Ausland

Ausmaß der humanitären Krise in Griechenland schockiert Ärztedelegation

Dienstag, 16. Juni 2015

Berlin – Schockiert vom Ausmaß der humanitären Krise in Griechenland sind Ärzte des „Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte“ (vdää) und des Verbandes „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung“ (IPPNW). Nachdem 25 Mitglieder der beiden Verbände Anfang Juni Griechenland bereist hatten, fordern sie die Bundesregierung auf, die sogenannte Austeritätspolitik zu stoppen. Der griechischen Regierung sollte die Möglichkeit gegeben werden, der humanitären Katastrophe in ihrem Land zu begegnen, hieß es aus den beiden Verbänden.

Im Gesundheitswesen herrsche ein eklatanter Personalmangel, da Kliniken kein Fachpersonal einstellen könnten. Zum Beispiel im „General Hospital of Athens G. Gennimatas“: Patienten mit unterschiedlichsten psychiatrischen Diagnosen mussten auf dem Flur nächtigen, während das neue Stockwerk direkt über der überfüllten Station leer stehe, berichtete die Delegation. Die Möblierung könne nicht bezahlt und das zur Versorgung der Patienten notwendige Personal nicht eingestellt werden.

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Für die mehr als drei Millionen Menschen in Griechenland ohne Krankenversicherung seien lebensnotwendige Medikamente wie Insulin nicht mehr erschwinglich. Steigende Säuglingssterblichkeit, steigende Zahlen von HIV, Tuberkulose, erste Malariafälle und ein drastischer Anstieg von schweren Depressionen seien die Folge.

„Gesundheits-, Bildungs- und Sozialpolitik müssen vor Schuldendienst stehen, deshalb fordern wir den Stopp der maßgeblich von der deutschen Regierung voran getriebenen tödlichen Austeritätspolitik”, sagte Wulf Dietrich, Vorsitzender des vdää.

Auch der Beauftragte für die gesundheitspolitische Zusammenarbeit mit Griechenland, Wolfgang Zöller (CSU), hatte im Mai im Gesundheitsausschuss des Bundestages von einer tiefen Krise im griechischen Gesundheitswesen berichtet. Die Primärversorgung der Unversicherten (rund 30 Prozent) werde im Wesentlichen von Nichtregierungsorganisationen übernommen. Das auf EU-Mitteln basierende Gutscheinsystem für eine Mindestversorgung decke nur einen geringen Teil der Not ab, berichtete Zöller. © hil/aerzteblatt.de

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