Vermischtes

Risiko durch Alkohol in Schwangerschaft oft unterschätzt

Montag, 7. September 2015

Berlin – Viele Menschen unterschätzen nach wie vor die Risiken durch Alkohol in der Schwangerschaft. Nach einer heute von der Bild-Zeitung zitierten INSA-Umfrage im Auftrag der Privaten Krankenversicherung (PKV) hält es gut jeder Vierte (28 Prozent) für unproblematisch, wenn Schwangere „gelegentlich ein Gläschen Bier oder Sekt“ trinken. Alkohol während der Schwangerschaft kann beim Ungeborenen zu schweren geistigen und körperlichen Schäden führen.

„Alkohol ist ein Gift, auch wenn er gesellschaftlich verharmlost wird“, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), dem Blatt. Alkohol gehe aus dem Blut über die Plazenta auf das ungeborene Kind über und könne beim Fötus schweren Schaden anrichten.

Anzeige

In Deutschland werden pro Jahr schätzungsweise mindestens 2.000 Kinder mit soge­nanntem fetalem Alkoholsyndrom (FAS) geboren. Für viele Betroffene sind bereits Alltäglichkeiten eine große Herausforderung, Anziehen und Zähneputzen müssen jeden Tag aufs Neue gelernt werden. Mindestens 10.000 weitere Kinder leiden unter weniger auffälligen fetalen Alkoholspektrum-Störungen (FASD). Aber auch sie sind meist ein Leben lang auf Hilfe angewiesen.

„Studien zeigen, dass mehr als ein Viertel der Schwangeren zumindest gelegentlich Alkohol trinkt“, erklärte Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), anlässlich des bevorstehenden „Tages des alkoholgeschädigten Kindes“. Oft stünden Unwissenheit und Unkenntnis der schwerwiegenden Folgen dahinter.

Mortler erklärte in Berlin, für die Betroffenen und ihre Familien seien diese Störungen eine große Belastung. Dabei sei dies „komplett vermeidbar, wenn während der Schwangerschaft auf Alkohol verzichtet wird“. Der Bund fördert seit Jahren die Aufklärung über die Gefahren des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft. Bei den Jüngeren gibt es immerhin ein deutliches Problembewusstsein. Laut der INSA-Umfrage halten 84 Prozent der 18- bis 24-Jährigen Alkohol in der Schwangerschaft generell für gefährlich. Bei den über 55-Jährigen sind es dagegen nur 67 Prozent.  © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Vermischtes

Nachrichten zum Thema

30.06.16
Berlin – Bei anhaltender Erschöpfung und depressiver Verstimmung nach der Geburt sollten Ärzte nicht nur an den „Baby-Blues“ denken, warnt der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner. Fast jede......
30.06.16
Prävention von Frühgeburten: Versorgungsvertrag geschlossen
Berlin – Ein neuer Versorgungsvertrag namens „Gesund schwanger“ soll durch besondere ambulante Maßnahmen die Frühgeburtenrate senken. Deren Rate ist mit rund zehn Prozent in Deutschland im......
30.06.16
Wiesbaden – In Deutschland sind 2015 so viele Kinder zur Welt gekommen wie seit Jahren nicht mehr. Das zeigen vorläufige Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Demnach wurden 737.630 Babys......
30.06.16
Neue S3-Leitlinie für die Diagnose der fetalen Alkohol­spektrum-Störungen
Berlin/Düsseldorf – Mütterlicher Alkoholkonsum während der Schwangerschaft führt bekanntlich häufig zu Schäden beim ungeborenen Kind. Die jungen Patienten werden aber bislang oft nicht richtig oder......
24.06.16
Geburtshilfe: US-Fachgesellschaft rät grundsätzlich von Episiotomie ab
Washington – Obwohl es bei den meisten vaginalen Entbindungen zu Verletzungen des Geburtskanals kommt, rät die US-Fachgesellschaft ACOG in einer aktuellen Leitlinie grundsätzlich von einer Episiotomie......
23.06.16
Schwangerschaft: Cannabis stört Hirnentwicklung anders als Rauchen
Rotterdam – Ein Cannabiskonsum während der Schwangerschaft führt zu Veränderungen der Hirnentwicklung beim Feten, die in einer Studie in Biological Psychiatry (2016; 79: 971-979) im Vorschulalter von......
15.06.16
Fachverband warnt vor Hürden zu einer Suchttherapie
Bonn – In Deutschland sind die Hürden für eine professionelle Suchtbehandlung – vor allem bei Alkoholkrankheit – zu hoch. Das kritisiert der Fachverband Sucht. Laut Verband standen im Jahr 2014 rund......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige