Medizin

Typ 1-Diabetes: Alefacept halbiert Hypoglykämierate in Pilotstudie

Dienstag, 21. Juli 2015

San Francisco – Zwei kurze Behandlungszyklen mit dem Immunsuppressivum Alefacept, das im Immunsystem die Gedächtniszellen für die zelluläre Abwehr vernichtet, haben in einer Phase-II-Studie bei Patienten mit neu diagnostiziertem Typ 1-Diabetes eine Restpopulation von Beta-Zellen erhalten. Die Patienten konnten laut der Publikation im Journal of Clinical Investigation (2015; doi: 10.1172/JCI81722) die Insulindosierung senken und die Rate von Hypoglykämien wurde halbiert.

Alefacept ist ein Fusionsprotein, das eine Untergruppe von T-Zellen (CD2-positiv) erkennt und vernichtet. Zu diesen Zellen gehören die T-Gedächtniszellen, die die Information über den zu attackierenden Gegner speichern. Beim Typ 1-Diabetes sind diese Gegner die Beta-Zellen, die in der Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin produzieren, dessen Mangel Ursache des Typ 1-Diabetes ist.

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Bei vielen Patienten mit Typ 1-Diabetes sind zu Beginn der Diagnose noch nicht alle Beta-Zellen zerstört. Vielen Patienten bleibt noch ein „Honeymoon“. Er ist jedoch nur von kurzer Dauer, da der Angriff der T-Zellen auf die Beta-Zellen unerbittlich fortgesetzt wird, bis der letzte Insulinproduzent zerstört ist.

Die “Inducing Remission in Type 1 Diabetes With Alefacept“ oder T1DAL-Studie verfolgt nicht nur das Ziel, den „Honeymoon“ zu verlängern. Den Patienten soll nach Möglichkeit auf Dauer eine Restproduktion von Insulin erhalten werden. Dies könnte klinische Vorteile haben, da eine Restproduktion das Risiko auf Hypoglykämien senkt.

Die vom Immune Tolerance Network (ITN), einer Initiative des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), gesponserte Studie hat 49 Teilnehmer auf eine Therapie mit Alefacept oder Placebo randomisiert. Die Teilnehmer erhielten zwei 12-wöchige Behandlungszyklen (getrennt durch eine 12-wöchige Behandlungspause). In einer früheren Publikation konnte das Team um Mario Ehlers von der Clinical Trials Group des ITN in San Francisco berichten, dass Alefacept im ersten Jahr nach der Behandlung einen Teil der Restinsulinproduktion erhält. Erkennbar war dies am Anstieg des C-Peptids nach den Mahlzeiten (Lancet Diabetes & Endocrinology 2013; 1: p284-294).

Jetzt zeigt das Team, dass diese günstige Entwicklung auch zwei Jahre nach Beginn der Therapie (und mehr als ein Jahr nach deren Ende) noch anhielt. War die postprandiale C-Peptid-Konzentration im Placebo-Am um 0,368 nmol/l zurückgegangen, so konnte der Abfall unter Alefacept auf 0,134 nmol/l begrenzt werden. Bei neun der 30 Patienten im Alefacept-Arm konnte der Rückgang der endogenen Insulin-Produktion sogar vollständig verhindert werden. In der Placebo-Gruppe war dies nur bei einem von 12 Teilnehmern der Fall.

Dies hatte zur Folge, dass die Patienten im Alefacept-Arm mit 0,43 Einheiten/kg/Tag weniger Insulin injizieren mussten als in der Placebo-Gruppe, wo die Patienten im Durchschnitt 0,60 Einheiten/kg/Tag benötigten. Dies hatte Auswirkungen auf die Rate von Hypoglykämien: Im Alefacept-Arm kam es durchschnittlich zu 9,6 Ereignissen pro Jahr, in der Placebo-Gruppe waren es mit 19,1 Ereignissen pro Jahr doppelt so viele.

Blutuntersuchungen ergaben, dass Alefacept die Zahl der T-Gedächtniszellen zerstört. Gleichzeitig wurden die regulatorischen T-Zellen erhalten, die mäßigend auf die T-Zellen wirken. Diese Konstellation könnte künftige Angriffe des Immunsystems auf die Beta-Zellen verhindern. Ob diese Therapie auf breiter Basis angeboten werden kann, wird von den Ergebnissen weiterer Studien an einer größeren Fallzahl abhängen.

Dabei dürfte auch der Sicherheitsaspekt eine Rolle spielen. Alefacept wurde 2003 in den USA und einigen anderen Ländern (nicht aber in der EU) zur Behandlung der Psoriasis zugelassen. Der Hersteller Astellas Pharma stellte den Vertrieb im Jahr 2011 ein, nachdem es bei einigen Patienten zu Krebserkrankungen gekommen war. Der Hersteller bestritt zwar einen Zusammenhang. Patienten mit Psoriasis dürften aber angesichts einer Reihe von alternativen Behandlungen kaum bereit sein, ein Medikament mit einem potenziellen Krebsrisiko anzuwenden.

Ob dies für Patienten mit Typ 1-Diabetes anders ist, bliebe abzuwarten. Falls eine vorübergehende Behandlung mit Alefacept den Beta-Zellverlust verhindert, wäre dies auch eine Motivation für eine Früherkennung, die durch den Nachweis von Insulinantikörpern zu einer Perspektive werden könnte. © rme/aerzteblatt.de

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