Ärzteschaft

Marburger Bund fordert weniger Bürokratie in Kliniken

Donnerstag, 30. Juli 2015

Berlin – Der Marburger Bund (MB) hat eine weitgehende Entbürokratisierung ärztlicher und pflegerischer Arbeit in Krankenhäusern gefordert. Mehrere Mitgliederbefragungen der Ärztegewerkschaft hätten ergeben, dass mehr als die Hälfte der Klinikärzte mindestens zwei Stunden pro Tag mit Verwaltungstätigkeiten beschäftigt sind.

„Das von der Politik und den Krankenkassen entfesselte Bürokratiemonster frisst wertvolle Arbeitszeit von Ärzten und Pflegekräften, die dann in der Patientenversorgung fehlt“, kritisierte der zweite MB-Vorsitzender Andreas Botzlar. Schuld daran seien gesetzliche Vorgaben zur Dokumentation und Verschlüsselung von Diagnosen und Krankheiten.

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Auch die Fallprüfungen der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung führten regelmäßig zu einem erheblichen bürokratischen Mehraufwand für das beteiligte Klinikpersonal. „Wir brauchen dringend Vereinfachungen in der Falldokumentation“, so Botzlar. Denn die ausufernde Bürokratie im Krankenhaus ziehe mehr und mehr Personalkapazitäten in den administrativen Bereich ab.

Weniger arztfremde Tätigkeiten, mehr Zeit für die Patientenversorgung
Eine Entlastung von arztfremden Tätigkeiten würde seiner Meinung nach Ärzten wieder mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe in der Patientenbehandlung geben. Möglichkeiten dazu existierten, ihre Realisierung scheitere jedoch auch an einer insgesamt zu dünnen Personaldecke oder fehlender Infrastruktur.

„Es sind aber nicht allein die begrenzten finanziellen Ressourcen, die einer Entlastung des Klinikpersonals von bürokratischen Zwängen entgegenstehen“, verwies der MB-Vorsitzende. Manche Krankenhäuser machten sich einfach zu wenig Gedanken darüber, wie sie bestimmte Arbeitsabläufe neu gestalten können.

„Dahinter steckt oft auch die Annahme, der Arzt stelle ja ohnehin die Diagnose und könne dann auch gleich verschlüsseln", sagte Botzlar. Dabei sei unbestritten, dass beispielsweise entsprechend qualifizierte medizinische Dokumentationsassistenten solche Aufgaben besser und vor allem effizienter erfüllen könnten. © hil/aerzteblatt.de

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