Medizin

Pränataltest kann Krebserkrankungen der Mutter erkennen

Dienstag, 9. Juni 2015

Löwen - Die nicht-invasive Pränataldiagnostik, die eine Trisomie des Feten durch eine Blutuntersuchung der Mutter erkennt, kann manchmal im Nebenbefund eine Krebs­erkrankung der Mutter diagnostizieren, wie eine Studie zeigt, die auf der Jahrestagung der European Society of Human Genetics in Glasgow vorgestellt und in JAMA Oncology (2015; doi:10.1001/jamaoncol.2015) publiziert wurde.

Die nicht-invasive Pränataldiagnostik (NIPT) erkennt Trisomien wie Morbus Down, Morbus Edward oder Morbus Patau an einem relativen Übergewicht von Genen, die vom Feten stammen und die Plazenta ungehindert passieren können. Solche Störungen können jedoch auch bei Krebserkrankungen auftreten, da aus zerfallenden Krebszellen ebenfalls DNA ins Blut gelangt.

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Das Team um Nathalie Brison vom Zentrum für Humangenetik an der Universität Löwen in Belgien wollte ursprünglich die Möglichkeiten der NIPT ausloten, weitere fetale Störungen im Blut der Mutter zu erkennen. Insgesamt 4.000 Schwangere, die den NIPT durchführen ließen, erlaubten den Humangenetikern deshalb, auch die Gene anderer Chromosomen neben 21, 18 und 13 zu untersuchen. Dabei stießen die Forscher bei drei Frauen auf einen Befund, der nicht in das Muster der NIPT passte. Sie vermuteten eine Krebserkrankung der Mutter und führten deshalb bei den Schwangeren ein Ganz­körper-MRT durch.

Bei allen drei Frauen wurde eine Neoplasie entdeckt: ein Ovarialkarzinom, ein follikuläres Lymphom und ein Hodgkin-Lymphom. Die Frau mit dem Hodgkin-Lymphom wurde noch während der Schwangerschaft behandelt. Sie wurde laut Brison später von einem gesunden Mädchen entbunden. Bei der Frau mit dem Ovarialkarzinom  musste die Therapie auf die Zeit nach der Entbindung verschoben werden.

Bei beiden Frauen war die Therapie erfolgreich, wobei die Prognose der Frau mit dem Ovarialkarzinom, das bereits in den Bauchraum metastasiert war, sicherlich proble­matisch sein dürfte. Bei der dritten Patientin rieten die Ärzte aktuell von einer Therapie des follikulären Lymphoms ab, da die Therapie schwierig ist und der Tumor erfahrungsgemäß ein sehr langsames Wachstum zeigt.

© rme/aerzteblatt.de

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