Medizin

Frühe HIV-Therapie schützt Partner vor Infektion

Mittwoch, 22. Juli 2015

Chapel Hill - HIV-Infizierte, die eine antiretrovirale Therapie konsequent betreiben, können ihre Sexualpartner zuverlässig vor einer Ansteckung bewahren. Dies geht aus Lang­zeitergebnissen einer internationalen Studie hervor, die auf der achten IAS Conference on HIV Pathogenesis, Treatment and Prevention in Vancouver vorgestellt wurden.

Die HPTN 052-Studie war 2005 begonnen worden. An 13 Standorten in Botswana, Brasilien, Indien, Kenia, Malawi, Südafrika, Thailand, Simbabwe und den USA wurden HIV sero-diskordante Paare auf zwei Studienarme randomisiert. In beiden Studienarmen wurde nur der HIV-infizierte Partner behandelt. In einem Studienarm wurde die Therapie sofort begonnen, im anderen Studienarm wurde abgewartet, bis die Infektion bereits zu einer Immunschwäche geführt hatte.

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Ursprünglich sollen 3.500 Paare an der vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases finanzierten Studie teilnehmen. Doch im Februar 2011 wurde die Studie nach einer Zwischenauswertung und nach dem Einschluss von 1.763 Paaren frühzeitig abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich 28 Teilnehmer bei ihrem HIV-infizierten Partner angesteckt: 27 dieser Partner hatten antiretrovirale Medikamente eingenommen, im Studienarm mit der sofortigen Therapie kam es nur zu einer Infektion. Myron Cohen vom Institute for Global Health and Infectious Diseases in Chapel Hill und Mitarbeiter errechneten damals eine Schutzrate von 96 Prozent.

Nach dem Abbruch der Studie wurde allen HIV-Infizierten in der Studie eine sofortige antiretrovirale Therapie angeboten. Laut der  abschließenden Auswertung, die Cohen jetzt auf der Tagung in Vancouver vorstellte, haben sich in den vier Jahren seither nur acht weitere Teilnehmer bei ihrem HIV-infizierten Partner infiziert. Bei 1.171 sero-diskordanten Paaren, die nachbeobachtet wurden, ergibt dies laut Cohen eine Schutzwirkung von 93 Prozent. Sie ist möglicherweise noch höher, da vier der acht Infektionen kurz nach dem Beginn der Therapie diagnostiziert wurden. Die Ansteckung könnte zu einem Zeitpunkt erfolgt sein, als die Medikamente noch nicht ihre volle Wirkung erzielten.

Bei den anderen vier Neu-Infizierten konnten beim Partner Resistenzen der Viren gegen die eingesetzten Wirkstoffe nachgewiesen werden, so dass die Virusreplikation möglicher­weise nicht vollständig unterdrückt wurde. Damit könnte die Therapie die Übertragung von Patienten, die ihre Medikamente konsequent einnehmen und keine Resistenzen entwickelt haben, zuverlässig verhindern. Einschränkend sollte aber erwähnt werden, dass die Teilnehmer – laut der Publikation im New England Journal of Medicine – zur Benutzung von Kondomen angehalten wurden.

© rme/aerzteblatt.de

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