Politik

Immer mehr erwerbstätige Männer unter den pflegenden Angehörigen

Mittwoch, 12. August 2015

Düsseldorf – Unter den pflegenden Angehörigen sind immer mehr erwerbstätige Männer. Sie müssen die Pflege ihrer Angehörigen und ihre Berufstätigkeit parallel organisieren. Dabei wenden sie andere Strategien an als pflegende Frauen. Im Mittelpunkt steht für viele Männer ihre Erwerbstätigkeit, die Pflege wird um den Beruf herum geplant. Das ist eines der Ergebnisse des Forschungsprojektes „Männer zwischen Erwerbstätigkeit und Pflege“ (MÄNNEP) der Hochschule Düsseldorf, der Fachhochschule Köln und der Justus-Liebig-Universität Gießen. Die Hans-Böckler-Stiftung hat das Projekt gefördert.

Um den Alltag pflegender Männer zu untersuchen, nahmen die Forscher Kontakt zu Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen auf, die sich selbst als sensibel für diese Fragestellung bewerten. Dort führten sie qualitative, leitfadengestützte Interviews mit pflegenden Söhnen und befragten pro Unternehmen je ein Mitglied aus der Mitarbeitervertretung sowie der Unternehmensleitung oder der Personalabteilung.

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„Unsere Interviewpartner übernehmen umfangreiche Aufgaben in der Pflege“, sagte Sigrid Leitner von der Fachhochschule Köln. Mehr als die Hälfte seien Hauptpflege­personen, 15 von ihnen leisteten pro Woche mindestens 14 Stunden Pflege-, Versorgungs- und Betreuungsarbeit.

„Trotz dieser umfangreichen Pflegetätigkeit geben 26 von 37 Söhnen an, keine Vereinbarkeitsprobleme zu haben“, erläuterte Diana Auth von der Justus-Liebig-Universität Gießen. Dies liege daran, dass die Erwerbstätigkeit weiterhin im Mittelpunkt stehe. Die Pflege der Angehörigen werde so angepasst, dass sie mit dem Beruf in Einklang komme – oft mit Hilfe eines großen Netzwerks aus professionellen Pflegediensten, Partnerinnen und Verwandten. Aber in den Interviews seien auch die Nachteile sehr deutlich geworden: Viele Befragten klagten über große Belastungen und mangelnde Erholung und Freizeit.

Eine wichtige Unterstützung könnten die jeweiligen Arbeitgeber leisten. „Obwohl wir bewusst in Unternehmen gegangen sind, die sich selbst als pflegesensibel bezeichnen, haben wir einen sehr unterschiedlichen Umfang der angebotenen Maßnahmen festgestellt und in vier Betrieben auch Hinweise auf Anwendungsprobleme“, sagte Leiber.

Zwei Typen von Vorgesetzten sind laut der Arbeitsgruppe für pflegende Männer besonders problematisch: Ältere, konservative Führungskräfte, die nicht akzeptierten, dass auch Männer pflegten, und junge Chefs, die mit dem Thema privat noch nicht in Kontakt gekommen seien.

Von derzeit rund 2,5 Millionen Pflegebedürftigen werden etwa 70 Prozent zu Hause versorgt, die meisten von ihren Angehörigen. 2010 waren 28 Prozent der Hauptpflegepersonen männlich, der Anteil der pflegenden Söhne hat sich seit 1998 verdoppelt.

© hil/aerzteblatt.de

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