Politik

Arzneimittel: Mehrausgaben durch höheren Verbrauch und neue Medikamente

Dienstag, 9. Juni 2015

Berlin – Der Mehrverbrauch von Arzneimitteln sowie die Verschreibung von Innovationen haben 2014 zu einem Ausgabenanstieg von jeweils 1,3 Milliarden Euro geführt (2013: 726 Millionen Euro). Das geht aus dem Arzneimittel-Atlas hervor, den das IGES-Institut im Auftrag des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa) erstellt hat. „Es wurden insbesondere mehr Immunsuppressiva verbraucht – 35 Prozent mehr als im Vorjahr – sowie Arzneimittel gegen multiple Sklerose, Schlaganfall, Hepatitis C und Makula­degenerationen“, erklärte der Leiter des IGES-Instituts, Bertram Häussler, heute bei der Vorstellung des Arzneimittelatlas in Berlin.

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1,3 Milliarden Euro für neue Arzneimittel
Insgesamt stiegen die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2014 von 30,4 Milliarden auf 33,3 Milliarden Euro, nachdem sie in den Vorjahren weitgehend stabil geblieben waren. „Der Grund für diesen Anstieg ist unter anderem die Absenkung der Arzneimittelrabatte von 16 auf sieben Prozent zu Beginn der Legislatur­periode“, erklärte Häussler. Konkret waren die Preise für Arzneimittel vor allem dadurch um 795 Millionen Euro im Vergleich zu 2013 gestiegen. „Das ist ein Einmaleffekt, den wir im nächsten Jahr nicht noch einmal erleben werden“, meinte Häussler.

Für den Ausgabenanstieg bei den Innovationen waren mit einem Plus von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr vor allem antivirale Arzneimittel verantwortlich, gefolgt von antineoplastischen (+18 Prozent) und antithrombotischen Arzneimitteln (+10 Prozent) sowie Antidiabetika (+8 Prozent).

Einsparungen durch Patentausläufe
Einsparungen in Höhe von 539 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr durch Patentausläufe erzielt. Sogenannte technische Einsparungen erreichten eine Höhe von 19 Millionen Euro. „Diese Einsparungen werden unter anderem erreicht, weil chronisch kranke Patienten auf größere und damit auf, relativ gesehen, günstigere Packungen umgestellt werden“, sagte Häussler. Dieses Einsparvolumen stoße allerdings allmählich an eine Grenze, da die meisten Patienten bereits Großpackungen erhielten.

„2014 war ein bemerkenswertes Jahr“, befand vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Denn nicht allein die Zahl der Innovationen sei in diesem Jahr außergewöhnlich hoch gewesen, sondern auch die damit einhergehenden Therapieverbesserungen, zum Beispiel für Patienten mit chronischer Hepatitis C oder Mukoviszidose.

So viele neue Medikamente wie seit 25 Jahren nicht mehr
49 Medikamente des Jahres 2014 basierten auf neuen Wirkstoffen, so viele wie seit 25 Jahren nicht, erklärte Fischer. „Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Pharma­forschung ihre Produktivitätsdelle der 2000er-Jahre überwunden hat.“ Die meisten Medikamente seien dabei auch unter Beteiligung deutscher Kliniken erprobt worden.

Elf der 49 Arzneimittel werden gegen Infektionskrankheiten eingesetzt, acht gegen Krebs. „Allein gegen Hepatitis C wirken vier der Medikamente“, so Fischer. „Mit ihnen lassen sich fast alle Infizierten heilen, und das mit weniger Nebenwirkungen und meist kürzerer Behandlung als bisher.“ Neu auf den Markt gekommen seien auch zwei Antibiotika, die insbesondere gegen MRSA wirken sollen, sowie Arzneimittel gegen multiresistente Tuberkulosestämme, die sich unter anderem in Osteuropa ausbreiteten. © fos/aerzteblatt.de

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