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Suizidbeihilfe: Diakonie verweist auf „blinde Flecken“ in der Debatte

Dienstag, 30. Juni 2015

Berlin – Mit ihrer aktuellen Publikation zur Sterbehilfe wollen die Diakonie Deutschland, die Evange­lischen Akademien in Deutschland (EAD) und die Evangelische Akademie Villigst „blinde Flecken" in der Sterbehilfedebatte stärker in den Mittelpunkt rücken.

Ihr besonderer Fokus liegt auf den Menschen, deren Anliegen und Bedürfnisse dabei nach ihrer Ansicht zu wenig berücksichtigt werden: „Sehr alte pflegebedürftige Menschen, Menschen mit einer Behinderung oder Demenz können meist nicht autonom über ihr Lebensende entscheiden. Ihre Lebenssituationen sind von gesunden Menschen oft nur sehr schwer nachzuvollziehen und einzuschätzen. Aber gerade diese Menschen dürfen wir in der Sterbehilfedebatte nicht vergessen", betonte heute der Diakonie-Präsident Ulrich Lilie, Mitherausgeber der Publikation „Würde, Selbstbestimmung, Sorgekultur. Blinde Flecken in der Sterbehilfedebatte", bei deren Präsentation in Berlin.

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Sterbehilfe versus Suizidbeihilfe: Eine Frage des Gewissens

Über Sterbebegleitung und Suizidbeihilfe diskutieren Religionen und Gesellschaften. Vier Gruppen innerhalb des Deutschen Bundestages haben jetzt Gesetzentwürfe vorgelegt – ein Überblick. Auf den Punkt gebracht wird es von Franz Müntefering, ehemaliger Bundesminister und Fraktionsvorsitzender der SPD: Derzeit diskutiere man über die Hilfe bei der Selbsttötung, sagt er.

Lilie verwies auf eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche Deutschlands vom Frühjahr dieses Jahres. Diese zeige, dass die Menschen vor allem Angst vor einem langen, qualvollen und schmerzhaften Sterben haben. „Wir müssen dafür sorgen, dass jeder Mensch sicher sein kann, in der Sterbephase gut versorgt zu werden", sagte Lilie. Die Diakonie setze sich deshalb dafür ein, die palliative Versorgung sehr alter und sterbender Menschen umfangreich zu verbessern – vor allem in stationären Einrichtungen und Pflegeheimen",  bekräftigt Lilie.

Die Studie gibt auch Hinweise zu den Ängsten der Menschen, die sich einen ärztlich assistierten Suizid wünschen. Sie sind der Befragung zufolge besonders unter jüngeren Menschen verbreitet, die seltener über eigene Erfahrungen im Umgang mit Sterben und Tod verfügen. Mehr als 60 Prozent der Befragten befürchten aber gleichzeitig, dass die Legalisierung ärztlicher Suizidbeihilfe den Druck auf Menschen verstärken könnte, diese auch in Anspruch zu nehmen, um ihrer Familie nicht zur Last zu fallen.

Die in der gesellschaftlichen Debatte so vehement geforderte Selbstbestimmung im Sterbeprozess wäre dann von einer ganz anderen Seite bedroht, gab Mitherausgeberin Edith Droste von der Evangelischen Akademie Villingst zu Bedenken. Es käme zu einem „Aufweichen unserer auf Verantwortung und Solidarität begründeten Sozialkultur“.

Das Buch „Würde, Selbstbestimmung, Sorgekultur - Blinde Flecken in der Sterbehilfe­debatte" beantwortet aber auch Fragen nach dem ärztlichen Selbstverständnis und der Veränderung ethischer und gesellschaftlicher Normen und gibt einen Überblick über die internationale Rechtslage.

Autoren sind unter anderem der ehemalige Parteivorsitzende der SPD, Franz Münte­fering, die ehemalige Bundesjustizministerin, Herta Däubler-Gmelin, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Lukas Radbruch, der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der Mitinitiator der Reformbewegung in der Psychiatrie, Klaus Dörner. Dieser verwies auf eine Schrift von Christoph Wilhelm Hufeland, der sich bereits 1806 gegen den ärztlich assistierten Suizid aussprach. Der Arzt werde dadurch zum „gefährlichsten Mensch im Staate“. © ER/aerzteblatt.de

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