Medizin

Darmkrebs: Prä-therapeutischer CEA-Nachweis verschlechtert Prognose

Donnerstag, 18. Juni 2015

Buffalo – Der Nachweis des carcinoembryonalen Antigens (CEA) im Serum war in einer Analyse des US-Krebsregisters SEER mit einer deutlich schlechteren Prognose der Patienten verbunden. US-Krebsexperten fordern deshalb in JAMA Surgery (2015; doi: 10.1001/jamasurg.2015.0871) den prä-therapeutischen CEA-Nachweis in die TNM-Klassifikation aufzunehmen.

Das bereits 1965 entdeckte CEA ist ein bewährter Tumormarker, dessen Einsatz beim Darmkrebs allerdings auf die Verlaufsbeobachtung beschränkt ist. Das von den Krebszellen freigesetzte CEA ist häufig der erste Hinweis auf ein Rezidiv. Eine Arbeits­gruppe des American Joint Committee on Cancer (AJCC), das die TNM—Klassifikation erstellt, hat bereits im Jahr 2000 vorgeschlagen, das CEA auch für das prä-thera­peutische Staging zu verwenden. Bislang war allerdings unklar, ob CEA wertvolle Informationen über das Fortschreiten des Tumors liefert und ob es therapeutische Entscheidungen sinnvoll beeinflussen kann.

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Die erste Frage wird jetzt durch eine Analyse des US-Krebsregisters SEER (Surveillance, Epidemiology, and End Results) beantwortet. Ein Team um Valerie Francescutti vom Roswell Park Cancer Institute in Buffalo im US-Staat New York hat hierzu die Daten von 16.619 Patienten ausgewertet, bei denen in den Jahren 2004 und 2005 ein Kolon­karzinom diagnostiziert worden war.

Seit dem Jahr 2004 teilen die Ärzte dem Krebsregister mit, ob vor der Diagnose CEA im Serum nachgewiesen wurde. Dies war bei 8.878 Patienten der Fall. Bei den anderen 7.741 Patienten fiel der Nachweis negativ aus. Wie Francescutti ermittelte, war der CEA-Nachweis mit einer um 51 Prozent erhöhten Gesamtsterblichkeit und einer um 59 Prozent erhöhten darmkrebsspezifischen Sterblichkeit assoziiert.

Ein Einfluss war in allen TNM-Stadien erkennbar und vor allem in den Stadien mit einem positiven Lymphknotenstatus könnte der Nachweis zu einem „Upstaging“ führen. So hatten Patienten im Stadium NO eine 5-Jahres-Überlebensrate von 78 Prozent, wenn der CEA-Nachweis negativ ausfiel. Bei einem positiven Test fiel sie auf 62,8 Prozent und war damit niedriger als im Stadium N1a, bei dem bereits Mikrometastasen in den Lymph­knoten gefunden wurden. Dort lebten nach 5 Jahren noch 70,9 Prozent, wenn keine CEA vorhanden war. Bei einem Nachweis von CEA sank die 5-Jahres-Überlebensrate auf 55,8 Prozent und war damit schlechter als im Stadium N1b und so weiter.

Das Staging könnte, sollte es denn in die TNM-Klassifikation aufgenommen werden, die Therapieentscheidungen beeinflussen. Derzeit ist der Nachweis von Lymphknoten­metastasen ein wichtiges Kriterium für eine adjuvante Chemotherapie, künftig könnte dies nach einem positiven CEA-Nachweis der Fall sein. Ob dies auch die Überlebens­chancen unter der Therapie beeinflusst, müsste jedoch erst in prospektiven Therapiestudien untersucht werden.

Sollte dies der Fall sein, wäre eine Revision des TNM-Systems unumgänglich. Offen ist noch, welchen Einfluss die Konzentration des CEA im Serum hat. Diese Frage konnte Francescutti nicht beantworten, da die Ärzte im SEER nur angaben, ob CEA im Serum nachweisbar war. Der Laborwert selbst wurde nicht registriert.

© rme/aerzteblatt.de

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