Medizin

Marathon: Tödliche Herzrhythmusstörung könnte vorhersehbar sein

Mittwoch, 3. Juni 2015

Melbourne – Extreme Ausdauersportarten wie Marathonlauf, Triathlon oder alpines Radfahren können vorübergehend die Funktion des rechten Herzens beinträchtigen und auf Dauer einer tödlichen Herzrhythmusstörung Vorschub leisten. Ein Kardiologenteam untersucht im European Heart Journal (2015; doi: 10.1093/eurheartj/ehv202), wie die Gefahr rechtzeitig erkannt werden könnte.

Extremsportarten werden immer beliebter. Die Zahl der Marathonläufer soll die Millionen­grenze überschritten haben. Allein in den USA werden jedes Jahr mehr als 500 Rennen angeboten. Kardiologen sehen dies mit gemischten Gefühlen. Einerseits erhöht eine körperliche Fitness die Chance auf ein langes Leben. Weltklasse-Athleten haben eine um sieben Jahre höhere Lebenserwartung.

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Andererseits blieb es der Forschung nicht verborgen, dass es bei vielen Extremsportlern während des Rennens zu einem Anstieg der kardialen Troponin-Konzentration im Blut kommt. Dieser Marker zeigt beim Herzinfarkt den Untergang von Herzmuskelzellen an. Anders als beim Herzinfarkt kommt es bei Ausdauersportlern auch während des Rennens zu keiner erkennbaren Schädigung des linken Ventrikels, der das Blut durch den Körperkreislauf pumpt und damit auch für die Versorgung des Bewegungsapparats mit Sauerstoff und Nährstoffen zuständig ist.

Der schwächere rechte Ventrikel, der das Blut durch den Lungenkreislauf pumpt, scheint dem Stress dagegen weniger gut stand zu halten. In früheren Untersuchungen konnten die Kardiologen Hein Heidbüchel von der Universität Melbourne und André La Gerche bereits zeigen, dass es bei Ausdauersportlern während des Wettbewerbs vorüber­gehend zu einer Funktionsstörung des rechten Ventrikels kommt. Sie nahm mit der Dauer des Wettbewerbs zu und korrelierte mit dem Anstieg der Troponin-Konzentration. Alle Sportler erholen sich innerhalb weniger Tage von der Funktionsstörung, doch bei einigen bleiben kleine Narben übrig, die in der Kernspintomographie als eine verzögerte Anreicherung des Kontrastmittels Gadolinium sichtbar werden.

Kleinere Narben im Herzmuskel sind für die Pumpleistung des rechten Ventrikels vermut­lich nicht von Bedeutung. Am falschen Ort könnten sie jedoch das Reizleitungssystem des Herzens stören. Die Folgen könnten die gleichen sein wie bei der arrhythmogenen rechtsventrikulären Kardiomyopathie (ARVC), einer seltenen aber lebensgefährlichen Erbkrankheit: Viele Patienten sterben am plötzlichen Herztod, weil ihr Reizleitungssystem ausfällt.

In ihrer jüngsten Untersuchung suchen Heidbüchel und La Gerche nach Möglichkeiten, diese Gefährdung von Ausdauersportlern frühzeitig zu erkennen. Sie verglichen dazu die Herzfunktion von 18 Ausdauersportlern, die bereits an rechtsventriuklären Herzrhythmus­störungen litten (acht trugen deshalb bereits einen implantierbaren Kardioverter-Defibrillator, ICD) mit einer gleich großen Gruppe von gesunden Sportlern und Nichtsportlern.

Die ausführlichen Untersuchungen ergaben, dass die Echokardiographie, die heute von den meisten Kardiologen angeboten wird, erste Hinweise liefern kann. Die Unterschiede wurden allerdings erst erkennbar, wenn die Patienten auf dem Laufrad/-band ihre Herzleistung erhöhten. Die Kardiologen müssen dabei auf bestimmte Funktions­parameter des rechten Ventrikels achten. Da sich der rechte Ventrikel im Ultraschall oft nicht gut darstellt, gelingt dies nicht immer. Verlässlicher wäre laut La Gerche eine kardiale Kernspintomographie, die derzeit allerdings erst an wenigen Zentren verfügbar ist.. © rme/aerzteblatt.de

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