Medizin

Metformin: Diabetesmittel kann Cholesterin senken

Montag, 10. August 2015

München – Das orale Antidiabetikum Metformin beeinflusst auch die Blutfettwerte. Dabei kommt es zu einer Absenkung des LDL-Cholesterins, wie eine Studie in Diabetes Care (2015; doi: 10.2337/dc15-0658) zeigt.

Metformin senkt in der Leber die Neubildung von Glukose (Glukoneogenese). Wie diese Wirkung zustande kommt, ist nicht genau bekannt. Um den Wirkmechanismus zu entschlüsseln, haben Tao Xu vom Helmholtz Zentrum München und Mitarbeiter Blutproben von über 1.800 Teilnehmern der KORA-Studie sowohl genetisch als auch hinsichtlich ihrer Stoffwechselprodukte (Metabolite) untersucht.

Anzeige

Die KORA-Studie begleitete eine Gruppe von Einwohnern der Stadt Augsburg, um die Risiken von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu untersuchen. Einige Teilnehmer entwickelten im Verlauf der Studie einen Typ 2-Diabetes. Sie fingen an, Metformin einzunehmen, das heute das orale Antidiabetikum der ersten Wahl ist.

Die Einnahme von Metformin verminderte die Aktivität der Gene FADS 1 und FADS 2, die in den Fettstoffwechsel eingreifen. Die Folge war ein Rückgang von drei Metaboliten, die ohne FADS nicht hergestellt werden können. Der Rückgang der Metabolite war mit einem Absinken des LDL-Cholesterins verbunden, zu dem es in den ersten sieben Jahren nach Beginn der Metformintherapie kam.

Xu vermutet, dass die Veränderungen Folge einer gesteigerten Aktivierung der „AMP-aktivierten Proteinkinase“ (kurz AMPK) sind. Dieser Protein-Komplex greift in die Regulierung des Energiezustands ein. Wird dieser als sehr niedrig eingestuft, stoppt die AMPK aufwendige Prozesse wie die Cholesterin- oder Fettsäuresynthese. Es wird diskutiert, dass Metformin die AMPK Aktivität steigert, indem es den Zellen einen Energiemangel vorgaukelt, wodurch die Produktion von Glukose und Cholesterin gedrosselt wird.

Sollte diese Hypothese zutreffen, dann könnte Metformin neben der Blutzuckersenkung auch eine vorbeugende Wirkung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Genau dies war in der UKPDS-Studie herausgekommen. Dort senkte Metformin nicht nur die Zahl der „diabetes-bedingten Erkrankungen“, sondern auch die Häufigkeit von Herzinfarkten und die Gesamtsterblichkeit (NEJM 2008; 359: 1577-1589).

Die Ergebnisse dieser Studien sind ein wichtiger Grund für die derzeitige Bevorzugung von Metformin gegenüber anderen oralen Antidiabetika. Bisher gingen die Experten davon aus, dass der Rückgang der Herzinfarkte eine Folge der Blutzuckersenkung sind. Die jetzigen Ergebnisse lassen die Vermutung zu, dass auch die Senkung des LDL-Cholesterins einen Beitrag geleistet haben könnte. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

29.08.16
Cholesterin: Europäische Leitlinie hält an Zielwerten fest
Mailand – Anders als die US-Fachgesellschaften, die heute allen Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko unabhängig von den aktuellen Cholesterinwerten zu einer Statintherapie raten, halten zwei......
26.08.16
Diabetes Typ 1-Früherkennung: Sachsen startet bundesweites Angebot für Neugeborene
Dresden - Nach der Früherkennungsstudie in Bayern namens „Fr1da“, folgt Sachsen mit einem bundesweiten Screening auf Diabetes Typ 1 für Neugeborene: Freder1k. Im Gegensatz zu der bayerischen Studie......
25.08.16
Diabetes: Zahl der Sehstörungen und Erblindungen ist weltweit gestiegen
Cambridge - Die Zahl der Menschen, die aufgrund einer Diabetes-Erkrankung schwere Sehstörungen entwickeln oder sogar erblinden, hat weltweit stark zugenommen. Dies zeigt eine Analyse der Global Burden......
24.08.16
Typ-2-Diabetes: Studie stellt Blutdruckziele infrage
Göteborg – Menschen mit Typ-2-Diabetes erleiden seltener einen Herzinfarkt oder andere Herz-Kreislauf-Ereignisse, wenn ihr systolischer Blutdruck unter 120 mm Hg liegt. Dies zeigt die Auswertung des......
24.08.16
Ärzte fordern gesetzliche Maßnahmen gegen überzuckerte Lebensmittel
Berlin – Ärzte verschiedener Fachrichtungen haben Konsequenzen aus der jüngsten Untersuchung der Verbraucherorganisation Foodwatch gefordert. Laut dieser heute erschienenen Marktstudie enthalten 59......
22.08.16
Pädiatrie: Häufige Antibiotika-Behand­lungen fördern Typ 1-Diabetes bei Mäusen
New York – Eine wiederholte kurzzeitige Behandlung mit Antibiotika, wie sie in vielen Ländern Kinder in den ersten Lebensjahren erfahren, hat in einem Mäusemodell des Typ 1-Diabetes in Nature......
21.08.16
Künstliches Pankreas verbessert Blutzuckerkontrolle in der Schwangerschaft
Cambridge – Ein sogenanntes „Closed-Loop“-System, das die Insulindosis regelmäßig an den aktuellen Blutzuckerwert anpasst, hat in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2016;......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige