Politik

Anwerbung von Pflegekräften im Ausland läuft nur schleppend

Montag, 1. Juni 2015

Gütersloh – Pflegeeinrichtungen in Deutschland tun sich schwer damit, Personal aus dem Ausland anzuwerben – obwohl kaum ein anderer Wirtschaftszweig in Deutschland derart große Schwierigkeiten hat, qualifiziertes Personal zu finden. Das berichtet die Bertelsmann Stiftung in einer neuen Studie. Dafür befragte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) knapp 600 Arbeitgeber.

Die Ergebnisse zeigen: 61 Prozent der Pflegeeinrichtungen suchen Mitarbeiter, durch­schnittlich sind dort 4,3 Stellen unbesetzt. Drei von vier Pflegeeinrichtungen, die vakante Stellen haben, bezeichnen die Suche nach geeigneten Fachkräften als schwierig. Trotzdem nimmt die Rekrutierung aus dem Ausland den letzten Platz ein unter den Strategien, mit denen die Pflegebranche diesem Arbeitskräftemangel begegnet.

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Gerade einmal 16 Prozent der Einrichtungen wählen diesen Weg. Lieber werben die Unternehmen Personal von der Konkurrenz ab (20 Prozent) oder versuchen, den Krankenstand abzusenken (83 Prozent). „An der Pflegebranche wird deutlich, wie weit Deutschland von einer gezielten und am Arbeitsmarkt orientierten Einwanderungspolitik entfernt ist“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Das Land, in dem die deutschen Pflegebetriebe in den vergangenen drei Jahren am häufigsten Arbeitskräfte gesucht haben, ist Spanien. Dort waren 61 Prozent aller Unternehmen mit internationaler Rekrutierungserfahrung aktiv. Dahinter folgen Polen (19 Prozent), Kroatien (16 Prozent), Rumänien (14 Prozent), Italien (13 Prozent) und Griechenland (12 Prozent).

Laut der Studie stießen 83 Prozent der befragten Unternehmen mit Rekrutierungs­erfahrung bei ihrer internationalen Fachkräftegewinnung auf bürokratische Hemmnisse, 67 Prozent auf Probleme bei der Anerkennung von Qualifikationen. 60 Prozent hatten Schwierigkeiten mit der Einwanderungserlaubnis für Drittstaatler. Deshalb wünschen sich die Unternehmen einen Abbau rechtlicher Hürden (67 Prozent), bessere Angebote an Sprach- und Integrationskursen (87 Prozent) und mehr Informationsmöglichkeiten über Bewerber (73 Prozent). Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen benötigen laut der Studie Unterstützung.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) verwies angesichts der Studienergebnisse darauf, dass der Fachkräftemangel vor allem auf die „schlechten Rahmenbedingungen für Pflegeberufe” zurückzuführen sei. „Viele Arbeitgeber haben Dumpinglöhne, belastende Arbeit, mangelnde Finanzierung der Ausbildung sowie unzureichende Fort- und Weiterbildung bewusst oder fahrlässig in Kauf genommen, um ihre Gewinne zu maximieren”, kritisierte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach in Berlin. „Insbe­sondere gut ausgebildete Fachkräfte aus dem Ausland bevorzugen Länder, in denen die harte Pflegearbeit entsprechend honoriert wird.”

© hil/aerzteblatt.de

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