Medizin

Allergien: Autoabgase verstärken Allergenität von Ambrosia-Pollen

Dienstag, 18. August 2015

München – Autoabgase können die Allergenität von Ambrosia artemisiifolia verstärken. Dies zeigen Untersuchungen der Pollen in Plant, Cell & Environment (2015; doi: 10.1111/pce.12601).

Das beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) ist in Nordamerika heimisch, wo sie als Ragweed, Fetzenkraut, bezeichnet wird. Die Pollen enthalten ein starkes Allergen (Amb a 1) das in Nordamerika die Hauptursache für Heuschnupfen und Allergien ist. Vor einigen Jahren gelangte die Pflanze – Botaniker vermuten über Vogelfutter – nach Europa, wo sie sich, möglicherweise begünstigt durch den Klimawandel, stark ausbreitet. Die aromatisch duftende Pflanze findet sich derzeit vor allem an den Autobahnen. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Lokalisation an den Autobahnen die Allergenität der Pflanze verstärken.

Anzeige

Ein Team um Ulrike Frank vom Helmholtz Zentrum München hat möglicherweise die Erklärung dafür gefunden. Die Forscher exponierten die Pflanze im Verlauf der Vegetationsperiode unterschiedlichen Konzentrationen des in den Autoabgasen enthaltenen Stickoxids (NO2) und analysierten dann das Proteom, also die Gesamtheit aller von der Pflanze gebildeten Proteine. Dabei fiel auf, dass die Konzentration von verschiedenen Formen des bekannten Hauptallergens Amb a 1 durch die NO2-Begasung deutlich erhöht wurde.

Dass der NO2-Stress die Allergenität der Pflanze verstärkt, konnten die Forscher auch an Blutproben von Allergikern zeigen. Laut ihrem Bericht zeigten die mit NO2 exponierten Pollen eine besonders starke Bindung von Amb a 1 an den spezifischen IgE-Antikörpern der Patienten. 

Die NO2-Exposition könnte sogar zur Entstehung neuer Allergene geführt haben. Die Forscher entdeckten in den begasten Pflanzen ein Protein, das bis dato als Ambrosia-Allergen unbekannt war. Es zeigt eine starke Ähnlichkeit mit einem Protein aus Gummibäumen, schreiben die Wissenschaftler. Dort sei es zuvor als Allergen beschrieben worden, und auch in Schimmelpilzen und weiteren Pflanzen sei diese Wirkung bekannt. Weitere Experimente dazu seien derzeit in Planung, teilen die Forscher mit. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

24.11.16
Straßburg – Die Luft in Europa soll durch eine Reduzierung von Schadstoffen bis 2030 deutlich sauberer werden. Darauf zielt eine Richtlinie ab, die das Europaparlament heute unter Dach und Fach......
23.11.16
Lebensmittel­allergien unterscheiden sich nach Ethnie
Chicago – Allergien gegen Mais, Meeresfrüchte und Fisch kommen bei afro- und lateinamerikanischen Kindern häufiger vor als bei weißen Kindern. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher vom Rush University......
07.11.16
Neu Delhi – Wegen einer gefährlich hohen Luftverschmutzung haben die Behörden in Neu Delhi Notfallmaßnahmen angekündigt. Unter anderem würden die Schulferien um drei Tage verlängert, sagte der......
01.11.16
Berlin – Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat ein Forschungsprojekt für ein qualitätsgesichertes und allgemeinverständliches Online-Informationsangebot zum Thema Allergien vergeben. Das......
31.10.16
Unicef: 300 Millionen Kinder atmen giftige Luft
Washington – Rund 300 Millionen Kinder weltweit müssen tagtäglich gefährlich verschmutzte Luft einatmen, die ihrer Gesundheit schweren Schaden zufügen kann. Die hohe Konzentration von Giftstoffen in......
19.10.16
Bethesda – Bei vier bis sechs Prozent der Bevölkerung ist die Serum-Tryptase im Blut erhöht. Dies kann zu einer verwirrenden Kombination von Symptomen führen, deren Ursache laut einer Studie in Nature......
10.10.16
Hamburg – Mit dem Beginn der Heizperiode beginnt für viele Hausstaub-Allergiker eine besondere Leidensphase: Das Allergen befindet sich bekanntlich im Kot von Milben und wird im Winter durch die......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige