Politik

Warnung vor Beschädigung einer unabhängigen Patientenberatung

Dienstag, 30. Juni 2015

Berlin – Vorab bekannt gewordene Planungen des GKV-Spitzenverbandes (Spibu), die gesetzlich vorgeschriebene Patientenberatung offenbar krankenkassennäher zu organisieren, stoßen bei den Institutionen der Heilberufe auf massive Kritik. Bundes­ärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Kassenzahnärztliche Bundesver­einigung und Bundeszahnärztekammer sehen die Unabhängigkeit und Neutralität der Beratung bedroht. Sie forderten den Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU) auf, die vorgesehene Vergabeentscheidung zu revidieren.

Bisher stellen die Krankenkassen rund fünf Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Von 2016 an sollen es neun Millionen Euro sein. Mit dem Geld wird bislang die Unabhängige Patientenberatung (UPD) finanziert, die Ratsuchende zu gesundheitlichen und gesundheits­rechtlichen Fragen informiert. Es gibt mehr als 20 regionale Anlaufstellen, doch der größte Teil der Beratungen findet telefonisch statt. Die UPD berät seit 2006 kostenfrei, zunächst im Rahmen eines Modellprojekts, seit 2011 in der Regelversorgung. Ihre Leistungen hat der Spibu ab 2016 im Einvernehmen mit dem Patientenbeauftragten für einen Zeitraum von sieben Jahren neu ausgeschrieben.

Anzeige

Vorwurf: Beratung als Dienstleister der Krankenkassen
Nach Darstellung der vier Organisationen soll ein Call-Center, das schon für die Krankenkassen tätig war, die telefonische Patientenberatung übernehmen. Dies „konterkariert den Anspruch der bisherigen Unabhängigen Patientenberatung Deutschlands an eine fachlich kompetente Beratung völlig“, kritisieren die Vertreter der Heilberufe. „Hier soll eine etablierte, anerkannte und mitunter den Krankenkassen unbequeme Patientenberatung zu einem willfährigen Dienstleister auf der Lohnliste der Krankenkassen umfunktioniert werden.“ Die Kassen stellten mit diesem Vorhaben einmal mehr unter Beweis, dass sie an einer neutralen und sachgerechten Information von Patienten und Versicherten kein echtes Interesse hätten, hieß es.

Grüne kritisierten schon 2014 Interessenkonflikt der Kassen
Die Erhöhung der Fördersumme geht wesentlich auf das Engagement der Bundestags­fraktion von Bündnis 90/Die Grünen zurück. Sie hatten dafür im Frühjahr 2014 geworben. Eine entsprechende Änderung wurde dann von der schwarz-roten Koalition mit dem GKV-Finanzstruktur- und Qualitäts-Weiterentwicklungsgesetz verankert. Die Grünen hatten damals aber auch gefordert, das Ausschreibungsverfahren zu ändern. Ihre Begründung: Die Krankenkassen könnten in Interessenkonflikte kommen, weil sie einerseits die UPD finanzierten und diese andererseits Ratsuchende in Konflikten mit den Kassen unterstütze. © Rie/EB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

BAGP_Bornes
am Montag, 6. Juli 2015, 16:00

Petition

Unter https://www.change.org/p/der-beauftrage-der-bundesregierung-f%C3%BCr-die-belange-der-patiententinnen-und-patienten-spitzenverband-der-gesetzlichen-krankenversicherungen-bundesministerium-f%C3%BCr-gesundheit-bewahren-sie-die-unabh%C3%A4ngigkeit-der-patientenberatung-deutschlands-upd?recruiter=333439503&utm_source=share_petition&utm_medium=copylink#petition-letter
läuft derzeit eine Petiton
5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

13.06.16
Viele Ärzte sehen Gesundheitsrecherche im Internet kritisch
Gütersloh – Immer mehr Patienten informieren sich im Internet über Gesundheitsthemen. Was dabei herauskommt, halten viele Ärzte aber für problematisch. Das zeigt eine neue Online-Umfrage der......
07.06.16
Düsseldorf – Patientenfürsprecher sind in den Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen (NRW) mittlerweile eine feste Institution. In der überwiegenden Zahl der Einrichtungen arbeiten sie direkt mit der......
27.05.16
G-BA: Eigene Internetpräsenz der Patientenvertreter
Berlin – Die Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) haben ab sofort eine eigene Internetpräsenz. Das hat das Gremium bekannt gegeben. Auf https://patientenvertretung.g-ba.de sind......
20.05.16
Berlin – Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) hat eine neue Kurzinformation zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) veröffentlicht. Sie informiert auf zwei Seiten über......
13.05.16
Berlin – Über die Hälfte der Deutschen hat Probleme damit, gesundheitsrelevante Informationen zu verstehen. Das ergab eine Studie der Universität Bielefeld, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Zehn......
12.05.16
Berlin – Das Deutsche Krankenhausverzeichnis (DKV) wurde aktualisiert und nutzerfreundlicher gestaltet. Das hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) mitgeteilt. Die Neufassung bietet Patienten......
05.02.16
Berlin – Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) hat eine Kurzinformation zum Thema Typ-2-Diabetes veröffentlicht. Die Publikation ist Teil der Reihe „Kurzinformationen für Patienten......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige