62223-6) negative Auswirkungen auf die Überlebenszeit hatte.

Im Stadium III und IV des Ovarialkarzinoms ist eine Heilung nicht möglich. Das Ziel der Therapie besteht in einer Reduktion der Tumormasse. Standard ist ein operatives „Debulking“, bei dem der Chirurg alle makroskopisch sichtbaren Tumorherde aus dem Bauchraum entfernt. Anschließend erhalten die Patientinnen eine Chemotherapie, die eine Rückkehr des Tumors so lange wie möglich hinauszögern soll.

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Seit einigen Jahren wird als Alternative eine neoadjuvante Chemotherapie diskutiert. Dabei erhalten die Patientinnen einen Teil der Chemotherapie vor der Operation. Da die Zytostatika einen Teil der Tumorzellen abtöten und die Tumormasse verkleinern, kann dadurch das Ausmaß der Debulking-Operation begrenzt werden. Das Konzept wurde vor einigen Jahren bereits in einer Studie der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) an Patienten im Stadium IIIc und IV untersucht. Damals konnten die Bedenken ausgeräumt werden, dass die neoadjuvante Chemotherapie durch die Verkleinerung der Tumormassen die Gründlichkeit der Operation gefährdet (NEJM 2010; 363: 943-53). Ein Vorteil hinsichtlich der Komplikationsrate war jedoch nicht erkennbar.

Hier unterscheiden sich die jetzt veröffentlichten Ergebnisse der CHORUS-Studie, an der 552 Frauen aus Großbritannien und Neuseeland teilnahmen. Die Patientinnen, deren Ovarialkarzinom sich im Stadium III oder IV befand, wurden zur Hälfte auf die Standard­therapie mit Debulking-Operation und anschließenden sechs Zyklen einer Chemothera­pie randomisiert.

In der anderen Gruppe erhielten die Patientinnen die ersten drei Zyklen der Chemotherapie vor der Debulking-Operation. Die anderen drei Zyklen der Chemotherapie folgten in der postoperativen Phase. Wie Sean Kehoe von der Universität Birmingham und Mitarbeiter berichten, hatte der (partielle) neoadjuvante Therapieansatz keine negativen Auswirkungen auf die Prognose. Die mediane Gesamtüberlebenszeit war nach der primären Chemotherapie mit 24,1 Monaten sogar tendenziell länger als nach der primären Chirurgie mit 22,6 Monaten. Der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant.

Anders als in der EORTC-Studie konnte die postoperative Komplikationsrate gesenkt werden. Nebenwirkungen von Grad 3 oder 4 traten nach der primären Chirurgie bei 24 Prozent der Patientinnen auf gegenüber einer Rate von 14 Prozent bei Patientinnen die zuerst die Chemotherapie erhalten hatten. Dieser Vorteil war sowohl auf eine geringere Rate von chirurgischen Komplikationen (etwa postoperativen Blutungen) als auch auf schwächere Nebenwirkungen der Chemotherapie (geringere Rate von Neutropenien) zurückzuführen.

Die einzige tödliche toxische Wirkung, eine neutropenische Sepsis, trat allerdings bei einer Frau auf, die eine neoadjuvante Chemotherapie erhalten hatte. Für Kehoe ist das insgesamt geringere Komplikationsrisiko, das auch zu kürzeren Klinikaufenthalten führte, ein Argument für die neoadjuvante Chemotherapie. Es bleibt abzuwarten, ob andere Experten ihm folgen werden. Die aktuelle Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe gibt der vorgezogenen Operation mit anschließender Chemotherapie den Vorzug. © rme/aerzteblatt.de

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