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Kinder- und Jugendärzte fordern Veränderungen im Inklusionsprozess

Donnerstag, 30. Juli 2015

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) hat eine ehrliche Zwischenbilanz zum Inklusionsprozess und politische Konsequenzen gefordert. Laut Fachgesellschaft haben aktuelle Studien gezeigt, dass etwa die die Hälfte der Kinder mit einem besonderen Bedarf nach wie vor starke bis vollständige Einschrän­kungen im Bereich des schulischen Lernens hat. Dennoch sind mehr als 60 Prozent ihrer Eltern nicht über die rechtlichen Möglichkeiten zur Inanspruchnahme von integrativen Leistungen in Kindergarten und Schule informiert oder mit den Verfahren überfordert.

„Diese ‚Exklusion‘ von Eltern behinderter Kinder ist sicher nicht im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention und schon gar nicht im Sinne der Kinder, die doch Inklusion erleben und erfahren sollen und dazu eines ausreichenden und stabilen sozialen Netzwerks in und um die Familie bedürfen“, kritisierte DGSPJ-Vorstandsmitglied Ulrike Horacek.

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Es  fehlt an nachhhaltiger Unterstützung
Vielen gehe der Inklusionsprozess zudem zu langsam. „Generell vermissen alle an der Inklusion Beteiligten eine angemessene und nachhaltige Unterstützung“, sagte Horacek. Deshalb fordert die Fachgesellschaft unter anderem, die Inklusions- und Fachberatung im Kindergarten-Bereich auszubauen und so bei Eltern und im Umfeld bereits früh eine inkludierende Grundhaltung zu fördern.

Die pädagogischen Mitarbeiter benötigten hierfür jedoch besondere Unterstützung. Nicht nur das Alters-, Entwicklungs- und Nationalitätenspektrum erweitert sich, sondern zunehmend auch die Bandbreite von Krankheiten und Behinderungen, mit der sie sich im Alltag auseinandersetzen müssen.

Inklusion nicht um jeden Preis
Zudem sollten der DGSPJ zufolge an Schulen multiprofessionelle Teams eingesetzt werden, für die nicht nur räumliche und sachliche Rahmenbedingungen bereitzustellen sind. Durch sie müsse auch die pflegerische und die inklusive schulpsychologische und sozialarbeiterische Kompetenz bereitgestellt werden, um damit auch Pädagogen entlasten zu können. Gerade eine angemessene medizinische Versorgung von kranken Schülern in Regelschulen dürfe nicht zu kurz kommen, warnte die DGSPJ.

Dennoch dürfe man bei der Inklusion nicht sich und die Systeme überfordern, so Horacek. Nicht alle Kinder könnten jederzeit in Regelschulen optimal betreut und gefördert werden. Es gebe durchaus vulnerable Kinder, die besonders schutzbedürftig sind oder vor deren Aggressionspotential andere Schüler geschützt werden müssen. Horacek: „Inklusion ist also nicht immer und nicht um jeden Preis möglich.“ © hil/aerzteblatt.de

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