Politik

Pflegerat fürchtet Scheitern der Reform wegen Fachkräftemangels

Donnerstag, 13. August 2015

Düsseldorf – Angesichts des Fachkräftemangels hat der Präsident des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus, vor dem Scheitern der Pflegereform gewarnt. „Wenn es nicht ausreichend qualifizierte und motivierte Fachkräfte gibt, wird diese Pflegereform ein Flop“, sagte Westerfellhaus der Rheinischen Post vom Donnerstag. Es sei ihm „völlig unverständlich“, dass dieses Problem mit der Reform nicht angegangen wurde. Westerfellhaus verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass viele Fachkräfte den Pflegeberuf verließen, weil sie die Arbeitsbedingungen als „unhaltbar“ empfänden. „Auf den Fachkräftemangel bleibt die Politik jede Antwort schuldig“, kritisierte er.

Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch die zweite Stufe der Pflegereform beschlossen, die ab 2017 wirksam werden soll. Im Kern geht es vor allem um eine Besserstellung von Demenzkranken im Pflegesystem. Bisher profitieren sie nicht in gleichem Maße von den Leistungen wie körperlich beeinträchtigte Menschen. Bei der Begutachtung sind sie künftig gleichrangig. Dafür sollen unter anderem die drei bisherigen Pflegestufen künftig durch fünf differenziertere Pflegegrade ersetzt werden.

Anzeige

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte am Mittwoch darauf verwiesen, noch nie so viele Menschen eine Ausbildung zur Altenpflege begonnen hätten wie im vergangenen Jahr. Ziel sei es, dass sie lange in ihrem Beruf arbeiteten, was durch einen besseren Personalschlüssel und den Abbau von Bürokratie erreicht werden könne.

Die Koalition plant außerdem eine Reform der Pflegeausbildung. Die Arbeit an dem Entwurf für ein Pflegeberufsgesetz soll Gröhe zufolge bald abgeschlossen sein. Union und SPD hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag auf eine Modernisierung der Pflegeausbildung verständigt. Die bisher getrennte Kinder-, Kranken- und Altenpflegeausbildung soll zusammengeführt werden.

Geplant ist eine gemeinsame Grundausbildung, an die sich eine entsprechende Spezialisierung anschließt. Das soll den Wechsel zwischen einzelnen Pflegeberufen erleichtern.

Vor allem Altenpflege-Verbände lehnen bisher eine geplante Generalisierung der Ausbildung ab. Sie warnen vor einer „Abschaffung“ des Altenpflege-Berufs und kritisieren, dass sich dadurch der Fachkräftemangel in der Altenpflege verstärken würde.  © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

23.09.16
Mehr Beratung für Pflegebedürftige vor Ort
Berlin – Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen künftig intensiver beraten und besser vor Pflegebetrug geschützt werden. Das sieht das dritte Pflegestärkungsgesetz vor, das am Freitag in erster......
15.09.16
Ärzte und Pflegedienste sollen über neuen Pflegebedürftigkeits­begriff informieren
Berlin – In rund 100 Tagen – am 1. Januar 2017 – sollen die Regelungen des zweiten Pflegestärkungsgesetzes in Kraft treten. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) appellierte heute in Berlin an......
14.09.16
GKV-Spitzenverband: 2017 wird neue Ära in der Pflegeversicherung beginnen
Berlin – Der GKV-Spitzenverband geht davon aus, dass die Umstellung auf den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff zum Beginn des kommenden Jahres gelingen wird. „Ich glaube, dieses Mammutprojekt ist sehr......
07.09.16
Pflegereform: Streit um Regelungslücke
Berlin – Bis zu zehn Prozent der Bewohner von Pflegeheimen erhalten keine Leistungen der Pflegeversicherung. Meist werden in diesem Fall die Heimkosten vom Sozialhilfeträger übernommen. Dies könnte......
27.04.16
Dritte Stufe der Pflegereform: Modellkommunen sollen Pflegeberatung erproben
Berlin – Die Bundesregierung will die Kommunen in Deutschland bei der Pflege stärker einbinden. Das geht aus dem Referentenentwurf zum dritten Pflegestärkungsgesetz (PSG III) hervor, der dem Deutschen......
07.03.16
Pflegende Angehörige nutzen Leistungen der Pflegeversicherung kaum
Berlin – Die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung sind den meisten pflegenden Angehörigen bekannt, zum Beispiel die Tages-, Kurz- oder Verhinderungspflege. Mit Ausnahme des Pflegedienstes......
28.12.15
Schwesig kündigt Pflegetelefon an
Saarbrücken – Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) zieht eine erste positive Bilanz der Familienpflegezeit und kündigt zugleich ein neues Pflegetelefon an, um pflegende Angehörige besser zu......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige