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KBV kritisiert Beitragssenkungen der Krankenkassen

Donnerstag, 27. August 2015

Berlin – Panik ist beim Blick auf die Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) gänzlich unangebracht. Darauf hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hingewiesen. Nach Medienberichten haben die gesetzlichen Krankenkassen im ersten Halbjahr 2015 ein Defizit von fast einer halben Milliarde Euro verbucht – ungeachtet der positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland.

Der Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Dominik von Stillfried, plädierte dafür, zunächst die offiziellen Zahlen aus dem Bundesgesundheitsministerium abzuwarten. „Aus den Zahlen für das erste Quartal 2015 geht hervor, dass die Kassen ohne die Beitragssatzsenkung insgesamt sogar einen Überschuss erzielt hätten. Außerdem werden Finanzreserven der GKV von 25,3 Milliarden Euro ausgewiesen“, erinnerte er an die Zahlen für Januar bis März. Die Finanzsituation sei also insgesamt „mehr als positiv“ und werde in den Monaten April, Mai und Juni nicht grundsätzlich gekippt sein, so der Zi-Geschäftsführer.

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Sollten die Kassen ins Minus gerutscht sein, ist dies laut der KBV jedoch hausgemacht. „Wer in Zeiten des demografischen Wandels die Beitragssätze senkt, muss sich nicht wundern, wenn erstmals seit Jahren wieder ein Defizit in den Büchern steht“, sagte dessen Vorstandsvorsitzender Andreas Gassen.

Der durchschnittliche GKV-Beitragssatz lag im Jahr 2014 bei durchschnittlich 15,5 Prozent, in diesem Jahr bei 15,43 Prozent. „Diese Differenz mag klein erscheinen, bedeutet aber für das Gesamtjahr einen Einnahmeverlust von etwa 900 Millionen Euro“, so Gassen.

KBV-Vorstand Regina Feldmann sieht zunächst keine Auswirkungen für die Honorar­verhandlungen. „Die Gesetzeslage ist eindeutig. Die finanzielle Ausstattung soll sich nicht nach der aktuellen Finanzlage der GKV richten, sondern nach dem Bedarf der Versicherten“, sagte sie. Außerdem steige der Bundeszuschuss für die gesetzlichen Krankenkassen 2016 um 2,5 Milliarden Euro, was einer Erhöhung der Einnahmen um etwa 1,25 Prozent entspreche. „Dieses Geld muss dann natürlich in der Versorgung ankommen“, betonte Feldmann.

© hil/aerzteblatt.de

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Practicus
am Samstag, 29. August 2015, 01:45

Die Einnahmen der Krankenkassen

haben doch mit den "befreienden Gesamthonorar" nichts zu tun, das die Ärzte erhalten.
Durch einen eigentlich verfassungswidrgen Geburtsfehler des SGB V ist das Wachstum des Gesamthonrars an das Wachstum der beitragspflichtigen Grundlohnsumme gekoppelt, nicht an die Beitragseinnahmen der GKV! darüberhinaus sind Steigerungen nur erlaubt, wenn neue Leistungen dazu kommen - und natürlich Satzungsleistungen der Kassen...
Das demografische wie das Morbiditätsrisiko liegt weiterhin nur bei den Ärzten, weil im Gesetz Demografie und Morbidität ausdrücklich nicht als Faktoren aufgeführt sind, die eine Erhöhung des Gesamthonorars begründen können.
Die Kassen wissen doch schon gar nicht mehr, wohin mit dem Geld - Bonuszahlungen, Beitragsrückerstattung, Homöopathie, Akupunktur, Osteopathie, Pseudoprävention, dazu Fernsehwerbung, Sponsoring von Sportveranstaltungen, Mitgliedszeitschriften auf teuerstem Hochglanzpapier, traumhafte Einkommen und Pensionen für die Mitarbeiter und besonders die Vorstände...
Für jeden Vertragsarzt gibt es rechnerisch 1.5 Sozialversicherungsfachangestellte bei den kranken Kassen!
Herz1952
am Freitag, 28. August 2015, 12:15

"Markt" ist im Gesundheitswesen nicht zu verwirklichen

Es fehlen hier einfach die grundsätzlichen Voraussetzungen, weil niemand - und schon gar nicht die Patienten - frei entscheiden können. Was sollen denn 150 Krankenkassen mit 450 Vorständen.

Es gab zu "Hochzeiten" schon mal über 800. Da waren Kassen dabei, die bei einem einzigen Dialyse-Patienten insolvent gewesen wären.

Ich halte allerdings auch nichts von den Krankenkassen, die Gesunden die "Gesundheits-Watch" finanzieren. Die wirklich Kranken müssen um jeden Cent kämpfen. Außerdem kann niemand sein Verhalten nach seinem Willen so einfach ändern, wie viele Ärzte meinen. Jetzt ist sogar eine Punktmutation im FTO-Gen entdeckt worden, die für Adipositas verantwortlich ist (sein könnte).

Die Gene des Menschen verhalten sich nun mal nach der "Chaos"-Theorie, wobei Chaos nicht die Unordnung bedeutet, sondern die möglichen Veränderungen im zeitlichen Verlauf. Wir werden alle schon mit Genom-Fehlern geboren und niemand kann vorhersehen wie sich das weiter entwickelt und man weis auch nicht wie sich äußere Einflüsse beim Individuum auswirken können.

Den Krankenkassen wäre es allerdings am liebsten, sie bräuchten bei Krankheiten oder Unfällen, die keiner absichtlich herbeiführt, nicht zu zahlen. Außerdem möchte der Spibu der GKV am liebsten auch die Medikamente aus der Erstattungsfähigkeit der GKV streichen, die nur geringen "Zusatznutzen" haben. Als Zusatznutzen zählt auch nicht, wenn ein Medikament nicht renal abgebaut wird, sondern über den Darm. auch nicht bei bereits vorgeschädigter Niere.

Was denken sich die Verantwortlichen im Gesundheitswesen überhaupt? Können "die" überhaupt denken?

Das schlimme ist allerdings, dass viele Ärzte von der GKV "angesteckt" sind. Wenn zwei Krankheiten vorliegen (darunter auch eine Folgeerkrankung), kann es schon sein, dass der Patient erst durch die Verschreibungsrichtlinien verhungern muss, bevor der Arzt ein Rezept ausstellt - und manchmal am liebsten ein "Privatrezept".
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 27. August 2015, 20:42

KBV und ZI haben es wieder nicht begriffen!

Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes Florian Lanz erzählt den gleichen Unsinn wie zuvor der AOK-Bundesverband:
Vgl. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63864/110-Millionen-Euro-Verlust-bei-der-AOK
Selbst blutige Laien können berechnen, dass die ersten beiden Quartale im Jahr mit 6 Monatsbeiträgen an Renten- und Krankenversicherungs-Abgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wesentlich w e n i g e r einbringen, als die Quartale 3 und 4 mit z u s ä t z l i c h e m Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Dies entspricht im 2. Halbjahr etwa 7 Monatsbeiträgen für die dann sprudelnden GKV-Kassen: Ein sattes Plus von knapp 16,7 Prozent Mehreinnahmen!

Doch diese banale und seit Jahrzehnten bestätigte Erkenntnis ist nicht nur an der AOK und den PR-Stabsstellen des GKV-Spitzenverbandes (SpiBu), sondern auch an der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) vorbeigerauscht.

Florian Lanz konnte, wollte und sollte auf eine weitere Betrachtungsweise nicht eingehen. Die GKV-Kassen sitzen zusätzlich auf milliardenschweren Reserven: Noch im März 2015 hatten die Kassen ein Finanzpolster von rund 15,5 Milliarden Euro. Rücklagen des Gesundheitsfonds lagen Ende März noch bei 9,8 Milliarden Euro.

Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble schürft schon seit Monaten wie "Onkel Dagobert Duck" an dieser "Geld- und Goldader", um seinen chronisch defizitär-maroden Bundeshaushalt wieder einmal auf Kosten der GKV-Versicherten sanieren zu können. Und "Mutti" schaut mal wieder stumm, auf dem ganzen Tisch herum.

Welche Fachleute, auch bei der KBV, da wegen eines faktisch gar nicht vorhandenen defizitären Trends in 2016 mit steigenden Beiträgen rechnen, bleibt schleierhaft. Der "gefakte" Schwanengesang des SpiBu ist eine reine Inszenierung: Die KBV soll bei laufenden Honorarverhandlungen der GKV-Vertragspartner mit ihren Forderungen nach Kassenhonorar-Steigerungen möglichst kurz gehalten werden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

PS.: Mindestens bis Ende 2017 unterstützt die AOK als Hauptsponsor den Deutschen Handballbund (DHB). Zu sehen ist das grüne Logo auf der Brust der Männer-Nationalmannschaft. Der Deal, der eine Option auf Verlängerung beinhaltet, soll dem DHB jährlich zwischen 700.000 und einer Million Euro einbringen und dieselbe Summe die AOK-Versicherten kosten - je nach sportlichem Erfolg der Handballer.
Quelle: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/gkv-ausgaben-die-werbedeals-der-krankenkassen/?tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=1
kairoprax
am Donnerstag, 27. August 2015, 20:29

es herrscht nicht zu viel, sondern zu wenig Markt


Gassen glaubt wohl, daß jede Bitragserhöhung eins zu eins in ein Honorarplus umgesetzt wird. Falsch! Namentlich die großen, AOK oder DAK erhöhen ihre Beiträge, um damit Werbung für ihre eigene Versicherung zu machen - was sind Hausarzt- oder Rabattverträge denn sonst? Daß der Beitragssatz bröckelt liegt doch an den vernünftig rechnenden kleinen Kassen, zu denen genau deswegen immer mehr Patienten wechseln.
Und diese Entwickluing ist begrüßenswert.

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