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Alkoholkonsum bei erfolgreichen Senioren häufig höher als gedacht

Mittwoch, 29. Juli 2015

London – Menschen, die gesund altern, können dennoch häufig zu viel Alkohol konsumieren. José Iparraguirre, Professor bei AGE UK, und seine Arbeitsgruppe konnten bei den sogenannten „successfull agers“ deutlich häufiger einen risikoreichen Konsum feststellen als angenommen. Im British Medical Journal berichten sie über ihre Ergebnisse (doi: 10.1136/bmjopen-2015-007684).

Unter den „successfull agers“ versteht die Wissenschaft Menschen, die sich bis ins hohe Alter eine gute Gesundheit erhalten und sozial, körperlich und geistig aktiv bleiben. Diese Menschen haben oft einen tendenziell gesünderen Lebensstil und sind höher gebildet.

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Möglicherweise könnte in dieser Gruppe ein problematischer Alkoholkonsum nicht erkannt werden. Obwohl junge Erwachsene im Durchschnitt mehr Alkohol trinken, zeigen laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen immerhin etwa 28 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen über 65 Jahren einen Alkoholkonsum, der über die risikoarme Menge hinausgeht.

9.251 Teilnehmer über 50 Jahren, die Teil der English Longitudinal Survey of Ageing waren, machten für die Studie Angaben zu Trinkverhalten, Lebensstil und anderen Faktoren, die den Konsum beeinflussen könnten. Der Grenzwert für einen schädlichen Alkoholkonsum lag für Männern bei 50 Einheiten und für Frauen bei 35 Einheiten wöchentlich (eine Einheit entspricht 0,33 l Bier oder 0,125 l Wein) – war also recht hoch angesetzt.

Teilnehmer, die sich einer guten Gesundheit erfreuten, rauchten und höher gebildet waren, zeigten in der Analyse ein erhöhtes Risiko für einen schädlichen Alkoholkonsum. Alleinlebende Männer und Frauen, die in den Ruhestand gingen, hatten ebenfalls ein erhöhtes Risiko. Für beide Geschlechter war ein hohes Einkommen ein Risikofaktor für den hohen Konsum. Demgegenüber waren Einsamkeit und Depressionen nicht mit riskanten Alkoholkonsum vergesellschaftet.

Die Forscher weisen darauf hin, dass laut ihrer Studie, der überhöhte Konsum bei Menschen über 50 Jahre ein Problem der hohen und mittleren Schichten sei. Da diese Gruppe sonst oft ein sozial aktives und erfolgreiches Leben führe, könnten Ärzte hier einen problematischen Konsum schneller übersehen, meinen die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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