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Neue Internettherapie für Suizid-Hinter­bliebene

Freitag, 31. Juli 2015

Leipzig – Die Universität Leipzig hat eine Internettherapie für Suizid-Hinterbliebene entwickelt. Eine solche Therapie speziell für Hinterbliebene nach Verlust eines nahestehenden Menschen durch Suizid ist den beteiligten Wissenschaftlern zufolge eine Erfolg versprechende Alternative, da der hohe Grad an Anonymität und die geografische Unabhängigkeit vielen Betroffenen den Zugang zu einer Behandlung möglich mache.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen 2013 in Deutschland 10.076 Menschen durch Suizid zu Tode. Davon betroffen sind aber auch immer Familien­angehörige, Partner, Freunde oder Arbeitskollegen. Erhebungen gehen davon aus, dass es sich um sechs bis zehn Menschen aus engen Beziehungen handelt, die nach einem Suizid intensiv trauern.

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„Überlebende eines Suizids haben ein besonders hohes Risiko, eine anhaltende komplexe Trauerreaktion zu entwickeln und in der Folge an psychischen Störungen wie Depressionen, Angsterkrankungen und Posttraumatischen Belastungsstörungen zu erkranken bis hin zu eigenen Suizidgedanken“, verdeutlichte Anette Kersting, Direktorin der Uniklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Leipzig.

Für sie gebe es bisher jedoch keine internetgestützte Therapie. Hier setzt das Angebot der Universität Leipzig an. Es dauert fünf Wochen und besteht aus insgesamt zehn Schreibaufgaben. „Schreiben kann dabei helfen, belastende Lebensereignisse und schwierige Emotionen zu verarbeiten“, so Kersting.

In verschiedenen Phasen geht es darum, die eigene Auseinandersetzung mit dem Verlust wahrzunehmen, eine neue Perspektive zu entwickeln und ein stärkeres Gefühl von Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen. Nach jeweils zwei Schreib­einheiten erhalten die Teilnehmer eine individualisierte Rückmeldung ihres Bezugs­therapeuten ergänzt um Fragen zu ihrem körperlichen und psychischen Befinden.

Eine begleitende Studie soll zudem die Wirksamkeit der Behandlung untersuchen. Das Wissenschaftlerteam um Kersting analysiert in den kommenden zwei Jahren, ob durch die Teilnahme an der Internettherapie Ausmaß und Intensität der Trauerreaktionen beeinflusst werden können. Außerdem werden Risiko- und Schutzfaktoren bei der Entstehung einer komplizierten Trauerreaktion genauer betrachtet.

© hil/aerzteblatt.de

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