Ärzteschaft

Kliniken müssen sich auf Investitionen verlassen können

Donnerstag, 25. Juni 2015

Berlin – Scharfe Kritik an der geplanten Krankenhausreform übt die Bundesärztekammer (BÄK). Ein wichtiges Defizit sind laut der Kammer die viel zu geringen Investitionen in die Klinik-Infrastrukturen. Die BÄK fordert gesetzliche Regelungen, die zusätzlich mindestens drei Milliarden Euro pro Jahr für die Krankenhäuser sicherstellen müssten. „Notwendig sind klare und einklagbare Verpflichtungen der Länder für Krankenhausinvestitionen“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber dem Bundesrat.

Die im Entwurf für ein Krankenhaus-Strukturgesetz vorgesehene Festschreibung des Investitionsvolumens auf lediglich den Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2014 sei dagegen „völlig unzureichend“, so die BÄK. Ohne deutliche Nachbesserung dieser Regelung könne von einer zukunftsweisenden Krankenhausreform nicht die Rede sein. „Leidtra­gende sind die Patienten sowie die Mitarbeiter in den Kliniken, die die fehlenden Finanzmittel durch eine weitere Arbeitsverdichtung und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen kompensieren müssen“, heißt es aus der Kammer.

Anzeige

Aber auch für die laufende Finanzierung biete die Reform keine Antwort auf drängende Fragen: „Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsverhältnisse, zur Reduktion der Arbeitsverdichtung zur Refinanzierung der Tarifabschlüsse sowie zur Stärkung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind nicht enthalten“, bemängelt die BÄK.

Begrüßenswert ist laut der Kammer aber, dass die Reform qualitative Aspekte der Versorgung stärker gewichten wolle. Bei der Umsetzung gebe es aber noch Diskussionsbedarf. Denn bislang sei die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von sogenannten Pay-for-Performance-Ansätzen im Gesundheitswesen nicht ausreichend nachgewiesen, so die BÄK. Die Reform sehe aber vor, dass künftig Qualitätszuschläge und Abschläge für Leistungen eingeführt werden, die in außerordentlich guter oder unzureichender Qualität erbracht werden.

Die BÄK fordert daher, Qualitätszu- und -abschläge zunächst wissenschaftlich zu evaluieren. Basis dafür sollten die vom Gemeinsamen Bundesausschuss in den nächsten Jahren noch zu entwickelnden Qualitätsindikatoren sein, fordert die Kammer.

In den vergangenen Tagen hatte sich Krankenhausgesellschaften und die Gewerkschaft Verdi strikt gegen die geplante Reform gestellt. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Ärzteschaft

Nachrichten zum Thema

22.07.16
Kiel – Keine Einigung in Sicht: Im Konflikt zwischen Koalition und Kommunen über die Kostenübername für die Sanierung der Krankenhäuser bleiben SPD, Grüne und SSW hart. Ungeachtet heftiger Proteste......
20.07.16
München – Der Ministerrat in Bayern hat gestern das Startsignal für 22 neue Bauvorhaben an bayerischen Krankenhäusern gegeben. Das Gesamtfördervolumen beläuft sich auf rund 349 Millionen Euro, wie das......
27.06.16
Potsdam – Der Vorstandsvorsitzende der Sana Kliniken AG hat den geplanten Umbau des DRG-Systems kritisiert. „Wenn wir jetzt Vorgaben dazu bekommen, wie viel Pflegepersonal wir einstellen müssen, mache......
24.06.16
Kiel – Im Konflikt zwischen der Landesregierung Schleswig-Holstein und den Kommunen um die Kosten für die Sanierung der Krankenhäuser hat ein Spitzengespräch heute keinen Durchbruch gebracht. Das Land......
23.06.16
Hannover – Niedersachsens rot-grüne Landesregierung will die Krankenhäuser im Land modernisieren. „Wir wollen den Investitionsstau nachhaltig abbauen“, sagte Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD)......
20.06.16
Kassel – Der Gesundheitskonzern Gesundheit Nordhessen (GNH) hat das Jahr 2015 mit einem Millionengewinn abgeschlossen – zum siebten Mal in Folge. „Das ist nicht normal für öffentliche Krankenhäuser in......
17.06.16
Experten befürworten stärkere Planung stationärer Leistungen
Berlin – Mit dem Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) ist die Bundesregierung unter anderem angetreten, um Krankenhäuserverbünde bei der Schließung einzelner Häuser oder Abteilungen finanziell zu......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige