Medizin

Reihenfolge beim Essen beeinflusst den Blutzuckerspiegel

Mittwoch, 1. Juli 2015

New York – Diabetiker, die bei der Mahlzeit protein- und fetthaltige Lebensmittel vor kohlenhydratreichen essen, könnten ihre postprandialen Blutzuckerspiegel senken. Forscher um Louis Aronne am Weill Cornell Medical College in New York berichten in Diabetes Care, wie die Reihenfolge der Nahrungsmittel beim Essen den Blutzuckerspiegel beeinflusst (doi:10.2337/dc15-0429).

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Eine Diabeteserkrankung manifestiert sich bei Typ-2-Diabetikern häufig als erstes in Form einer gestörten Glukosetoleranz. Postprandial liegen die Blutzuckerspiegel nach zwei Stunden oft über 140 mg/dl. Nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen scheint der Anstieg des Blutzucker- und Insulinspiegels vor allem von der absoluten Menge und der Komplexität der Kohlenhydrate abhängig zu sein. Einzelne Studien ergaben jedoch Hinweise, dass gesunde Personen, die vor dem Essen einen Shake aus Molkeprotein zu sich nehmen, niedrigere Blutzuckerspiegel nach dem Essen zeigen. Die Forscher untersuchten in ihrer Studie, ob sich dieser Effekt auch bei Diabetikern zeigt.

Sie rekrutierten für ihre Analyse Typ-2-Diabetiker mit einem mittleren BMI von 32,9 kg/m². Alle Teilnehmer wurden mit Metformin behandelt. Nach einer zwölfstündigen Fastenphase aßen die Teilnehmer eine Mahlzeit mit 628 kcal (55 g Protein, 68 g Kohlenhydrate, und 16 g Fett).

Im ersten Versuch verzehrten die Teilnehmer zuerst den kohlenhydratreichen und nach 15 Minuten den fett- und proteinreichen Teil der Mahlzeit. Die Forscher bestimmten nach 30, 60 und 120 Minuten den Blutzucker der Teilnehmer. Sie wiederholten nach einer einwöchigen Pause den Versuch, jedoch aßen die Probanden dann die Mahlzeit in umgekehrter Reihenfolge und begannen mit Proteinen und Fetten.

Die Teilnehmer zeigten, wenn sie zuerst die Proteine und Fette zu sich nahmen, im Vergleich zu dem ersten Versuch nach 30 Minuten eine Reduktion der Blutglukose um 28,6 Prozent (p= 0,001), nach 60 Minuten um 36,7 Prozent (0,001) und nach 120 Minuten einen um 16,8 Prozent (p=0,03) reduzierten Glukosespiegel. Bei der Insulinausschüttung konnten die Wissenschaftler den gleichen Trend beobachten: Wenn die Teilnehmer zuerst Proteine und Fette aßen, waren die Insulinspiegel wesentlich niedriger.

Die Forscher vermuten, dass die Reihenfolge beim Essen einen günstigen Einfluss auf die Blutglukose nimmt und möglicherweise sogar die Insulinsensitivität verbessern könnte. Der Effekt ist laut den Wissenschaftler mit Medikamenten vergleichbar, welche den postprandialen Blutzucker senken. Ob sich das richtige Timing beim Essen jedoch tatsächlich günstig auf den Diabetes auswirkt, bleibe durch die Studie wegen zu geringer Teilnehmerzahlen unklar. Dies sollten laut der Arbeitsgruppe größere Langzeitstudien klären. © hil/aerzteblatt.de

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