Medizin

BMJ spricht sich für strenge Richtlinien zu Interessenkonflikten aus

Montag, 8. Juni 2015

London – Strenge Richtlinien zu Interessenkonflikten, wie sie viele medizinische Fach­zeitschriften führen, sind laut einer Gruppe von Autoren des New England Journal of Medicine nicht immer von Vorteil. Forscher mit finanziellen Interessenkonflikten hätten zunehmend Probleme mit der Veröffentlichung von Reviews oder Editorials und die strenge Politik der Journals schädige die Vertrauensbasis zwischen Ärzteschaft und Industrie, argumentieren sie.

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Elizabeth Loder und Robert Steinbrook, Seniorautoren des British Medical Journal, widersprechen dieser Sichtweise mit Nachdruck. In einem Editorial legen sie die Gründe dar, warum medizinische Fachzeitschriften weiterhin an den strengen Richtlinien fest­halten sollten (doi:10.1136/bmj.h2957/doi:10.1136/bmj.h2942).

Das New England Journal of Medicine forderte 1984 als erstes Journal von ihren Auto­ren, bei Studien relevante Interessenkonflikte mit der Industrie anzugeben. Diesem Beispiel für eine größere Transparenz folgten auch andere medizinische Fachzeit­schriften. In einer Reihe von kürzlich veröffentlichten Kommentaren und Editorials im New England Journal kritisierten jedoch Lisa Rosenbaum und Chefredakteur Jeffrey Drazen, dass viele Journals mittlerweile eine Atmosphäre des Misstrauens gegenüber Wissen­schaftler mit Interessenkonflikten schürten. Die Autoren kritisieren in diesem Zusammen­hang die strenge Ausschlusspolitik, welcher viele Fachzeitschriften folgen, darunter auch das British Medical Journal.

Loder und Koautoren treten dieser Sichtweise jedoch entgegen. Grundsätzlich sei es durchaus vorstellbar, dass Wissenschaftler trotz finanzieller Interessen unabhängige wissenschaftliche Reviews oder Kommentare schreiben könnten. Für den Leser sei aber letztendlich nicht ersichtlich, ob die Meinung der Forscher tatsächlich durch die finanziellen Interessen unbeeinflusst geblieben sei. Hierbei müsse es sich nicht immer um eine absichtliche Täuschung handeln. Wenn jedoch diese Forscher ihre wissenschaftlichen Ansichten formulierten, erfolge dies von einem Standpunkt, der durch die Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie beeinflusst worden sei.

Es sei zwar unumgänglich, dass Wissenschaftler mit der Industrie zusammenarbeiteten, um beispielsweise Medikamente zur Therapiereife zu entwickeln. Nach Meinung der BMJ-Autoren sollten jedoch diese Wissenschaftler keine wertenden Editorials, Reviews und Kommentare zu den Medikamenten verfassen.

Die Autoren des British Medical Journal sind gegen eine Dämonisierung von Pharmaindustrie oder Forschern mit finanziellen Interessenkonflikten. Sie sind aber der Meinung, dass Erkenntnisgewinn im Rahmen industrieller Forschung und wertende Reviews und Kommentare, die als Werbung missbraucht werden könnten, nicht von denselben Wissenschaftlern verfasst werden sollen. © hil/aerzteblatt.de

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