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Zahl der Demenzkranken in Europa stabilisiert sich

Sonntag, 23. August 2015

Cambridge – Entgegen weit verbreiteter Befürchtungen nimmt die Zahl der Demenz­kranken in Europa derzeit nicht zu. Eine Auswertung von fünf Kohortenstudien in Lancet Neurology (2015; doi: 10.1016/S1474-4422(15)00092-7) deutet sogar einen Rückgang an, den die Autoren auf die erfolgreiche Vermeidung von kardiovaskulären Risiko­faktoren in der Bevölkerung zurückführen.

Demenzerkrankungen werden häufig als unvermeidbare Folge des Alterns angesehen. Da die Lebenserwartung in den meisten Ländern stark zugenommen hat, wurde in den letzten Jahren immer wieder eine „Demenz-Epidemie“ vorhergesagt. Diese Szenarien werden nach Einschätzung von Carol Brayne, vom Cambridge Institute of Public Health (CIPH) nicht eintreffen. Ihre Analyse von fünf großen Kohortenstudien aus Schweden (2 Studien), den Niederlanden, Großbritannien und Spanien deuten eher in die entgegen­gesetzte Richtung.

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Nach der britischen Studie litten 2011 sogar relativ gesehen 22 Prozent weniger Men­schen über 65 Jahre an einer Demenz als im Jahr 1990. In Saragossa/Spanien kam es zwischen 1987 und 1996 bei den Männern sogar zu einem Rückgang um 43 Prozent. Bei den Frauen änderte sich die Prävalenz kaum. In den schwedischen Kohorten aus Stockholm und Göteborg sowie in der niederländischen Kohorte aus Rotterdam gab es in beiden Geschlechtern keine wesentlichen Veränderungen in der Zahl der Demenz­kranken. Auch bei einer steigenden Lebenserwartung sei deshalb nicht mit einem Anstieg zu rechnen, schreibt Brayne.

Die Epidemiologin führt die günstige Entwicklung auf eine Verbesserung der Lebens­bedingungen zurück, die viele Menschen vor der Entwicklung einer Demenz schützen kann. Die Demenz ist nämlich nicht, wie vielfach angenommen, ein unabwendbares Schicksal einer genetisch bedingten zunehmenden Ablagerung von Amyloiden im Gehirn. Eine wichtige Ursache sind Durchblutungsstörungen aufgrund einer Athero­sklerose der Blutgefäße im Gehirn. Sie können durch die Behandlung oder Vermeidung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder hohen Cholesterinwerten verhindert werden.

Trotz der Zunahme der Lebenserwartung und der Tatsache, dass etwa 40 Prozent aller Menschen im Alter über 85 Jahre eine Demenz entwickeln, rechnet Brayne deshalb in Zukunft zumindest mit einer Stabilisierung in der Zahl der Demenzkranken. Ihrer Ansicht nach sollte der Schwerpunkt auf der Prävention der Demenz liegen, die bereits möglich ist, während es bislang kein Medikament gebe, das eine Demenz heilen kann. © rme/aerzteblatt.de

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