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E-Health-Gesetz: Stimmen zur ersten Lesung

Freitag, 3. Juli 2015

Berlin – „Die Digitalisierung im Gesundheitswesen kann die medizinische Versorgung in Deutschland erheblich verbessern. Die Ersatzkassen begrüßen daher, dass die Politik mit dem geplanten E-Health-Gesetz diesen Prozess voranbringen will“, erklärte Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), anlässlich der 1. Lesung des Gesetzes im Bundestag. Positiv sei insbesondere, dass die elektronische Gesundheitskarte (eGK) endlich auch für neue Anwendungen, wie den digitalen Medika­tionsplan oder den Notfalldatensatz, nutzbar gemacht werden soll.

Ersatzkassen: Gesundheitskarte ist kein Speichermedium
Allerdings müsse klargestellt werden, dass die eGK – wie die EC-Karte im Bankwesen - als Schlüssel für neue digitale Anwendungen genutzt werde und nicht als Speicher­medium, betonte Elsner. Für größere Datenmengen, wie die elektronische Patientenakte mit Röntgenbildern, sei die eGK nicht ausgelegt, erklärte die vdek-Vorstandsvorsitzende. Ansonsten müssten die Karten für viel Geld mit neuen Chips größerer Speicherkapazität ausgestattet werden. „Die Politik muss daher eine Serverlösung beziehungsweise die ausschließliche Online-Speicherung der Daten im Gesetz verankern“, forderte Elsner.

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Nicht nachvollziehbar sind aus Sicht des vdek zudem die geplanten finanziellen Anreize für Leistungserbringer beim Einlesen und Versenden von elektronischen Arztbriefen. Gesetzlich klargestellt werden muss aus Sicht des vdek ferner, dass die Telematik­infrastruktur (TI) der einzige Transportweg für Daten von gesetzlich Versicherten ist. Derzeit erfüllt nur die TI die hohen Sicherheitsanforderungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informations­technik.

Papierkram im Gesundheitswesen abschaffen
„Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist der Schlüssel für die Lösung vieler Probleme - von der Bürokratie über Versorgungsengpässe in ländlichen Gebieten bis hin zu der oft fehlenden Möglichkeit, schnell eine Zweitmeinung einholen zu können", erklärte Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse. Es werde „höchste Zeit, den Papierkram im Gesundheitswesen so weit wie möglich abzuschaffen und die Akteure im System auf einer sicheren Plattform miteinander zu vernetzen."

Aus Sicht der Innungskrankenkassen sind die Fortschritte beim Aufbau der TI derzeit noch zu gering. „Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis“, sagte Hans Peter Wollseifer, Vorstandsvorsitzender des IKK. Bisher betragen die Ausgaben rund 1,2 Milliarden Euro. Bis 2020 gehen die Krankenkassen von Gesamtkosten für die Infrastruktur und die Ausgabe neuer eGK in der Größenordnung von zwei bis 4,5 Milliarden Euro aus. „Der Mehrwert für die Versicherten ist dabei kaum erkennbar“, so Wollseifer.

Die geplanten Maßnahmen gehen zwar in die richtige Richtung, sind aber nach Ansicht des ZVEI  - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. noch nicht ausreichend. „Digitalisierung und sektorenübergreifende Vernetzung sind die richtigen Antworten für eine bessere Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen, den Umgang mit den zunehmenden chronischen Erkrankungen und eine nachhaltige Finanzierung“, erklärte Michael Meyer, stellvertretender Vorsitzender des ZVEI-Fach­verbands Elektromedizinische Technik. Im Gesetz fehle das erwartete politische Signal als Startschuss für komplexe E-Health-Anwendungen, die die Versorgung über die Sektoren hinweg integrieren. © KBr/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Sonntag, 5. Juli 2015, 17:01

Wo sind Pflichtenheft und Projektbeschreibung?

Dieses Projekt ist solange eine Totgeburt, solange es keinen Nutzen für die Akteure gibt. Ich verbringe täglich genug Zeit m PC, um folgendes zu wissen: ein analoges Formblatt kann ich in 2 Minuten lesen und ausfüllen. Das gleiche Formblatt digital kostet mich mindestens 5 Minuten. Die bessere Lenkung des Dokuments, von der im Übrigen Andere profitieren, kostet mich 60% meiner Arbeitsproduktivität.

Mindestens genauso wichtig ist die Frage, wem gehören die Daten und wer hat welche Kontrollrechte? Eine Zentrale Cloudlösung wäre aus meiner Sicht der absolute Supergau. Wenn selbst das Netz des Bundestages gehackt wird, wie sicher sind dann solche Daten? Jeder Niedergelassene weiß, wie hartleibig die Kassen sind, wenn es um die Vergütung von Leistungen geht. Dies würde auch die IT-Sicherheit betreffen. Einen gewissen Charme hätte natürlich eine zentrale Cloudlösung, auf eine zusätzliche Datensicherung könnte man verzichten, die Backups könnte man sich direkt von der NSA schicken lassen. Und jeder Politiker, der vielleicht mal wegen einer Depression in Behandlung war, würde bei amerikafeindlichen Äußerungen dezent auf die Konsequenzen hingewiesen...

Was würde denn nun Sinn machen? Wenn sich Krankenhäuser und Niedergelassene in einem Versorgungsverbund organisieren, dann können die Server des Krankenhauses erweitert werden, um gemeinsam Daten zu speichern. Das wäre eine dezentrale Lösung, man bräuchte lediglich ein aufgebohrtes KIS, und die Kooperationsvereinbarung könnte man mit der Auftragsdatenvereinbarung kombinieren. All dies funktioniert ohne eine zentralistische Telematikstruktur.

Die andere Möglichkeit einer dezentralen Speicherung wäre direkt auf der Chipkarte. Hier haben diese „Vollprofis“ dafür gesorgt, dass jeder USB-Stick aus der Ramschecke des Supermarkts mehr Kapazität hat. Auch hier müsste es ein mehrstufiges Sicherheitskonzept geben mit öffentlichen Teilen (z.B. Nothilfepaß direkt als jpg oder pdf) und verschlüsselten Teilen, die nur über ein spezielles Lesegerät zugänglich sind. Im Übrigen ist der beste Schutz gegen Missbrauch eine hohe Aufklärungsrate, wenn z.B. alles Lesezugriffe auf einem EPROM dokumentiert sind, könnte man auch später noch Mißbrauchsfälle aufklären und bestrafen.

Auf einen wichtigen Aspekt hatte ein Notfallmediziner in einem früheren Beitrag hingewiesen: Wenn ein Motorradfahrer eine geborgte Lederkluft trägt, dann ist dort evtl. auch der Nothilfepaß einer fremden Person. Das heißt, gerade wenn es auf jede Sekunde ankommt, kann sich der Arzt nicht auf die Zuverlässigkeit der Daten verlassen. Eine absolute Sicherheit der Patientenidentifizierung hätten wir nur bei einer auftätowierten Patienten-ID oder bei einem implantierten Transponder. Die Idee wäre nicht neu, die tätowierte Blutgruppe gab es schon, aber das führt uns in die Abgründe der deutschen Geschichte.

Wenn die Telematik funktionieren soll, dann unter den Bedingungen des klinischen Alltags bei der Vernetzung der beteiligten Akteure. Und die erste Stufe wäre ein Projektplan, wo eine Kosten-Nutzen Analyse der Projektpartner durchgeführt wird und der Mehrwert für alle Projektpartner herausgearbeitet wird. Und wenn ein einzelner Partner keinen Nutzen hat, aber das Projekt insgesamt sinnvoll ist, dann muss man über Kompensationen für den Benachteiligten sprechen. Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich nur Monolage der Krankenkassen und der Politik, ich sehe die Bemühungen Fakten zu schaffen, ohne die einzubeziehen, die später damit leben müssen. Die Telematik ist ein Paradebeispiel für alles, was man beim Projektmanagement falsch machen kann.
isnydoc
am Samstag, 4. Juli 2015, 15:57

Wer ko, der ko ... und sei es eben gezwungenermassen "gesetzlich"

Das Land, das so gerne von "Marktwirtschaft" schwärmt, dem fällt im Gesundheitssektor nur die erzwungene gesetzliche Regelung ein. Gesundheitswirtschaft als reine Planwirtschaft eines Bundestages, der seine Effektivität im Output von gesetzlichen Detailregelungen misst.
Freie Marktwirtschaft - was ist denn das für etwas exotisches?
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 4. Juli 2015, 09:16

Billige persönliche USB-Sticks können mehr...

als Milliarden-teure Versichertenkarten ohne Speicherplatz. Sie würden auch die "informationelle Selbstbestimmung" für unsere Patientinnen und Patienten garantieren. Denn ausgerechnet von Ulrike Elsner, der Vorstandsvorsitzenden des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) zu hören:„Die Politik muss daher eine [Zentral-] Serverlösung beziehungsweise die ausschließliche Online-Speicherung der Daten im Gesetz verankern“, lässt doch nur den Schluss zu, dass die Gesetzlichen Krankenkassen der GKV auf diese "Cloud"-Speicherung unter U m g e h u n g der ärztlichen Schweigepflicht online unbegrenzten Zugriff haben wollen.

Ausgerechnet von der Monster-Bürokratie der GKV-Kassen, die uns Vertrags-Ärztinnen und- Ärzte täglich mit Millionen papierner sinnloser Anfragen, Formulare und Auskunftsersuchen überschüttet, zu erwarten, dass es „höchste Zeit [werde], den Papierkram im Gesundheitswesen so weit wie möglich abzuschaffen und die Akteure im System auf einer sicheren Plattform miteinander zu vernetzen." soll wohl eher bedeuten, dass die dafür z u s ä t z l i c h e Verwaltungsarbeit in unseren Praxen zum Nulltarif erbracht werden soll, um Honorar-frei den Krankenkassen Milliarden an Einsparungen zu ermöglichen.

In Ermangelung jeglicher Heilkunde-Erlaubnis und medizinischer Kernkompetenz ist den GKV-Kassen auch gar nicht klar, dass es nicht genügt, zwei Versichertenkarten nebeneinander zu halten, um eine ärztlich qualifizierte "Zweitmeinung" zu generieren. Oder mal eben kurz in die Daten-"Clouds" zu schauen („Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist der Schlüssel für die Lösung...zu der oft fehlenden Möglichkeit, schnell eine Zweitmeinung einholen zu können") um Probleme zu lösen, die man vorher noch gar nicht hatte.

Die medizinisch-ärztliche Welt der Krankheiten, der Anamnese, Untersuchung, Beratung, Differenzialdiagnostik und multidimensionalen Therapien ist allerdings gar n i c h t digital, sondern analog. Selbst digitale Palpations-Techniken und Untersuchungen sind nun mal ein rein analoges Vorgehen.

Unsere Kernkompetenz sind Zehntausende von Krankheits-Entitäten, die ambulanten/stationären Pharmako- und Physiotherapien, Heilbehandlungen, Operationen, Injektionen/Infusionen, Kuren, Minimalinterventionen oder Hybrid-OPs: Bei Herz- und Hirn-Infarkten, ACS, Herzfehlern, Aneurysma, Asthma/COPD, Miss- und Fehlbildungen, Lungenembolien, akutem Abdomen, eingeklemmten Hernien, KHK, systolischer/diastolischer/pulmonaler Hypertonie, Hyperlipidämien, PAVK, Mesenterialinfarkten, Carotisstenosen, Tumorkrankheiten, Kachexie und Marasmus, zerebralen Krampfanfällen, Gallenstein- und Nierensteinkoliken, entgleisten Typ-1 und 2-Diabetes Krankheiten mit Komplikationen, Addison-Krisen, Thyreotoxikosen, Rheuma, Kollagenosen, endokrinen Störungen, Nierenversagen, Neuropathien, Systemerkrankungen, dekompensierter Herzinsuffizienz, Infektionen mit Viren/Bakterien/Pilzen/Parasiten, chronischen Schmerzen usw. usf.

Medizinische "Gesundheits"-Apps, E-Health und Telemedizin bzw. die gesamte Digitalisierung des Gesundheitswesens sind nur Hilfsmittel und notwendiges Accessoire. Prozess- und Ergebnisqualitäten in der Humanmedizin werden aber eher durch analoge Kommunikations-, Interaktions-, Kontemplations-, Empathie- und Reflexionsfähigkeit bzw. selbstkritische Wahrnehmungsfähigkeit bei Ärzten und Patienten definiert.

Digitalisierung der gesamten Medizin, Apps, Telemedizin-Anwendungen und E-Health-Gesetz berücksichtigen nicht unsere Bewegungs-eingeschränkten, Teilhabe-geminderten, bio-psycho-sozial benachteiligten, EDV-fernen, älteren, multi-morbiden Patientinnen und Patienten. Ärztliche, psychotherapeutische, pflegerische und physiotherapeutische Professionen, deren Empathie- und therapeutisch interventionellen Fähigkeiten sind grundsätzlich analoger Natur.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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