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Multiple Sklerose: Stillen kann den nächsten Schub hinauszögern

Dienstag, 1. September 2015

Bochum - Patientinnen mit Multipler Sklerose (MS), die ihre Säuglinge nach der Geburt zwei Monate oder länger gestillt haben, erlitten in einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Neurology (2015; doi: 10.1001/jamaneurol.2015.1806) in den ersten sechs Monaten signifikant seltener einen Krankheitsschub.

Die Häufigkeit von Krankheitsschüben nimmt in der Schwangerschaft kontinuierlich ab. Im letzten Trimenon sind Schübe bis zu 80 Prozent seltener als vor der Schwanger­schaft. Mit dem Ende der Schwangerschaft ist diese protektive Wirkung schlagartig beendet. Etwa 30 Prozent der Frauen erleiden in den ersten 3 Monaten nach der Geburt einen Schub. Ob das Stillen des Kindes das Auftreten des ersten Schubs hinauszögern kann, ist umstritten.

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Kerstin Hellwig von der Ruhr-Universität Bochum hat hier die Daten von 201 Schwan­geren ausgewertet, die vor der Geburt nach ihren Stillwünschen befragt wurden. Insgesamt 120 Frauen äußerten den Wunsch, ihren Säugling über wenigstens zwei Monate voll zu stillen. Weitere 42 Frauen entschieden sich für ein Teilstillen mit zusätzlicher Flaschennahrung, während 39 Frauen sich gegen das Stillen entschieden hatten. Die meisten Frauen (88,6 Prozent) nahmen während der Schwangerschaft krankheitsmodifizierende Mittel (DMT) ein.

Die spätere Befragung ergab, dass 31 Frauen (38,3 Prozent), die nicht ausschließlich gestillt haben, innerhalb der ersten sechs Monate nach der Geburt einen Krankheits­schub erlitten. Bei den Frauen, die ihre Kinder ausschließlich stillten, erlitten nut 29 Frauen (24,2 Prozent) während dieser Zeit ihren ersten Krankheitsschub. Dr. Hellwig ermittele eine adjustierte Hazard Ratio von 1,70 auf einen Schub, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,02 bis 2,85 signifikant war.

Da es sich nicht um eine randomisierte Studie handelte – es blieb den Frauen über­lassen, ob sie stillen wollten oder nicht – ist nicht ganz auszuschließen, dass andere Faktoren als das Stillen für die protektive Wirkung verantwortlich sind. Hellwig rät allen Frauen mit MS, ihre Kinder für 4-6 Monate voll zu stillen, wie dies die Weltgesundheits­organisation empfiehlt. Danach könnten sie sukzessive Beikost einführen.

Ein teilweises Stillen war in der Studie nicht protektiv wirksam. Dr. Hellwig führt dies auf die rasche Umstellung des Hormonhaushalts zurück. Detaillierte Ratschläge gibt die Expertin auf der Internetseite des Deutschen Multiple Sklerose und Kinderwunsch Registers (DMSKW).

© rme/aerzteblatt.de

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