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Ein Drittel der Flüchtlingskinder ist psychisch belastet

Dienstag, 1. September 2015

München - Flüchtlingskinder sind einer Studie zufolge häufig psychisch belastet. Eine Untersuchung von 100 syrischen Kindern in der Bayernkaserne in München ergab, dass etwa ein Drittel davon betroffen war. Jedes fünfte Kind litt an einer posttraumatischen Belastungsstörung.

„Dies ist die erste repräsentative Studie, die in dieser Größenordnung in Deutschland durchgeführt wurde“, sagte Volker Mall, Professor für Sozialpädiatrie an der Technischen Universität München, am Dienstag. Jedes Kind sei zweimal für jeweils drei Stunden von muttersprachlichen Ärzten und Psychologen untersucht worden. „Gerade die posttraumatische Belastungsstörung ist eine große Herausforderung für uns“, erklärte Mall. Die Studie zeige zudem, dass Flüchtlingskinder stärker an körperlichen Krankheiten leiden als andere Kinder in Deutschland. Dabei handele es sich oft um Karies, fehlende Impfungen und Atemwegserkrankungen.

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Die Erlebnisse von Krieg und Folter in den Heimatländern und die oft monatelange Flucht nach Europa belasteten die Kinder in hohem Maße. Aber auch die Situation in Deutschland trage zur psychischen Belastung bei. Viele Kinder erlebten soziale Isolation und Diskriminierung. „Hier fehlt es ganz klar an einer Willkommenskultur in Deutschland“, betonte Mall. „Ein großes Problem ist der lange Aufenthalt in Erstaufnahmeeinrichtungen. Viele Kinder bleiben 200 Tage in diesen Unterkünften - und das muss sich ändern!“

Der Mediziner plädierte dafür, den Flüchtlingskindern mehr Aufmerksamkeit zu widmen: „Kinder fallen an vielen Stellen durch die Netze. Wir fordern eine höhere Priorität der Versorgung von Familien mit Kindern.“ Dabei gehe es nicht um eine intensive psychotherapeutische Betreuung der Kinder. Stattdessen müsse es ein leicht zugängliches Beratungsangebot für Familien geben, um sie darüber zu informieren, an wen sie sich bei Problemen wenden können.

Die medizinische Versorgung von Flüchtlingskindern ist auch Thema der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, die am Mittwoch in München beginnt. 3000 Ärzte beraten dort über neue Forschungsergebnisse und Therapiemöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. © dpa/aerzteblatt.de

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