Medizin

Meta-Analysen: Hormontherapie und Bisphosphonate senken Rezidivrate bei Mammafrühkarzinom

Freitag, 24. Juli 2015

London/Sheffield – Eine Meta-Analyse der einflussreichen Early Breast Cancer Trialists’ Collaborative Group (EBCTCG) kommt zu dem Ergebnis, dass Aromatase-Inhibitoren bei postmenopausalen Patientinnen besser wirken als Tamoxifen. Eine zweite Meta-Analyse der EBCTCG liefert Argumente für einen prophylaktischen Einsatz von Bisphosphonaten, die bei postmeno­pausalen Knochenmetastasen vorbeugen und das Brustkrebs­sterberisiko senken.

Die Hormontherapie ist bei jenen 80 Prozent der Patientinnen, deren Tumorzellen Östrogen-Rezeptoren exprimieren, seit vielen Jahren Standard. Bei prämenopausalen Patientinnen ist Tamoxifen die endokrine Therapie der Wahl, bei postmenopausalen Frauen bilden Aromatase-Inhibitoren eine Alternative zu Tamoxifen. Welche Mittel besser sind, war in den letzten Jahrzehnten Gegenstand von neun großen randomisierten Studien mit insgesamt 31.920 Patientinnen.

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Die Antwort, die ein EBCTCG-Team um Mitch Dowsett vom Institute of Cancer Research in London jetzt im Lancet (2015; doi: 10.1016/S0140-6736(15)61074-1) aufgrund ihrer Meta-Analyse gibt, ist eindeutig. Wann immer Aromatase-Inhibitoren eingesetzt werden, sinkt die Rate der Rezidive und die Überlebenschancen der Patientinnen steigen. Am deutlichsten waren die Unterschiede im Szenario 1, das eine fünf-jährige Therapie mit den beiden Optionen vergleicht.

Die Aromatase-Inhibitoren senkten das 10-Jahresrisiko auf ein Rezidiv um 20 Prozent, die Brustkrebssterblichkeit um 15 Prozent und die Gesamtsterblichkeit um 11 Prozent. Alle Unterschiede waren aufgrund der hohen Teilnehmerzahl signifikant. Da aber die Sterblichkeit beim Mammafrühkarzinom heute insgesamt niedrig ist, ist der absolute Unterschied zwischen den beiden Optionen gering: Die Rezidivrate wurde gerade einmal von 22,87 auf 19,1 Prozent gesenkt (Vorteil 3,6 Prozent), die Brustkrebssterblichkeit ging von 14,2 auf 12,1 Prozent zurück (Vorteil 2,1 Prozent) und die Gesamtsterblichkeit sankt von 24,0 auf 21,3 Prozent (Vorteil 2,7 Prozent).

Bei den beiden anderen Szenarien, in denen auf zwei bis drei Jahre Tamoxifen und danach Aromatase-Inhibitoren gegeben wurden (oder umgekehrt) bis zu einer Gesamttherapiedauer von 5 Jahren, waren die Unterschiede noch geringer. Hinzu kommt, dass bei der Wahl der Optionen das erhöhte Knochenbruchrisiko unter Aromatase-Inhibitoren und das erhöhte Endometriumkarzinom-Risiko unter Tamoxifen in die Kalkulation einbezogen werden müssen.

Der wichtigste Einwand gegen eine prinzipielle Bevorzugung von Aromatase-Inhibitoren ist jedoch die schlechtere Verträglichkeit. Zu den klimakterischen Beschwerden wie Hitzewallungen und Nachtschweiß (die auch unter Tamoxifen auftreten) kommen noch Knochen- und Gelenkschmerzen, eine vaginale Trockenheit und sexuelle Funktions­störungen sowie ein gesteigerter Haarausfall. Dies könnte bei vielen Patientinnen den Ausschlag geben, die Mittel abzusetzen. Der Verzicht auf die besseren Aromatase-Inhibitoren wäre jedoch die schlechtere Alternative zur „minderwertigen“ Tamoxifen­behandlung.

Die zweite Meta-Analyse beschäftigt sich mit dem Einsatz von Bisphosphonaten zur Prävention von Knochenmetastasen beim Mammakarzinom. Bisphosphonate werden seit vielen Jahren zur Behandlung der Osteoporose eingesetzt. Die Mittel hemmen die Aktivität der Osteoklasten, was das „Angehen“ der Metastasen im Knochen erschweren könnte. Der Knochen ist der häufigste Ort von Metastasen beim Mammakarzinom und ein Einsatz von Bisphosphonaten wird seit einiger Zeit diskutiert.

Die Ergebnisse der klinischen Studien zum möglichen Nutzen beim Mammafrühkarzinom waren nicht einheitlich. Doch nach den jetzt von Robert Coleman von der Universität Sheffield im Lancet (2015; doi: 10.1016/S0140-6736(15)60908-4) vorgestellten Ergebnissen, die auf den Ergebnissen aus 26 randomisierten klinischen Studien an 18.766 Patientinnen beruhen, könnte eine zwei- bis dreijährige Therapie mit Bisphos­phonaten bei postmenopausalen Frauen sinnvoll sein.

Coleman dokumentiert in dieser Gruppe eine um 28 Prozent verminderte Rate von Rezidiven mit Knochenmetastasen und eine um 18 Prozent verminderte Brustkrebs­sterblichkeit. Der absolute Unterschied in der 10-Jahres-Bruststerblichkeit betrug 3,3 Prozent (von 18,0 auf 14,7 Prozent) und war damit ungefähr so große wie der Vorteil einer anthrazyklin-basierten Chemotherapie gegenüber einer nicht-anthrazyklin-basierten Chemotherapie, wie Adam Brufsky vom Pittsburgh Cancer Institute im Editorial anmerkt. Eine (allerdings kostspielige) Alternative könnte der Antikörper Denosumab sein, der derzeit in der randomisierten Phase-3-Studie ABCSG 18 an Patientinnen mit nicht-metasierendem Mammakarzinom unter Aromatase-Inhibitor-Therapie evaluiert wird. © rme/aerzteblatt.de

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