Medizin

Bewegung nützt Demenzkranken nur begrenzt

Montag, 29. Juni 2015

Berlin – Bewegung scheint ein wesentlicher Faktor zu sein, um bei demenzkranken Menschen den Abbau der kognitiven und funktionellen Fähigkeiten zu verlangsamen. Körperliche Aktivität verbessert auch das seelische Befinden der Patienten. Allerdings verringert sie nicht das Risiko einer frühzeitigen Pflegebedürftigkeit und eines vorzeitigen Todes. Das legen Studien nahe, die beim ersten Kongress der European Academy of Neurology (EAN) Ende Juni in Berlin vorgestellt wurden.

„Körperliches Training kann eine wirksame Behandlungsoption bei Menschen sein, die an leichter bis mittelschwerer Demenz leiden und bereits medikamentös behandelt werden“, sagte Ana Capisizu von der Universität Bukarest, Rumänien. Sie stützt ihre Einschätzung auf eine aktuelle Studie ihres Teams, an der bislang 40 Personen teilgenommen hatten. Die Probanden litten an leichten bis mittelschweren Formen von Demenz und wurden in regelmäßigen Abständen einer Reihe von Tests unterzogen. Ein Teil der Gruppe absolvierte ein begleitendes Bewegungsprogramm. Nach zwölf Wochen stellte sich heraus, dass die körperlich aktiven Patienten deutlich besser bei jenen Tests abschnitten, die Denkfähigkeit, Lebensqualität und körperliche Leistungsfähigkeit überprüften.

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Ein ähnliches Resultat liefert eine aktuelle dänische Studie: Mehr als 300 Personen, die an einem frühen Stadium von Alzheimer-Demenz litten, durchliefen zu Studienbeginn und ein Jahr später eine umfangreiche Testreihe. Es stellte sich heraus, dass Patienten, die ein Bewegungsprogramm von mehr als vier Stunden pro Woche absolvierten, bei vier von fünf Tests signifikant bessere Werte aufwiesen.

„Der Zusammenhang zwischen Bewegung und Lebensqualität zeichnete sich deutlich ab. Die körperlich aktiven Patienten litten außerdem seltener unter neuropsychiatrischen Symptomen wie Apathie und Angststörungen, die bei Alzheimer-Demenz oft auftreten. Außerdem waren sie besser zu alltäglichen Verrichtungen in der Lage als die anderen“, sagte der Studienautor Kristian Steen Frederiksen vom Dänischen Demenzforschungs­zentrum, Rigshospitalet, Kopenhagen.

Eine weitere Auswertung derselben Patientendaten über drei Jahre hinweg zeigte aber, dass das Bewegungsprogramm keinen Einfluss auf die vorzeitige Pflegebedürftigkeit und die Mortalität hat. „Körperlich aktive Alzheimerpatienten werden genauso schnell pflegebedürftig wie inaktive und es gibt auch keinen Hinweis, dass sie eine höhere Lebenserwartung hätten“, so Frederiksen.  © hil/aerzteblatt.de

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